Wer im Herbst schon Schnee unter den Skiern haben will oder im Frühjahr noch, kommt an den Gletschern nicht vorbei. Sie starten früher in die Saison als alle anderen, fahren länger und liegen so hoch, dass Schneemangel dort selten ein Thema ist. Nur: Was heißt eigentlich „größtes Gletscher-Skigebiet“? Der Gletscher selbst ist fast immer der kleinere Teil. Deshalb findest du hier bei jedem Gebiet beide Zahlen – die Pistenkilometer auf dem Gletscher und die des gesamten zusammenhängenden Skigebiets.
1. Hintertuxer Gletscher
Ganz hinten im Zillertal, oberhalb von Tux, liegt das Gebiet mit den meisten eigenen Pistenkilometern dieser Übersicht: Am Hintertuxer Gletscher liegen 64 Pistenkilometer zwischen 1.500 und 3.250 Metern, alle auf dem Gletscher selbst. Dazu kommt die längste Skisaison Österreichs. Bereits im Frühherbst öffnen die ersten Anlagen, im Laufe des Herbstes werden es immer mehr, und gefahren wird bis in den Frühsommer hinein.
Eine Einordnung ist wichtig: Die häufig genannten 206 Pistenkilometer der Ski- & Gletscherwelt Zillertal 3000 sind kein durchgehendes Skigebiet, sondern ein Verbund mehrerer eigenständiger Zillertaler Skigebiete – neben dem Hintertuxer Gletscher gehören Eggalm, Rastkogel, Finkenberg, Penken in Mayrhofen und Ahorn dazu. Ab Dezember nutzt du sie mit einem Skipass, zwischen einzelnen Teilgebieten pendelst du mit dem Skibus.
Auf dem Gletscher: 64 km · Gesamtes Skigebiet: bis zu 206 km im Verbund · Höhe: 1.500 bis 3.250 m
2. Gletscher am Kitzsteinhorn
Salzburgs einziges Gletscherskigebiet gipfelt auf 3.029 Metern – TOP OF SALZBURG. Seit der K-ONNECTION hängt das Kitzsteinhorn durchgehend am Maiskogel und damit am Ortszentrum von Kaprun. Deshalb beginnt das Skigebiet in Zell am See - Kaprun heute schon auf 768 Metern: vom Dorf bis auf den Gletscher, ohne einmal die Skier abzuschnallen.
Eine eigene Kilometerzahl allein für den Gletscherbereich veröffentlicht das Kitzsteinhorn nicht; offiziell sind es 62,5 Kilometer für Kitzsteinhorn und Maiskogel zusammen. Wer es steil mag, nimmt die schwarze Abfahrt Black Mamba. Mit der ALPIN CARD kommen Schmittenhöhe sowie Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn hinzu – zusammen 408 Pistenkilometer.
Auf dem Gletscher: keine gesonderte Angabe des Betreibers · Gesamtes Skigebiet: 62,5 km (Kitzsteinhorn und Maiskogel) · Höhe: 768 bis 3.029 m · Anlagen: 24
3. Mölltaler Gletscher
Kärntens einziges Gletscherskigebiet ist das kompakteste dieser Auswahl – dafür beginnt es dort, wo andere aufhören: Die tiefste Piste am Mölltaler Gletscher liegt auf 2.100 Metern. 36 Pistenkilometer, acht Anlagen, Betrieb von Oktober bis Mai.
Wer breite, leere Hänge sucht statt großer Zahlen, fährt hier oft zufriedener als in mancher Kilometermetropole. Das benachbarte Skigebiet Ankogel in der Region Mallnitz-Flattach ist ein eigenständiges Gebiet ohne Gletscher und zählt nicht mit.
Auf dem Gletscher: 36 km · Gesamtes Skigebiet: 36 km, Gletscher und Skigebiet sind identisch · Höhe: 2.100 bis 3.122 m · Anlagen: 8
4. Stubaier Gletscher
Österreichs größtes Gletscherskigebiet: Am Stubaier Gletscher im Stubaital gibt es keinen Unterschied zwischen Gletscher und Skigebiet – 36 Abfahrten, 26 Anlagen, alles auf dem Eis.
Dass mal von 65, mal von über 100 Kilometern die Rede ist, hat einen simplen Grund: Der Betreiber weist beides aus – 65 Kilometer in der Falllinie gemessen, 108 Kilometer effektive Streckenlänge über sämtliche Abfahrten samt Skirouten. Die längste ist die Wilde Grub’n mit zehn Kilometern, die steilste die Daunhill mit bis zu 60 Prozent Gefälle. Ganz oben wartet die Aussichtsplattform TOP OF TYROL auf rund 3.210 Metern.
Auf dem Gletscher: 65 km in der Falllinie, 108 km effektive Streckenlänge · Gesamtes Skigebiet: identisch mit dem Gletscher · Höhe: 1.695 bis 3.210 m · Anlagen: 26
5. Matterhorn Glacier Paradise
Höher geht es in den Alpen nicht: Die Bergstation Matterhorn Glacier Paradise liegt auf 3.883 Metern und ist die höchste Europas. Der Theodulgletscher am bekanntesten Berg der Schweiz bildet den schneesicheren Kern des Gebiets, ist aber nur ein Ausschnitt: Über den Grenzkamm geht es weiter nach Breuil-Cervinia und Valtournenche, zusammen 360 Pistenkilometer in zwei Ländern, erschlossen von 52 Anlagen.
