8. Januar 2017 Von: Martin in 'Skiführer-Tipp'' | 0 Kommentare

Lawinenkunde für Skifahrer

Lawinenkunde für Skifahrer

Nicht nur im Winter, wenn es Neuschnee gibt, sondern auch zum Ende der Skisaison im Frühling hören wir vermehrt Berichte über Lawinenabgänge in den Alpen. Die Gefahr von Lawinen ist vor allem abseits der Pisten allgegenwärtig. Welche Arten von Lawinen gibt es eigentlich? Wie gefährlich sind Lawinen wirklich? Wie werden Lawinen ausgelöst? Und was müssen Skifahrer über Lawinen wissen, damit sie nicht in so ein Schneebrett geraten? Snowplaza klärt Sie über die wichtigsten Fakten zu Lawinen auf und gibt wertvolle Tipps für sichere Abfahrten im Schnee auf und neben der Piste in den Skigebieten der Alpen.

Lawinenkunde! Das müssen Sie über Lawinen wissen

Bereits Hannibal und seine Elefanten lernten die Gefahr durch Lawinen bei ihrer Alpenreise kennen. Bei dem Versuch, 218 v.Chr. die Alpen zu überqueren verlor Hannibal rund 20.000 seiner Männer durch Lawinenabgänge. Auch der berühmte Ötzi könnte ein sehr frühes Lawinenopfer gewesen sein. Heute unterscheiden wir zwischen Lockerschnee- und Schneebrettlawinen und wissen, dass Faktoren wie Steilheit, Exposition oder Temperaturänderungen Einfluss auf die Lawinengefahr und Entstehung haben. Jeder Skifahrer, der abseits der markierten Pisten unterwegs ist, sollte sich deshalb mit dem Thema Lawine auseinandersetzten. Dazu gehört unter anderem die Kenntnis des aktuellen Lawinenlageberichts. Zu den aktuellen Schneehöhen >

Lawine am Hochwanner bei Kühtai

Achtung! Lawine

Posted by Dortmunder Hütte 5. Dezember 2014


Video: Gewaltige Lawine nach Lawinensprengung am Hochwanner (Kühtai)

Typ 1: Schneebrettlawinen

Bei einer Schneebrettlawine erfolgt ein linienförmiger Anriss quer zum Hang. Die Schneemassen rutschen dann als Gleitschicht wie ein Brett in einem großen Kegel ins Tal. Schneebretter können bei Hangneigungen ab 25 Grad ausgelöst werden (meist zwischen 30 und 50 Grad Hangneigung) und sind die häufigste Gefahr für Wintersportler. Wie gefährlich so ein Schneebrett sein kann, musste zuletzt ein Snowboarder in Ischgl feststellen. Video ansehen >

Typ 2: Lockerschneelawinen

Die Lockerschneelawine entsteht durch einen punktförmigen Anriss von unverfestigtem (pulvrigen) Schnee. Sie wächst durch eine Kettenreaktion und benötigt etwas mehr Steilheit. So tritt sie am häufigsten bei Hangneigungen zwischen 40° und 60° auf. Lockerschneelawinen können bis zu 300 km/h schnell werden und haben durch den entstehenden Luftdruck und Sog eine enorm zerstörerische Wirkung gegen alles was sich ihnen in den Weg stellt.

Schneebrettlawinen sind die häufigste Gefahr für Skifahrer

Schneebrettlawinen sind die häufigste Gefahr für Skifahrer

Risikofaktor 1: Lage

Für alle Lawinenarten ist die Hangneigung ein wesentlicher Faktor. Ab 25 Grad Neigung besteht eine potentielle Gefahr von Lawinenabgängen. Zudem hat die Exposition einen Einfluss auf eine mögliche Lawine. Vor allem an nordseitigen Schattenhängen setzt sich der frische Schnee langsamer, so dass sich Schwachstellen in der Schneeschicht länger halten.

