2. Juli 2020 Von: Martin in Skitechnik

Kurvenfahren ist das A und O beim Skifahren! Doch wie gelingt eine gute Kurve und wie wird sie zum eleganten und leichtfüßigen Schwung? Klar, der Belastungswechsel bei der Kurveneinleitung vom „alten“ Außenski auf den „neuen“ Außenski bewirkt den Wechsel in die nächste Kurve. Doch wenn wir dabei in Rücklage geraten, was übrigens häufig auf den Skipisten zu beobachten ist, wird der Schwung zum Kraftakt und wirkt „abgehakt“. Außerdem führt die Rücklage schneller zu einem Kontrollverlust. Snowplaza erklärt, wie eine gute Kurvenfahrt mit ausreichend Vorlage gelingt.

1. Bewegungsbereitschaft herstellen

Um überhaupt gute Kurven fahren zu können, sollten wir uns auf dem Ski in alle Richtungen (hoch, runter, vor, zurück) bewegen können. In den Skikursen ist das Schlüsselwort dafür die zentrale und mittige Position über dem Ski. Demnach ist die Fußsohle gleichmäßig belastet, die Sprunggelenke (Knöchel), Kniegelenke und Hüftgelenke leicht gebeugt und die Arme in Vorhalteposition (etwa vor den Hüftknochen).

2. Im Sprunggelenk fängt alles an

Durch gezieltes hoch-, runter-, vor- oder zurückgehen aus der bewegungsbereiten Position meistern sie jedes Gelände. Dabei spielen ihre Sprunggelenke die wichtigste Rolle. Insbesondere dort sollten Sie besonders bewegungsbereit sein. Die Schwungeinleitung beginnt durch ein Nachvornegehen im Sprunggelenk und wird ebenfalls durch ein nach vorne gehen in Knie- und Hüftgelenk unterstützt.

3. Auf das richtige Timing achten

Wann beginne ich mit der Vorlage? Am besten so früh wie möglich! Wenn Sie sich gerade noch in der Kurvenfahrt befinden, gehen sie schon eine gefühlte Millisekunde vor dem Belastungswechsel auf den „neuen“ Außenski nach vorne. Ihr Oberkörper orientiert sich also zur Kurveneinleitung talwärts!

4. Von den Fersen abstoßen

Damit sie auch gut aus der bewegungsbereiten Position in Vorlage kommen (u.a. sind Ihre Fußsohlen vor Schwungeinleitung gleichmäßig belastet), stoßen sie sich von den Fersen ab und verlagern die Fußsohlenbelastung auf Fußballen und -seiten. Ihre Schulterachse ist dabei parallel zu Tal. Damit das klappt, fixieren Sie mit ihrem Blick einen Punkt, der talwärts liegt.

5. Mut zum freien Fall

Das Durchfahren der Kurvenmitte, also der Moment indem Ihre Ski gerade ins Tal zeigen, fühlt sich wie ein kurzer freier Fall (ähnlich einer Achterbahnfahrt) an. Dies ist ein großartiges Gefühl und generiert durch die sogenannte Hangabtriebskraft sowie den zuvor eingeleiteten Belastungswechsel („alter“ Außenski wird zum „neuen“ Außenski) samt der nötigen Portion Vorlage eine ideale Kurvenfahrt. Zugegebenermaßen erfordert das aktive Nachvornegehen etwas Überwindung, aber das Ergebnis einer leichtgängigen Kurve ist die Belohnung.

6. Die Vorlage dem Gelände anpassen

Um durch den kurzen „freien Fall“ leichtgängig die Kurve zu meistern, müssen Sie sich nicht bei jeder Kurve in maximale Vorlage begeben. Generell gilt, je steiler das Gelände, desto weiter müssen Sie sich zum Kurvenwechsel nach vorne (talwärts) bewegen. Insbesondere im steilen Gelände gelangen Sie dann mit der richtigen Portion Mut für eine Vorlagenposition federleicht um die Kurve. Die Hangabtriebskraft unterstützt Sie dabei.

Übungstipp: Skienden abheben

Fahren Sie kurze oder mittlere Radien (Schwünge) und versuchen Sie bei jedem Kurvenwechsel, ihre Skienden (und nur die Skienden) vom Boden abzuheben. Achten Sie darauf, dass Ihre Knie möglichst gestreckt sind. Nur wenn die Bewegung hauptsächlich aus den Sprunggelenken kommt, können Sie Ihre Knie annähernd gestreckt lassen.

Übungstipp: Arme verschrenken

Verschrenken Sie (ohne Skistöcke) Ihre Arme vor der Brust und fahren mittlere Radien (ca. 1,5 Pistenraupenbreiten). Versuchen Sie ihre Position ständig auszugleichen und nicht in Rücklage zu geraten. Auch hierbei initiieren Sie die neue Kurve aus den Sprunggelenken und bewegen sich zur Kurveneinleitung nach vorne (talwärts). Nach der Übung als Kontrast die gleichen Radien mit Stockeinsatz fahren.

Bereit fürs Kurvenfahren ohne Rücklage?

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass kurz vor dem Belastungswechsel in die neue Kurve sich ihr Oberkörper nach vorne talwärts orientieren sollte. Der Schwungimpuls erfolgt anschließend durch eine Streckung der Sprunggelenke und einer gleichzeitigen Oberkörper-Vorverlagerung. Halten Sie Ihre Schulterachse auch während der Kurvenfahrt parallel zum Tal. Danach erfolgt kurz vor dem nächsten Belastungswechsel der gleiche Ablauf erneut. Snowplaza wünscht viel Spaß beim Skifahren!



Bereits als Kind klebte ich mit meiner Nase am Küchenfenster und beschwor den rheinischen Winterregen, doch endlich zu Schnee zu werden. Mit den ersten Flocken ging´s dann hinaus, Autoski (bedingt empfehlenswert), Skihalle und die Wintersportarena Sauerland waren erste Lieblingsorte.