14. Mai 2022 Von: Miriam in WintersportAllgemein

Wer liebt sie nicht? Bestens präparierte Pisten früh am Morgen. Fest, aber nicht vereist. Doch, wie entstehen diese perfekten Abfahrten, über die Ski- und SnowboardfahrerInnen nur so hinweggleiten? Dahinter steckt eine ganze Menge harter Arbeit mit tonnenschwerem Gerät. Jede Nacht sind ganze Flotten von Pistenraupen in den Skiregionen dieser Welt unterwegs. Snowplaza hat einen Blick hinter die Kulissen der Bergbahnen gewagt und verrät dir mehr darüber, was alles nötig ist, um Skipisten optimal zu präparieren.

Ein Blick in die Vergangenheit

Bis in die 50er Jahre galt: Wer Skifahren wollte, musste erst einmal selber ran und die gewünschte Piste festtreten. Gewiefte Besitzer eines Abfahrtshangs haben diese Aufgabe gerne von Kindern erledigen lassen, im Gegenzug zu kostenlosem Skivergnügen. Der Wunsch nach mehr Effizienz bei der Pistenpräparation kam mit dem Bau der ersten Lifte. Die ersten Versuche, die Skipisten schneller und besser zu präparieren, waren noch unausgereift und bisweilen auch gefährlich. Von dem Moment an, wo sogenannte Glättbretter von Fahrzeugen über die Abfahrten gezogen wurden, ging die Entwicklung stetig voran.

Umbruch durch die technische Entwicklung der Pistenraupe

Im Jahr 1960, bei den Olympischen Winterspielen in der Sierra Nevada, kamen erstmals kettengetriebene Fahrzeuge zur Pflege der Skihänge zum Einsatz. Pionier im Bau von Pistenraupen war die Firma Prinoth, die 1962 mit der P 60 einen ersten Prototyp entwickelt hat. Zwei Jahre später ging dann die P 15 in Serie und fünf Jahre später, also 1968, brachte Kässbohrer die erste Pistenraupe auf den Markt. Heute gehören beide Unternehmen zu den größten am Markt.

Sintern sorgt für optimale Pistenbedingungen

Schneekunde für Anfänger: Die gemeine Schneeflocke mag es gerne kugelig, um ihre Grenzfläche so gering wie möglich zu halten. Fallen mehr und mehr Schneekristalle auf eine Stelle, liegen diese nicht mehr locker übereinander, sondern werden durch ihr Eigengewicht immer weiter komprimiert. Im Zuge dieses Verdichtungsprozesses geben die verbundenen Flocken ihre Grenzflächenenergie ab und der Schnee wird kälter und fester. Der Fachbegriff für dieses Verschmelzen von einzelnen Schneeflocken zu größeren Schneeeinheiten lautet "Sintern". Damit eine Piste am Morgen robust genug ist, um befahren werden zu können, muss der Schnee nach dem Präparieren genug Zeit haben, um zu sintern. Acht Stunden sind die optimale Zeit, damit eine Skipiste richtig aushärten kann. Für Laien: Der Schnee muss zusammensacken und wird so komprimiert und fest.

Physikalisches Verständnis ist gefragt

Ein wenig Physik braucht es, um zu verstehen, wie sich der Schnee beim Präparieren verhält. Jeder hat in der Schule einmal gelernt, dass Wasser bei Temperaturen unter Null Grad gefriert und über Null Grad wieder zu schmelzen beginnt. So kommt es in den Skigebieten vor, dass der Schnee tagsüber schmilzt und aufgrund fallender Temperaturen zum Abend hin wieder friert. Dadurch entsteht auf der Piste ein Gemisch aus Eis und Wasser. Um daraus wieder eine befahrbare Piste zu machen, wird in allen Skigebieten die Methode des Sinterns angewandt. Anders ist das bei präparierten Pisten für Skirennen, denn die sollen besonders hart und eisig sein, und werden häufig sogar noch zusätzlich bewässert.

Neuschnee, Altschnee und Kunstschnee

Jeder, der im Dienste des alpinen Wintersports unterwegs ist, sollte die physikalischen Eigenschaften der verschiedenen Schneesorten kennen. Die Rede ist von Altschnee, Neuschnee und künstlich erzeugtem Schnee. Älterer Schnee ist bereits komprimiert und bietet eine solide Grundlage für jede Skipiste. Neuschnee ist weich und fluffig. Kunstschnee hingegen ist, nachdem er aus der Schneekanone kommt, im Inneren der gefrorenen Schneekristalle meist noch flüssig. Aus diesem Grund sollte dem künstlich erzeugten Weiß ausreichend Zeit gegeben werden, komplett durchzufrieren, bevor es weiterverarbeitet wird. Das kann bis zu drei Tage dauern, abhängig von den Wetterbedingungen. Bevor die Temperatur des künstlichen Schnees nicht unter null Grad liegt, sollte nicht mit dem Verdichten, also dem Präparieren, begonnen werden.

