In Deutschland ist die Nutzung von Ganzjahresreifen, auch Allwetterreifen genannt, in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Vor allem AutofahrerInnen, die nicht viele Kilometer im Jahr fahren, entscheiden sich zunehmend für diesen Reifentyp. Aber die Frage ist: Halten Ganzjahresreifen auch den harten winterlichen Bedingungen in den Alpen stand und sind sie sicher genug? In diesem Blog schauen wir uns den Aufstieg der Ganzjahresreifen an, die Vor- und Nachteile und warum Winterreifen für viele WintersportlerInnen nach wie vor die beste Wahl sind.
Ganzjahresreifen in Deutschland immer beliebter
In den vergangenen sieben Jahren hat sich der Anteil von Ganzjahresreifen am gesamten Reifenverkauf bei vielen Werkstattketten fast verdoppelt. 2024 stieg der Anteil der Reifenart von 33 auf 36 Prozent am Gesamtverkauf. Laut Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) geht das Wachstum hauptsächlich zulasten der Sommerreifen (-2,5%), während der Anteil der Winterreifen (-0,5%) im gleichen Zeitraum nur leicht zurückgegangen ist.
Mildere Winter, durch die Inflation bedingte, gesunkene Kaufkraft und verbesserte Leistung von Ganzjahresreifen bringen immer mehr AutofahrerInnen, dazu, auf Allwetterreifen umzusteigen. Einer der wichtigsten Gründe für Ganzjahresreifen ist jedoch, dass man sich den lästigen Wechsel von Sommer- auf Winterreifen erspart.
Beliebt bei AutofahrerInnen mit wenigen Jahreskilometern
Ganzjahresreifen sind vor allem bei denjenigen beliebt, die relativ wenige Kilometer im Jahr zurücklegen. Sie entscheiden sich immer häufiger für die vielseitiger einsetzbaren Reifen, die sowohl für sommerliche als auch für winterliche Bedingungen geeignet sind. Das ist auch der Grund, warum sie für LenkerInnen attraktiv sind, die nicht regelmäßig in extremen Winterverhältnissen fahren, wie sie beispielsweise in den Alpen herrschen.
Trotzdem stellt sich die Frage, ob diese Reifen wirklich die richtige Wahl für die harten Bedingungen sind, denen du auf dem Weg in den Skiurlaub begegnest. Laut Experten ist es wichtig, dass man Autoreifen wählt, die zum persönlichen Fahrverhalten, zu den Fahrbedingungen und zur gewünschten Sicherheit passen.
Die Vor- und Nachteile von Ganzjahresreifen
Ganzjahresreifen (Allwetterreifen) sind so konzipiert, dass du das ganze Jahr über mit einem Reifensatz fahren kannst – sowohl im Sommer als auch im Winter. Sie müssen winterliche Bedingungen bewältigen, dürfen aber gleichzeitig nicht zu viele Abstriche bei den sommerlichen Fahreigenschaften machen. Und obwohl Ganzjahresreifen immer besser werden, können sie spezialisierte Sommer- oder Winterreifen nicht komplett ersetzen. Die Vor- und Nachteile im Überblick:
Nachteile:
- Ein Kompromiss: Winterreifen sind speziell für winterliche Bedingungen wie Schnee, Eis und Schneematsch konzipiert. Die Gummimischung ist auf mehr Griffigkeit und bessere Fahreigenschaften bei niedrigen Temperaturen abgestimmt. Sommerreifen sind dagegen für die übrige Jahreszeit ausgelegt und können hohe Temperaturen gut verkraften. Entscheidest du dich für Ganzjahresreifen, gehst du in beiden Phasen des Jahres Kompromisse bei Griffigkeit und Fahrverhalten ein. Sie sind nicht für extreme Winterbedingungen optimiert.
- Schnellere Abnutzung: Ganzjahresreifen verschleißen häufig schneller als Reifen, die speziell für eine Jahreszeit entwickelt wurden. Schon alleine wegen des vermehrten Einsatzes im Vergleich mit saisonalen Reifen.
Vorteile:
- Praktisch: Du brauchst nur einen Reifensatz für das ganze Jahr. Kein Aufwand mit Reifenwechsel im Herbst und Frühjahr.
- Günstiger: Da du nicht in separate Sommer- und Winterreifen investieren musst, können Ganzjahresreifen eine günstigere Lösung für AutofahrerInnen sein, die nicht viel fahren.
- Geeignet für milde Winter: In gemäßigten winterlichen Bedingungen bieten Ganzjahresreifen ausreichend Haftung und Sicherheit.
