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Lawinebord Lawine

Nicht nur im Winter, wenn es Neuschnee gibt, sondern auch zu Beginn und Ende der Skisaison hören wir vermehrt Berichte über Lawinenabgänge in den Alpen. Die Gefahr von Lawinen ist vor allem abseits der Pisten allgegenwärtig. Welche Arten von Lawinen gibt es eigentlich? Wie gefährlich sind Lawinen wirklich? Wie werden Lawinen ausgelöst? Und was müssen SkifahrerInnen und SnowboarderInnen über Lawinen wissen? Snowplaza klärt dich über die wichtigsten Fakten zu Lawinen auf und gibt wertvolle Tipps für sichere Abfahrten im Schnee, auf und neben der Piste in den Skigebieten der Alpen.

Kurz zusammengefasst

  • Schneebrettlawinen reißen linienförmig an und stellen die häufigste Lawinengefahr für WintersportlerInnen dar und Lockerschneelawinen beginnen punktförmig und entstehen meist an steileren Hängen.
  • Hangneigung, Hangausrichtung, Wind und Temperatur beeinflussen das Risiko: Besonders Triebschnee und rasche Temperaturanstiege sorgen für erhöhte Lawinengefahr.
  • Die fünfstufige Lawinenwarnskala reicht von geringer bis sehr großer Gefahr. Stufe 3 ist besonders tückisch; schon eine einzelne Person kann eine Lawine auslösen.
  • Vor jeder Tour abseits der Piste Lawinenlagebericht prüfen, Route vorsichtig planen und LVS-Gerät, Schaufel und Sonde mitführen. Unerfahrene sollten auf den markierten Pisten bleiben.

Lawinenkunde! Das musst du über Lawinen wissen

Bereits Hannibal und seine Elefanten lernten die Gefahr durch Lawinen bei ihrer Alpenreise kennen. Bei dem Versuch, 218 v.Chr. die Alpen zu überqueren, verlor Hannibal rund 20.000 seiner Männer durch Lawinenabgänge. Auch der berühmte Ötzi könnte ein sehr frühes Lawinenopfer gewesen sein. Heute unterscheiden wir zwischen Lockerschnee- und Schneebrettlawinen und wissen, dass Faktoren wie Steilheit, Exposition oder Temperaturänderungen Einfluss auf die Lawinengefahr und die Entstehung haben. SkifahrerInnen und SnowboarderInnen, die abseits der markierten Pisten unterwegs sind, sollten sich deshalb mit dem Thema Lawine auseinandersetzen. Dazu gehört unter anderem die Kenntnis des aktuellen Lawinenlageberichts.

Typ 1: Schneebrettlawinen

Bei einer Schneebrettlawine erfolgt ein linienförmiger Anriss quer zum Hang. Die Schneemassen rutschen dann als Gleitschicht wie ein Brett in einem großen Kegel ins Tal. Schneebretter können bei Hangneigungen ab 25 Grad ausgelöst werden (meist zwischen 30 und 50 Grad Hangneigung) und sind die häufigste Gefahr für WintersportlerInnen. 

Typ 2: Lockerschneelawinen

Die Lockerschneelawine entsteht durch einen punktförmigen Anriss von unverfestigtem (pulvrigen) Schnee. Sie wächst durch eine Kettenreaktion und benötigt etwas mehr Steilheit. So tritt sie am häufigsten bei Hangneigungen zwischen 40° und 60° auf. Lockerschneelawinen können bis zu 300 km/h schnell werden und haben durch den entstehenden Luftdruck und Sog eine enorm zerstörerische Wirkung gegen alles was sich ihnen in den Weg stellt.

Risikofaktor 1: Lage

Für alle Lawinenarten ist die Hangneigung ein wesentlicher Faktor. Ab 25 Grad Neigung besteht eine potentielle Gefahr von Lawinenabgängen. Zudem hat die Exposition einen Einfluss auf eine mögliche Lawine. Vor allem an nordseitigen Schattenhängen setzt sich der frische Schnee langsamer, so dass sich Schwachstellen in der Schneeschicht länger halten.

Risikofaktor 2: Wind

Besonders der fluffige Neuschnee kann leicht vom Wind verfrachtet werden. Wenn sich dieser dann locker an der windabgewandten Bergseite (Lee-Seite) oder stark gepresst an der windzugewandten (Luv-Seite) Bergseite ablagert, können bereits ab geringen Zusatzbelastungen (z.B. ein Skifahrer) Schneebretter ausgelöst werden. Leider ist Triebschnee schwer zu erkennen und daher besonders gefährlich.

Risikofaktor 3: Temperatur

Wenn es länger kalt ist, bleiben die Gefahrenstellen in allen Expositionen (ähnlich wie am Nordhang) länger erhalten, da sich der neue Schnee nicht mit dem alten verbinden kann. Auch schnell ansteigende Temperaturen sind ungünstig, da sich die Schneekristalle in runde Kugeln verwandeln können und somit einen Nährboden zum Abrutschen bilden.

So schützt du dich vor Lawinen

In den berühmten Skigebieten der Welt gibt es ein öffentliches Lawinenwarnsystem, welches auf wissenschaftlichen Grundlagen und tagesaktuellen Einschätzungen von Lawinenexperten basiert. Besonders gefährdete Orte, beispielsweise Dörfer oder Pisten unterhalb von unbewaldeten Steilhängen setzen auf sogenannte Lawinenverbauungen. Diese fangen die Schneelast auf und wirken wie eine Barriere. Zum Schutz werden in vielen Skigebieten Lawinen auch kontrolliert durch Sprengung ausgelöst.

