27. Oktober 2021 Von: Bettina in SkifahrenAllgemein

Skifahren oder Snowboarden ist ein teurer Spaß. Wer jedes Wochenende auf die Piste möchte, muss oft sehr tief in die Tasche greifen. Auch die ganze Urlaubswoche im Skigebiet wird Jahr für Jahr teurer. Gerade für Familien geht ein Tagesausflug schnell weit in den dreistelligen Bereich. Viele Wintersporttreibende ärgern sich so sehr über die steigenden Skipasspreise, dass sie lieber gar nicht mehr ins Skigebiet fahren. Andere versuchen die Kosten ins Verhältnis zu setzen – schließlich investiert das Skigebiet Tag für Tag auch Unmengen von Geld. Snowplaza erklärt, welche Kosten genau für den Skibetrieb anfallen und warum der Skipass so teuer ist.

Wie teuer ist Skifahren wirklich?

Das Tagesticket für einen Erwachsenen kostet in Österreich in der Hauptsaison 2021/22 zum Beispiel in Kitzbühel 59,50 €, im Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn 60,50 € und im Hochzillertal sogar stolze 61 €. Das ist ganz schön teuer und es wird von Jahr zu Jahr noch teurer. Erwirtschaften sich die Skigebietsinhabenden damit eine goldene Nase? Finanzieren SkifahrerInnen und SnowboarderInnen den Porsche der Liftbetreibenden? Oder steckt etwa der Tourismuschef oder die Tourismuschefin das ganze Geld ein? Wenn der Skitourismus ein Minusgeschäft wäre, gäbe es bestimmt keine privatwirtschaftlichen Bergbahnen mehr. Viele Einnahmen, die durch den Verkauf von Skipässen generiert werden, fließen stattdessen direkt wieder ins Skigebiet selbst. Sei es, um zu investieren, die Pisten zu beschneien, oder um das Personal zu bezahlen.

6er-Sessellift
Eine der 4 neuen Anlagen in Les 4 Vallées: 6er-Sessellift in Bruson (© Bartholet Maschinenbau AG)

Jährliche Neuerungen und Investitionen

Pünktlich zum neuen Saisonstart am 18. November im Skigebiet Gurgl nimmt die neue Rosskarbahn in Obergurgl den Betrieb auf. Auch das Motorradmuseum in Hochgurgl wird mit frischem Konzept neu gebaut. Die Skigebiete in Les 4 Vallées haben ebenso eine große Menge Geld investiert, um in der kommenden Saison WintersportlerInnen mehr Komfort bieten zu können. Gleich vier neue Liftprojekte sollen SkifahrerInnen und SnowboarderInnen schneller durch das größte Skigebiet der Schweiz befördern. Zwar fallen die Projekte und Investitionen nicht überall gleich in der Größenordnung aus, doch sämtliche Skigebiete sind stets mit der Weiterentwicklung und Modernisierung beschäftigt und das kostet Geld. Auch das ist ein Grund, warum der Skipass so teuer ist.

Das Motorradmuseum in Hochgurgl wird nach einem Großbrand wieder neu aufgebaut

Täglich fallen Betriebskosten der Bahnen und Anlagen an

In die Bahnen muss zuerst einmal investiert werden. Die Kosten werden in der Kalkulation natürlich auf die Dauer der Saison umgelegt. Das bedeutet, je länger ein Gebiet geöffnet hat, umso geringer sind die täglichen Fixkosten. Doch dabei bleibt es nicht. Jeden Tag fallen auch noch laufende Kosten an. Darunter fällt nicht nur der Aufwand für die Energie, die für den Betrieb benötigt wird. Gleichzeitig sind regelmäßige Wartungsarbeiten und damit verbunden auch Reparaturmaßnahmen eine feste Kostengröße, die es zu berücksichtigen gilt, wenn man sich über die teuren Skipasspreise ärgert.

Pistenraupe im Einsatz im Skigebiet
Pistenraupe im Einsatz

Nachts sorgen die Pistenbullys wieder für glatte Pisten

Hochkommen ist die eine Sache – herunterfahren eine ganz andere. Jede Nacht werden die Pisten wieder frisch präpariert. Allein in Sölden stehen dafür 26 Geräte bereit. Mit rund 500 PS werden die 12 Tonnen Masse bewegt, die so eine Pistenraupe auf die Waage bringt. Gleichzeitig muss auch noch der Schnee von A nach B geschoben werden, was einiges an Treibstoff kostet. Dabei leistet in Sölden ein einziger Pistenbully etwa 1.600 Arbeitsstunden im Jahr ab. Die Abnutzung ist enorm hoch. Pro Jahr müssen deshalb drei bis vier Pistenraupen ausgetauscht werden – das allein kostet in etwa so viel wie fünf Einfamilienhäuser. 