Wann ist der beste Zeitpunkt zum Präparieren einer Piste?

Skifahren und Snowboarden sind Outdoor-Sportarten. So müssen auch beim Präparieren der Sportstätten die Launen der Natur mit eingeplant werden. Um den passenden Zeitpunkt zur Pistenpflege zu finden, gibt es drei Dinge zu beachten: Ist der Schnee nass oder trocken? Erwärmt er sich in den nächsten Stunden oder kühlt er ab? Und, ist in der nächsten Zeit mit Niederschlag zu rechnen? In der Regel werden die Skihänge abends präpariert, bevor der Schnee zu eisig wird, um ihn noch in Form bringen zu können und wenn er schon fest genug ist, um sich gut bearbeiten zu lassen. Ist noch zu viel Wasser im Schnee, wenn eine Skipiste präpariert wird, vereist die Piste. Ist die Piste bereits zu festgefroren, entstehen grobe Eiskörner, die dem ein oder anderen Ski- und Snowboardfahrer gerne mal einen Schlag mitgeben. Kühlt sich die Luft über Nacht ab, sollte möglichst früh mit der Pflege der Abfahrten begonnen werden. Wird es wärmer, kann es Sinn ergeben zu warten, denn weicher Schnee lässt sich besser bearbeiten als sehr fester. Soll es aber über Nacht Neuschnee geben, ist es sinnlos, die Pisten abends zu präparieren. Dann müssten die Pistenraupenfahrer morgens eine Frühschicht einlegen und es geht für die Helden der Nacht um 4:00 Uhr in der Früh schon auf die Piste.

Die Grenzen der Präparierung

Um SnowboarderInnen und SkifahrerInnen ausreichend Sicherheit und größtmöglichen Komfort zu bieten, sollte die optimale Skipiste abwechslungsreich, gleichmäßig präpariert, griffig, robust, fest, langlebig und optisch ansprechend sein – bestenfalls all das, aber ohne Eisplatten. Nicht immer können all diese Attribute erfüllt werden. Beim Präparieren zerkleinern und verfeinern die scharfen Klingen der Fräsen am Heck der Schneeraupe den Schnee. Besonders nachdem es nachts geschneit hat, bleibt einfach nicht genug Zeit zum sintern und der Altschnee verbindet sich nicht richtig mit dem Neuschnee, sodass es trotz guter Präparierung zur Buckelbildung kommt. Auch wenn der Schnee sehr nass und weich ist und die Temperaturen nachts nicht sinken, ist es sinnlos, eine Abfahrt überhaupt zu präparieren, da dies den Schnee nur weiter auflockert und den Zustand verschlechtert, anstatt ihn zu verbessern.

Pistenpflege im Einklang mit der Natur

Beim Präparieren der Skipisten sollte darauf geachtet werden, möglichst schonend für die Natur vorzugehen. Ziel einer guten Präparierung ist, bei geringen Kosten, eine langlebige und hochwertige Piste zu entwerfen. Nachhaltigkeit ist hier das Ziel. Zur Schonung des Bodens sollte ein gutes Fundament an Schnee vorhanden sein, bevor mit dem Präparieren einer Abfahrt begonnen wird. Außerdem müssen die Wetter- und Schneeverhältnisse stimmen, sodass der Neuschnee auch gut versintert, also sich verdichten kann. In Deutschland wurden vom Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte und dem DSV-Beirat für Umwelt und nachhaltige Skisportentwicklung Richtlinien für den Einsatz von Pistenfahrzeugen aufgestellt, in denen geregelt ist, dass eine Piste nicht nur technisch einwandfrei gepflegt werden muss, sondern auch umweltschonend. Schäden am Oberboden und an Pflanzen können auftreten, sollten sich aber in Grenzen halten und im Sommer wieder reguliert werden.

Kein Skigebiet in der Nähe? Kein Problem für diese Familie!



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Morgens früh Schwünge auf fast leeren Pisten zu ziehen ist Miriams Highlight beim Skifahren, deswegen ist sie auch immer eine der Ersten an der Gondel. Am liebsten bei bestem Wetter und optimalen Pistenbedingungen. Nach dem Skifahren genießt sie Saunagänge und die kulinarischen Köstlichkeiten der Alpen.

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