Warum Winterreifen die erste Wahl für WintersportlerInnen sind
Auch wenn Ganzjahresreifen für viele AutofahrerInnen eine gute Wahl sind und technisch immer besser werden, bleiben Winterreifen für alle, die mit dem Auto in die Alpen fahren, die beste Option. Das liegt daran, dass Winterreifen gezielt entwickelt wurden, um bei extremen winterlichen Bedingungen optimale Haftung und Sicherheit zu bieten.
Kannst du mit Ganzjahresreifen in den Skiurlaub fahren?
Ja, du kannst mit Ganzjahresreifen in den Winterurlaub fahren. Aber wenn du in allen winterlichen Situationen die bestmögliche Performance möchtest, ist es sinnvoller, im Winter auf Winterreifen und im Sommer auf Sommerreifen zu setzen. Winterreifen bieten genau die Sicherheit, die du brauchst, um mit einem guten Gefühl in die Berge zu fahren – selbst dann, wenn die Straßen mit Schnee oder Eis bedeckt sind.
Regeln für Ganzjahresreifen in den Alpenländern
Wenn du mit Ganzjahresreifen in eine Wintersportregion in Europa fährst, solltest du unbedingt die jeweiligen nationalen Regelungen kennen. In einigen Ländern gelten strikte Vorgaben für die Bereifung. Hier ein Überblick über die Regeln in den wichtigsten Alpenländern:
- Österreich: Winterreifen sind von 1. November bis 15. April bei winterlichen Fahrbedingungen vorgeschrieben. Alternativ sind Ganzjahresreifen bzw. Allwetterreifen erlaubt, sofern sie das Alpine-Symbol tragen (Schneeflockensymbol, 3PMSF bzw. 3 Peak Mountain Snow Flake) oder mit M+S gekennzeichnet sind. Winterreifen und Schneeketten Österreich: Das sind die Regeln ›››
- Schweiz (CH): Winterreifen sind nicht generell vorgeschrieben, aber du bist verpflichtet, dein Fahrzeug jederzeit kontrolliert lenken zu können und die Sorgfaltspflicht im Straßenverkehr einzuhalten (Straßenverkehrsgesetz, Art. 31). Als Alternative kannst du auch mit Ganzjahresreifen fahren. Winterreifen und Schneeketten Schweiz: Das sind die Regeln ›››
- Frankreich (FR): Winterreifenpflicht gilt in Bergregionen. Ganzjahresreifen haben keine eigene gesetzliche Definition als Winterreifen. Dieser Reifentyp wird nur dann anerkannt, wenn er das Alpine-Symbol (Schneeflockensymbol, 3PMSF oder 3 Peak Mountain Snow Flake) trägt. Winterreifenpflicht Frankreich: Wo sie gilt – und was wichtig ist ›››
- Italien (IT): Winterreifen sind in verschiedenen Bergregionen bei winterlichen Bedingungen vom 15. November bis 15. April vorgeschrieben. Als Alternative zu Winterreifen und Schneeketten darfst du auch mit Ganzjahresreifen fahren, allerdings nur mit M+S-Kennzeichnung. Winterreifen und Schneeketten in Italien: das sind die Regeln ›››
- Deutschland: Situative Winterreifenpflicht bei winterlichen Bedingungen von Oktober bis Ostern. Ganzjahresreifen sind erlaubt, aber nur, wenn sie über das Alpine-Symbol verfügen (Schneeflockensymbol, 3PMSF bzw. 3 Peak Mountain Snow Flake). Winterreifen und Schneeketten in Deutschland: Diese Regeln gelten ›››
Fazit Ganzjahresreifen: eine gute Wahl, aber mit Abstrichen
Ganzjahresreifen (Allwetterreifen) können eine hervorragende Option für AutofahrerInnen sein, die nicht viele Kilometer im Jahr zurücklegen. Sie bieten viel Komfort und können helfen, Geld zu sparen, aber für alle, die mit dem Auto in den Skiurlaub fahren, sind Winterreifen weiterhin die beste Wahl. Sie haben deutliche Vorteile auf Schnee, Eis und bei anhaltender Kälte.
- Tipp: Achte immer genau auf die lokalen Vorschriften in den Ländern, durch die du auf deinem Weg in den Skiurlaub fährst, damit du jederzeit sicher und gesetzeskonform in die Berge kommst. Es ist immer wichtig, Reifen zu wählen, die optimal zu deinen Fahrbedingungen und deinem Sicherheitsbedürfnis passen.
Egal, ob du dich für den Komfort von Ganzjahresreifen oder die Sicherheit von Winterreifen entscheidest, gehe immer sicher, dass du gut vorbereitet losfährst und deine Reifen in einem Top-Zustand sind - für dein nächstes Abenteuer in Richtung Alpen.