LVS-Gerät, Schaufel und Sonde
© Spalder Media Group
Wenn SkifahrerInnen oder SnowboarderInnen Off-Piste unterwegs sind, sollten sie eine Lawinenausrüstung mit LVS-Gerät, Lawinenschaufel und Lawinensonde dabei haben.

Lawinenwarnskala richtig lesen

Im Alpenraum hat sich die fünfstufige Lawinenwarnskala durchgesetzt. Die Stufen unterteilen sich in 1 (geringe); 2 (mäßige); 3 (erhebliche); 4 (große) und 5 (sehr große) Lawinengefahr. Bei der Interpretation der Skala ist das Verständnis wichtig, dass ein Anstieg um eine Lawinenwarnstufe stets mit einer Verdopplung (!!!) der Lawinengefahr einhergeht. Bei Lawinenwarnstufe 3 genügt oftmals die zusätzliche Belastung durch einen Skifahrer oder Snowboarder für eine Auslösung. Bei Stufe 5 kommt es häufiger zu Selbstauslösungen.

Vorsicht vor dem „todgeilen Dreier“

Die Lawinenwarnstufe 3 wird auch als „todgeiler Dreier“ bezeichnet und birgt eine besonders hohe Gefahr. Gerade wenn es viel Neuschnee gibt und wir zum Skifahren oder Snowboarden abseits der Piste verleitet werden, vernachlässigen FreeriderInnen oft die angestiegene Lawinengefahr. Gerade jetzt ist ein genauer Blick auf den Lawinenlagebericht notwendig und die Abfahrtsroute mit Vorsicht zu wählen. Unerfahrene SkifahrerInnen und SnowboarderInnen sollten unbedingt auf den Pisten bleiben!

Freeriden
Bevor es zum Freeriden geht, sollten SkifahrerInnen und SnowboarderInnen immer zuerst den Lawinenlagebericht checken.

Wo bekomme ich den Lawinenlagebericht her?

An den meisten Berg- und Talstationen hängt der regionale Lawinenlagebericht aus. Neben der aktuellen Lawinenwarnstufe findet sich dort auch ein Text mit näheren Hinweisen zu den Gefahrenstellen. Alternativ kannst du auch das jeweilige Skigebiet mit dem Zusatz „Lawinenlagebericht“ in die Suchmaschine eingeben. Generell gilt: Zuerst den Lawinenlagebericht checken, dann erst die Route planen.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Lawinen

Was ist eine Lawine?

Eine Lawine ist eine große Schneemasse, die sich an einem Hang löst und talwärts rutscht. Für WintersportlerInnen sind vor allem Schneebrett- und Lockerschneelawinen relevant.

Welche Lawinenarten gibt es?

Man unterscheidet hauptsächlich zwischen Schneebrettlawinen und Lockerschneelawinen. Schneebrettlawinen reißen linienförmig an und sind die häufigste Lawinengefahr für WintersportlerInnen. Lockerschneelawinen beginnen punktförmig im unverfestigten Schnee.

Ab welcher Hangneigung besteht Lawinengefahr?

Lawinen können bereits an Hängen ab etwa 25 Grad Neigung ausgelöst werden. Schneebrettlawinen treten häufig an Hängen zwischen 30 und 50 Grad auf, Lockerschneelawinen besonders oft zwischen 40 und 60 Grad.

Welche Faktoren erhöhen die Lawinengefahr?

Entscheidend sind unter anderem Hangneigung und Hangausrichtung sowie Wind und Temperatur. Verfrachteter Triebschnee kann schwer zu erkennen sein und auch rasch ansteigende Temperaturen können die Schneedecke instabiler machen.

Was bedeutet Lawinenwarnstufe 3?

Warnstufe 3 steht für erhebliche Lawinengefahr. Schon die zusätzliche Belastung durch eine einzelne Person kann an Gefahrenstellen eine Lawine auslösen. Deshalb sollten WintersportlerInnen den Lawinenlagebericht genau beachten und ihre Route bedacht wählen.

Wo finde ich den aktuellen Lawinenlagebericht?

Der Lawinenlagebericht ist häufig an Berg- und Talstationen ausgehängt. Er lässt sich außerdem online über den zuständigen regionalen Lawinenwarndienst abrufen.

Welche Lawinenausrüstung brauche ich beim Freeriden?

Wer abseits der Pisten unterwegs ist, sollte ein LVS-Gerät, eine Lawinenschaufel und eine Lawinensonde dabeihaben. Die Ausrüstung ersetzt jedoch nicht das Prüfen des Lawinenlageberichts und eine sorgfältige Tourenplanung.

Wie kann ich mich vor Lawinen schützen?

Prüfe vor dem Freeriden den aktuellen Lawinenlagebericht und plane die Route entsprechend der Gefahrenlage. Unerfahrene Ski- und SnowboardfahrerInnen sollten auf den markierten Pisten bleiben.

1219 - Winter - Maria

Über Maria

Hi, ich heiße Maria und bin das ganze Jahr über in den Bergen unterwegs. Im Winter berichte ich für Snowplaza über alle Neuigkeiten zum Thema Skifahren, reise viel und erzähle von meinen Erfahrungen auf meinem Lieblingsbrett.