17. Dezember 2018 Von: Sigrid in 'Material'' | 0 Kommentare

"Was? Hat etwa dein Skischuh nur den Flex 80? Das ist doch ein Stiefel für Anfänger! Meiner hat Flex 130!" Man könnte denken, dass der Flex des Skischuhes das Aushängeschild des dazugehörigen Skifahrers ist und dessen Können wiederspiegelt. Benötigt dann ein erfahrener Skifahrer einen Skischuh mit einem höheren Flex, oder etwa nicht? Im Allgemeinen kann man sagen, dass der Flex den Widerstand nach vorne oder die Steifigkeit des Skischuhes angibt und je nach Körperbau, Fahrtechnik und Beweglichkeit des Skifahrers ausgewählt wird. Praktisch gesehen, sagt jedoch der Flex-Index nur wenig über das Können des Skifahrers aus, behauptet der Skischuhexperte Richard Zanen. In diesem Artikel erfahren Skifahrer alles Wissenswerte über den Flex eines Skischuhes.

Der Flex des Skischuhes kennt keine Standards

Da wir alles über den Flex in Erfahrung bringen wollten, haben wir uns mit Richard Zanen, einem zertifizierten Skischuhexperten, verabredet. Schon öfters ist es uns aufgefallen, dass sich beispielsweise ein Skischuh, mit einem 80er Flex, viel steifer und unflexibler anfühlt, als einer mit einem 100er Flex. Wie aussagekräftig ist also die Zahl, die sich auf dem Skistiefel befindet? Richard erklärt uns, dass der Flex eine Erfindung der Skistiefelindustrie ist. Mit Hilfe von einer Zahl wird die Steifigkeit des Schuhes dem Käufer angezeigt. An sich sei dies ein geniales System, vorausgesetzt, dass ein allgemeiner Standard vorhanden ist, der zugleich regelmäßig geprüft wird. Hier entsteht also die Verwirrung, da jeder Skistiefelfabrikant seinen eigenen Standard hat.

Ein Skischuh auf einer frisch präparierten Skipiste

Ein weicher oder harter Skistiefel: Was ist besser?

Der Flex soll den Grad der Steifigkeit eines Skischuhes angeben. Nur, was sagt dieser eigentlich aus? Die Steifigkeit eines Skistiefels wird für den Skifahrer fühlbar, sobald man die klassische Skiposition einnimmt: Durch die Knie und dabei die Fußgelenke und Hüften in Beugestellung. Je einfacher Skifahrer die Fußgelenke beugen können, und somit sich die Knie auch nach vorne bewegen, desto flexibler ist der Skistiefel. Die Kunst ist es, einen Skistiefel auszuwählen, der in puncto Steifigkeit zur eigenen Skitechnik, dem Gewicht und Körperbau passt. Die eine Person kann sich beispielweise einfacher durch die Fußgelenke beugen, als die andere. Kompliziert? Im Großen und Ganzen kann man von der Möglichkeit ausgehen, dass ein zu steifer Skischuh die Entwicklung Ihrer persönlichen Skitechnik bremst. Sobald Skifahrer nicht mehr entspannt die Fußgelenke beugen können und somit keine zentrale Position einnehmen können, geht die Kontrolle über den Ski schnell verloren. Ein zu weicher Schuh sorgt dafür, dass Skifahrer zu viel Spielraum haben und nur noch wenig Kraft auf Ihre Skier ausüben können. Es ist daher beim Verleih oder Kauf eines Skischuhs besonders empfehlenswert, ehrlich über das eigene, skifahrerische Niveau zu berichten.