Risikofaktor 2: Wind

Besonders der fluffige Neuschnee kann leicht vom Wind verfrachtet werden. Wenn sich dieser dann locker an der windabgewandten Bergseite (Lee-Seite) oder stark gepresst an der windzugewandten (Luv-Seite) Bergseite ablagert, können bereits ab geringen Zusatzbelastungen (z.B. ein Skifahrer) Schneebretter ausgelöst werden. Leider ist Triebschnee schwer zu erkennen und daher besonders gefährlich.

Risikofaktor 3: Temperatur

Wenn es länger kalt ist, bleiben die Gefahrenstellen in allen Expositionen (ähnlich wie am Nordhang) länger erhalten, da sich der neue Schnee nicht mit dem alten verbinden kann. Auch schnell ansteigende Temperaturen sind ungünstig, da sich die Schneekristalle in runde Kugeln verwandeln können und somit einen Nährboden zum Abrutschen bilden.

Lawinenabgänge kommen auch im Frühjahr häufig vor

Lawinenabgänge kommen auch im Frühjahr häufig vor

So schützen Sie sich vor Lawinen

In den berühmten Skigebieten der Welt gibt es ein öffentliches Lawinenwarnsystem, welches auf wissenschaftlichen Grundlagen und tagesaktuellen Einschätzungen von Lawinenexperten basiert. Besonders gefährdete Orte, beispielsweise Dörfer oder Pisten unterhalb von unbewaldeten Steilhängen setzen auf sogenannte Lawinenverbauungen. Diese fangen die Schneelast auf und wirken wie eine Barriere. Zum Schutz werden in vielen Skigebieten Lawinen auch kontrolliert durch Sprengung ausgelöst.

Lawinenwarnskala richtig lesen

Im Alpenraum hat sich die fünfstufige Lawinenwarnskala durchgesetzt. Die Stufen unterteilen sich in 1 (geringe); 2 (mäßige); 3 (erhebliche); 4 (große) und 5 (sehr große) Lawinengefahr. Bei der Interpretation der Skala ist das Verständnis wichtig, dass ein Anstieg um eine Lawinenwarnstufe stets mit einer Verdopplung!!! der Lawinengefahr einhergeht. Bei Lawinenwarnstufe 3 genügt oftmals die zusätzliche Belastung durch einen Skifahrer für eine Auslösung. Bei Stufe 5 gibt es häufige Selbstauslösungen. Mehr dazu >

Vorsicht vor dem „todgeilen Dreier“

Die Lawinenwarnstufe 3 wird auch als „todgeiler Dreier“ bezeichnet und birgt eine besonders hohe Gefahr. Gerade wenn es viel Neuschnee gibt und wir zum Skifahren abseits der Piste verleitet werden, vernachlässigen Freerider oft die angestiegene Lawinengefahr. Gerade jetzt ist ein genauer Blick auf den Lawinenlagebericht notwendig und die Abfahrtsroute mit Vorsicht zu wählen. Unerfahrene Skifahrer sollten unbedingt auf den Pisten bleiben!

Lawinenschutzausrüstung

Lawinenschutzausrüstung für Freerider, Foto: Nolispanmo (CC)

Wo bekomme ich den Lawinenlagebericht her?

An den meisten Berg- und Talstationen hängt der regionale Lawinenlagebericht aus. Neben der aktuellen Lawinenwarnstufe findet sich dort auch ein Text mit näheren Hinweisen zu den Gefahrenstellen. Alternativ können Sie auch das jeweilige Skigebiet mit dem Zusatz „Lawinenlagebericht“ in die Suchmaschine eingeben. Generell gilt: Zuerst den Lawinenlagerbericht checken, dann zum Freeriden >

Nützliche Links zum Lawinenwarndienst

Gut informiert? Dann finden Sie hier mehr Infos zum Tiefschneefahren >

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Bereits als Kind klebte ich mit meiner Nase am Küchenfenster und beschwor den rheinischen Winterregen, doch endlich zu Schnee zu werden. Mit den ersten Flocken ging´s dann hinaus, Autoski (bedingt empfehlenswert), Skihalle und die Wintersportarena Sauerland waren erste Lieblingsorte.

 
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