Eine eigene Kilometerangabe für den Gletscherbereich im Winter veröffentlicht Zermatt nicht. Die rund 20 Kilometer beziehen sich auf das Gletscherskigebiet, das auch außerhalb der Wintersaison in Betrieb ist.
Auf dem Gletscher: rund 20 km · Gesamtes Skigebiet: 360 km mit Breuil-Cervinia und Valtournenche · Höhe: 1.620 bis 3.883 m · Anlagen: 52
6. Saas-Fee Gletscher-Skigebiet
Saas-Fee liegt in einem Kranz aus Viertausendern, der Feegletscher reicht bis auf 3.600 Meter. Zwei Superlative sind hier zu Hause: das höchstgelegene Drehrestaurant der Welt auf 3.500 Metern und die Metro Alpin, die als höchste Standseilbahn der Welt im Berginneren nach Mittelallalin fährt.
Der Freestyle-Snowpark auf dem Gletscher ist ein fester Termin für Trainingsgruppen und Freestyler, lange bevor die Wintersaison im Tal beginnt.
Auf dem Gletscher: rund 20 km · Gesamtes Skigebiet: rund 100 km · Höhe: 1.800 bis 3.600 m
7. Sölden
Sölden besteht aus drei miteinander verbundenen Bereichen: Giggijoch, Gaislachkogl und Gletscher. Auf Rettenbach- und Tiefenbachgletscher liegen 34,5 Pistenkilometer zwischen 2.675 und 3.250 Metern, und die Besonderheit steckt in der Verbindung – beide Gletscher sind durch einen Skitunnel miteinander verbunden.
Am Rettenbachgletscher startet außerdem alljährlich der alpine Ski-Weltcup. Ein besserer Beleg dafür, wie früh hier die Bedingungen stimmen, lässt sich schwer finden.
Auf dem Gletscher: 34,5 km (Rettenbach und Tiefenbach) · Gesamtes Skigebiet: 147 km · Höhe: 1.350 bis 3.340 m
8. Tignes – Val d’Isère
Der alte Markenname Espace Killy ist Geschichte – offiziell heißt das Gebiet rund um Val d’Isère und Tignes heute Tignes – Val d’Isère. Geblieben ist eines der größten zusammenhängenden Skigebiete Frankreichs: 300 Pistenkilometer auf 3.680 Hektar, erschlossen von 74 Anlagen.
Auf dem Gletscher der Grande Motte liegen 20 Kilometer zwischen 2.724 und 3.456 Metern. Dort wird noch trainiert – auch von Freestylern – wenn die Hänge im Tal längst grün sind.
Auf dem Gletscher: 20 km (Grande Motte) · Gesamtes Skigebiet: 300 km · Höhe: 1.550 bis 3.456 m · Anlagen: 74
Und wenn nur der Gletscher zählt?
Sortiert man nicht nach dem gesamten Skigebiet, sondern nur nach den Pistenkilometern auf dem Eis, verschiebt sich die Rangfolge deutlich – und zwei Gebiete rücken nach vorn, die oben nicht auftauchen:
- Stubaier Gletscher – 65 km in der Falllinie, 108 km effektive Streckenlänge
- Hintertuxer Gletscher – 64 km
- Kaunertaler Gletscher – 55 km
- Pitztaler Gletscher – 41 km
- Mölltaler Gletscher – 36 km
- Sölden – 34,5 km
- Tignes – Val d’Isère – 20 km
- Saas-Fee – rund 20 km
- Zermatt – rund 20 km
Der Kaunertaler und der Pitztaler Gletscher sind reine Gletscherskigebiete ohne großes Tal-Skigebiet drumherum. In Ranglisten nach Gesamtgröße tauchen sie deshalb nicht auf – obwohl auf dem Eis selbst mehr Pisten liegen als bei den meisten großen Namen.
Wann lohnt sich ein Gletscher am meisten?
Die Gletscherskigebiete öffnen im Herbst, meist ab Oktober, und fahren bis in den Mai – der Hintertuxer Gletscher noch länger. Zwei Zeitfenster stechen heraus: der Herbst, wenn die ersten Pisten präpariert sind und du Wochen vor allen anderen in die Saison startest, und der Gletscherfrühling, wenn Sonne, Schneeauflage und lange Tage zusammenkommen.
Ein Hinweis für Sommerpläne: Skifahren auf Alpengletschern im Hochsommer ist seltener geworden. Mehrere Gebiete legen in der wärmsten Zeit inzwischen eine Pause ein oder öffnen nur, wenn Schnee und Temperaturen es zulassen. Für den Winter ändert das nichts – vor einer Sommerreise lohnt aber immer ein Blick auf die aktuellen Betriebszeiten des jeweiligen Skigebiets.
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