Für diese Woche ist erneut kräftiger Schneefall angekündigt – stellenweise über 100 cm im Hochgebirge. Trotzdem zeichnet eine neue Schweizer Studie ein alarmierendes Bild: Die durchschnittliche Schneehöhe in der Schweiz sinkt seit Jahrzehnten – und das Tempo nimmt zu. Laut dem WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) hat die Schneedecke in manchen Regionen um 10 bis 20 Prozent pro Jahrzehnt abgenommen.
60 Jahre Schneedaten: Rückgang deutlich sichtbar
Forschende des SLF und der Schweizer Wetterdienste MeteoSchweiz haben erstmals die Schneeentwicklung in der gesamten Schweiz detailliert erfasst. Mithilfe des neuen Modells SPASS (Spatial Snow Climatology for Switzerland) wurden Schneehöhen von 1962 bis 2023 in verschiedenen Höhenstufen analysiert.
„Es ist das erste Mal, dass wir Trends flächig und für verschiedene Höhenstufen zeigen können“, erklärt Klimatologe Christoph Marty vom SLF. „Wir sehen hier ganz klar die Folgen des Klimawandels“.
Untersuchungszeitraum 1962–2023
Für die Analyse wurde der Zeitraum von 1962 bis 2023 betrachtet. In der Grafik unten ist der Verlauf der Schneehöhe über das hydrologische Jahr dargestellt – in Blau die Ergebnisse von 1962–1990, in Rot jene von 1991–2020. Der Vergleich zeigt: Seit den 1990er-Jahren hat die durchschnittliche Schneehöhe in fast der ganzen Schweiz abgenommen. In vielen Regionen beginnt die Schneesaison später und die Schneedecke schmilzt früher.
Das Forschungsteam unterscheidet zwei Arten des Rückgangs: absolute Verluste (in cm) und relative Verluste (in Prozent).
Absoluter Rückgang: In den Bergen schmilzt am meisten Schnee
In den Gebirgsregionen – dort, wo ohnehin die meiste Schneemenge liegt – ist das absolute Schneedecken-Defizit am größten. Teilweise messen die Forschenden bis zu acht Zentimeter weniger Schnee pro Jahrzehnt.
Die Karte zeigt die absolute Veränderung der durchschnittlichen Schneehöhe von November bis April zwischen 1962 und 2023. Höhenlagen über 3.000 m sind dunkelgrau dargestellt, in schraffierten Bereichen ist die Veränderung statistisch nicht signifikant.
Im Flachland sind die Verluste am dramatischsten
Im Schweizer Mittelland, also dem zentralen Tiefland zwischen Jura und Alpen, ist der Rückgang prozentual am stärksten. Hier hat die Schneebedeckung um 10 bis 20 Prozent pro Jahrzehnt abgenommen. Auf 2.000 m Höhe beträgt der Rückgang etwa vier Prozent pro Jahrzehnt.
„Prozentual gesehen, hat das Mittelland am meisten verloren“, so Marty. „Dort liegt ohnehin wenig Schnee…“.. Womit der Experte zu verstehen gibt, dass selbst kleine absolute Veränderungen, große Auswirkungen haben.
SPASS zeigt auch die Zukunft des Schnees
Das SPASS-Modell teilt die Schweiz in ein Raster von einem Quadratkilometer und in Höhenzonen von 500 Metern ein – basierend auf Messdaten von über 350 Stationen. So können WissenschafterInnen nicht nur die Vergangenheit rekonstruieren, sondern auch zukünftige Entwicklungen abschätzen.
Diese Daten sind laut SLF entscheidend für Tourismus und Wintersport. Sie helfen bei der Planung von Beschneiung, Lawinenschutz und Infrastrukturprojekten in den Bergen. In Zukunft sollen die Ergebnisse auch in Apps wie White Risk integriert werden, sodass WintersportlerInnen direkten Zugang zu aktuellen Schnee- und Risikoinformationen erhalten.
Bildrechte: Christoph Marty / SLF.
--> Weitere Informationen zum Projekt findest du auf den Webseiten des WSL und SLF.
Was bedeutet das für WintersportlerInnen?
Kurzfristig sind schneereiche Winter weiterhin möglich – langfristig ist die Tendenz jedoch eindeutig: Tiefer gelegene Skigebiete in der Schweiz, aber auch in Österreich, Frankreich und Italien werden zunehmend auf Kunstschnee angewiesen sein oder stärker auf Ganzjahrestourismus setzen müssen. Vor allem Regionen unterhalb von 1.500 Metern werden künftig immer seltener auf eine zuverlässige Schneedecke zählen können.