2. April 2019 Von: André in 'Skitechnik'' | 0 Kommentare

Viele Skifahrer freuen sich auf den Skiurlaub im Frühjahr: Sonne satt, lange Tage und gutes Wetter locken Sonnenanbeter und Schneefans gleichermaßen an. Der Schnee ist jedoch ab Mittag häufig ein anderer. Hohe Temperaturen und viel Sonne lassen die Schneetemperatur auf über 0°C ansteigen. Dieser Sulzschnee wird von vielen Skifahrern als anstrengend und schwergängig empfunden. Snowplaza Reporter André erzählt von seinem ersten Mal im Sulz und wie er im Skiurlaub gelernt hat durch den nassen Schnee zu surfen. Außerdem gibt er passende Tipps zum Skifahren im Sulzschnee.

Mein erstes Mal im Sulzschnee

Verwöhnt von Skiurlauben in den kalten Monaten Dezember, Januar und Februar, erinnere ich mich noch daran als es als Jugendlicher das erste Mal zu Ostern in die Alpen ging. Nicht nur, dass mir immer zu warm war, sondern auch der Schnee war irgendwie anders. Die ersten Abfahrten fühlte ich mich wie ein Anfänger. Was war passiert? Die hohen Temperaturen und die höher stehende Sonne führen gerade im März und April zu nassem sowie schwerem Schnee. Morgens kratzen wir mit unseren Skiern die über Nacht angefrorene Schneeschicht von der Piste, nur um Sie dann zu Hügeln zusammen zu schieben. Ab dem Mittag schmelzen die Hügel dann wie das Eis in der Sonne. Der entstandene Sulzschnee vermittelt in der Folge ein ganz anderes Fahrgefühl, das mit ein bisschen Übung ebenso gemeistert werden kann.

Talabfahrt im Frühling mit Sulzschnee

Talabfahrt im Frühling mit Sulzschnee

Ist Sulzschnee gefährlich?

Sulzschnee heißt im Volksmund auch Knochenbrecherschnee, da viel Kraft benötigt wird, um durch den schweren, oft zu Hügeln aufgetürmten Schnee zu pferchen. Doch es geht noch eine andere Gefahr von Sulzschnee aus. Durch die Sonneneinstrahlung wird der Schnee umgewandelt in größere Schnee- und Eiskristalle. Das mehrmalige Gefrieren und Antauen lässt so verschiedene Schneeschichten entstehen, die sich nicht mehr verbinden. Eine Folge davon ist häufig eine erhöhte Lawinengefahr, da die oberste Schicht einfacher abrutschen kann. Deswegen sollte im Frühjahr besonders auf die Schneekonditionen geachtet werden, wenn es neben die Piste geht.

Richtige Position sorgt für Spaß beim Skifahren

Um die Abfahrt auf der Piste auch bei hohen Außen- und Schneetemperaturen zu meistern, sollte eine schulterbreite Skistellung gewählt werden. Wichtig ist zusätzlich eine mittlere Position auf dem Ski. Das heißt, dass wir nicht zu tief in die Knie gehen dürfen und gleichzeitig nicht zu aufrecht stehen sollten. So können Buckel auf der Piste sowohl nach oben und unten gut abgefedert werden. Damit sich die Skispitzen nicht in den Schnee bohren oder am Buckel eingefädelt wird, darf das Gewicht leicht auf die Fersen verlagert werden. Rücklage oder sich nach hinten zu lehnen ist aber unbedingt zu vermeiden.

Geschwindigkeit und wenige, kontrollierte Kurven

Mit der richtigen Position auf dem Ski wird sich die Fahrt im Sulz gleich viel einfacher gestalten. Trotzdem wird mehr Geschwindigkeit benötigt als üblich. Der nasse Schnee bremst nicht nur, sondern lässt sich auch nur schwer wegschieben. Deswegen hilft eine etwas höhere Geschwindigkeit und die freiwerdenden Fliehkräfte. Dazu werden die Kurven in einem größeren Bogen weit ausgefahren, damit die Bremswirkung möglichst gering ist. Wenn die Buckel nicht zu groß sind, kann sogar in langen Schwüngen über die Piste gecarvt werden, denn auf der Kante ist der Bremswiderstand noch kleiner.

Enge Beinstellung bei Bruchharsch wählen

Nicht nur Eskimos haben viele Wörter für Schnee, auch der Skifahrer kennt eine breite Palette von Begriffen, die den Zustand der weißen Pracht beschreiben. Sollte der Sulz über Nacht wieder anfrieren und eine ungemütliche Mischung aus gefrorenem und weichem Schnee entstehen lassen, sprechen wir von Harsch. Wenn die ersten Skifahrer dann den Harsch zerfahren haben, wird aus der zerbrochenen Schneedecke Bruchharsch. Hierbei kann es sein, dass die Bedingungen sich nicht nur von Schwung zu Schwung, sondern auch von linkem zu rechtem Ski unterscheiden. Hier heißt es, unbedingt eine engere Beinstellung wählen und so den Auftrieb der Skier erhöhen.

Frühlings-Skipiste in der Zillertal Arena

Frühlings-Skipiste in der Zillertal Arena

Weitere Tipps zum Sonnenskilauf im Frühling

Das Skifahren im Frühling kann unheimlich viel Spaß machen, unterscheidet sich aber leicht von den Wintermonaten. Wer sich einmal mit den unterschiedlichen Bedingungen vertraut gemacht hat, kann morgens traumhafte Pisten bei strahlendem Sonnenschein genießen und am Mittag mit ein bisschen Übung gekonnt durch den nassen Schnee surfen. Wie ich bei meinem ersten Sonnenurlaub auf Skiern erfahren musste ist aber nicht nur Übung wichtig, sondern auch Sonnencreme, mehr (Trink)pausen und frühes Aufstehen. Denn wer morgens als Erster beim Lift war, darf auch am Nachmittag früher in den Liegestuhl.

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Seit meinem dritten Lebensjahr bin ich auf Skiern unterwegs, begleite Skigruppen als Skilehrer und bin DSV-Ski-Instructor. Ich habe nicht nur riesen Spaß am Skifahren, sondern auch daran anderen diese Freude zu vermitteln.

 
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