Präparierte Pisten jede Nacht
Perfekt präparierte Pisten müssen jede Nacht wieder aufbereitet werden

Beschneiungsanlagen garantieren Schneesicherheit in den Gebieten

Mit der Präparation allein ist es aber noch nicht getan. Zuerst einmal muss genügend Schnee da sein, damit die Piste überhaupt präpariert werden kann. Weil der Naturschnee dafür oft nicht ausreicht, wird mit Kunstschnee nachgeholfen. Sölden verfügt über mehr als 400 Beschneiungsanlagen, die in einer einzigen Sekunde 1.204 Liter Wasser für die Beschneiung im Skigebiet verteilen können. Das sind sechs Badewannen voll. Zur Schneeerzeugung wird das Wasser aus drei Speicherteichen und dem größten Fluss im Ötztal verwendet und anschließend gefiltert, um Trinkwasserqualität zu erhalten. Über ein kilometerlanges Leitungsnetz wird das Wasser schließlich über Pumpen zu den jeweiligen Schneekanonen transportiert. Bei dem Aufwand wird der Schnee schon fast zum Luxusgut und die teuren Skipässe der Skigebiete etwas verständlicher.

Für die künstliche Beschneiung muss es kalt genug sein
Für die künstliche Beschneiung muss es kalt genug sein

Die Pistensicherheit wird groß geschrieben

Selbst bei besten Schneeverhältnissen und perfekt präparierten Pisten, passieren im Skigebiet täglich Unfälle. Laut der ASU-Unfallanalyse mussten in der letzten Saison vor der Pandemie im Winter 2019/2020 über 36.000 deutsche Skisporttreibende stationär behandelt werden. Damit im Ernstfall sofort Hilfe zur Stelle ist, ist der Rettungsdienst immer vor Ort. Außerdem gibt es am Ende des Tages auf allen Pisten Kontrollfahrten, um sicherzustellen, dass alle wohlbehalten ins Tal gekommen sind. Neben dem Rettungsdienst gibt es aber noch viel mehr Menschen, die im Skigebiet arbeiten: Pistenraupenfahrende, Liftpersonal, KassenmitarbeiterInnen, BergführerInnen, Infoguides, usw. Da fallen monatlich hohe Lohn- und Gehaltszahlungen an. Und zwar unabhängig davon, ob der Winter gut oder schlecht ist.

Sonstige Kosten im Skigebiet

Selbst wenn der Infoguide vor Ort noch so gut ist, möchte sich der Skiurlaubende doch schon vorab ein wenig über das Skigebiet informieren. Das funktioniert natürlich völlig unkompliziert über die Homepage der jeweiligen Bergbahn. Doch auch die kostet Geld. Genauso wie auch die Werbung, das Kassensystem, die Software für die Skipässe. Hinter den Kulissen fallen noch etliche administrative Kosten an, die zum Großteil die Informatik und die Logistik betreffen und alle zusammen führen dazu, dass der Skipass so teuer wird.

Sind die Skigebiete reich?

Die Bergbahnen sind privatwirtschaftliche Unternehmen. Am Ende einer Saison soll - wie in jedem anderen Unternehmen auch - Gewinn bleiben. Auch wenn die Skipasspreise enorm hoch erscheinen, nur die wenigsten SkifahrerInnen und SnowboarderInnen kaufen ihren Skipass zum vollen Preis. Die meisten profitieren von Mehrtagesangeboten, Studenten-/Seniorenrabatten oder von Verbund- und Saisonkarten. Wenn man dann die anfallenden Kosten abzieht, wird die Gewinnspanne der Skigebiete stark geschmälert. Sicher ist jedoch: Wenn es nicht lukrativ wäre, gäbe es keine Bergbahnbetreibende mehr. Das eine oder andere Skigebiet legt andererseits am Ende mancher Saison auch Geld drauf, wenn es kein guter Winter war. Der Skipass ist teuer, egal, wie man es dreht und wendet - Skifahren oder Snowboarden ist und bleibt ein teurer Spaß. Sowohl für die Bergbahnen als auch für die WintersportlerInnen. Skiurlaub günstig buchen: 10 Tipps, wie man Geld spart >

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Grias eich, Ich bin Bettina und lebe in Tirol. Meine große Leidenschaft seit über 20 Jahren ist das Snowboarden. Im Winter surfe ich daher am liebsten auf diesem Brett, das meine Welt bedeutet durch den Schnee.

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