Ein weicher Skischuh sorgt für mehr Skikomfort

Es gibt viele Gründe, sich für einen flexiblen Skischuh zu entscheiden. Skifahrer mit einem leichten Körperbau, steifen Fußgelenken, auf Anfänger-Niveau oder einem gemütlichen Fahrstil fühlen sich im Top-Rennschuh von Marcel Hirscher wahrscheinlich etwas eingeschränkt. Ein flexibler Skischuh bietet dem Skifahrer eine gute Dämpfung, komfortables Wohlbefinden an den Füßen und einen größeren Spielraum, wenn es um die Skitechnik geht. Mit einem weichen Skischuh, werden kleine Fahrfehler nicht gleich mit einem gemeinen Sturz bestraft und eventuelle Unebenheiten auf der Piste haben weniger Auswirkungen auf die Fahrlinie.

Ein harter Skischuh fragt nach einem Könner

Im Allgemeinen wird ein harter Skischuh dem Skifahrer empfohlen, der einen soliden Körperbau hat, seine Fußgelenke gut bewegen kann und für den Technik mit hoher Kraftaufwendung an erster Stelle steht. Dieser Skischuh sorgt, mit seinem dünnen Innenschuh, für mehr Kontrolle über den Ski. Sollte jedoch ein Fahrfehler auftreten, stehen die Chancen hoch, unerwünscht auf der harten Piste zu landen. Bei diesem Skischuh muss man Abstriche machen bezüglich der Dämpfung und Komfort.

Rote Skischuhe auf roten Skiern auf Skipiste

Jede Marke hat Ihren eigenen Flex

Tatsache ist, dass es beim Flex eines Skischuhs keinen Standard gibt. Ein 130er Flex bei der Marke Lange muss nicht der gleichen Steifigkeit beim 130er der Marke Nordica entsprechen. Schlussfolgernd hat der Flex-Index, der auf dem Skistiefel zu finden ist, nur innerhalb der Skischuhmarke Aussagekraft. Skifahrer können beispielsweise davon ausgehen, dass ein Schuh von Salomon mit einem Flex von 80 weniger steif ist, als ein Salomon Stiefel mit einem Flex von 110. Richard erklärt, dass es absolut keinen Sinn macht, um den Flex von verschiedenen Fabrikanten zu vergleichen. Einen weiteren Aspekt, den man diesbezüglich berücksichtigen sollte, ist, dass Skistiefel aus verschiedenen Plastiksorten hergestellt werden. Diese Kunststoffe können ganz verschieden auf unterschiedliche Temperaturen reagieren. Ein Skischuh kann sich beispielsweise im Skischuhgeschäft beweglich anfühlen, und auf der Piste bei -10 Grad unflexibel werden.

Schwarzer Skischuh auf Skier auf Skipiste

Fazit: Ausprobieren, vergleichen und gute Beratung sind das A und O

Lassen Sie sich nicht durch den Flex-Index auf dem Skischuh in die Irre führen. Ziehen Sie beim Kauf der Skischuhe eine gute Beratung bei einem Fachhändler vor. Außerdem gilt: Ehrlich das eigene Können bewerten und dem Verkäufer mitteilen. Sind Sie ein erfahrener Skifahrer, fahren Sie mit Tempo oder eher entspannter, welche Pisten suchen Sie auf? Die Antworten auf diese Fragen eignen sich, mit ins Skischuhgeschäft genommen zu werden. Ein guter Verkäufer wird mit diesen Informationen Modelle aussuchen, die Ihrem Können entsprechen. Testen Sie sich im Geschäft und vor allem auch auf der Piste durch die Angebote und halten Sie gute Rücksprache mit dem Verkäufer. Auf diese Art und Weise finden Sie langsam, aber sicher den perfekten Skischuh.

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Griaß di, mein Name ist Sigrid. Aufgewachsen am Fuße der deutschen Alpen, baten mir die Garmischer- und Tiroler Alpen in der Kindheit und Jugend einen genialen Spielplatz, wo ich mich austoben konnte. Sei es Wandern, Snowboarden oder Surfen, für mich ist seither ein Leben ohne Gaudi in der Natur nicht mehr vorstellbar.

 
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