24. Dezember 2018 Von: Karl in 'Skifahren'' | 1 Kommentare

Skifahren im Skiurlaub soll Spaß machen, entspannen und auf gar keinen Fall zu einem Problem werden! Aber egal wie vorsichtig man auf der Skipiste auch ist und sich an alle FIS-Regeln auch halten mag, es kann trotzdem ein Skiunfall passieren. Hat es einmal geknallt, spielt es keine Rolle, ob Sie als Skifahrer direkt beteiligt sind oder einen Crash auf der Piste nur beobachtet haben. Jetzt heißt es einen kühlen Kopf bewahren und handeln! Doch was ist bei einem Skiunfall eigentlich zu tun? Snowplaza gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen für eine erfolgreiche Erste Hilfe bei einem Skiunfall im Skiurlaub.

1. Was tun, wenn mir plötzlich ein Skiunfall passiert?

Das Erste was Sie nun tun sollten, wenn Sie in einem Skiunfall verwickelt sind, ist ruhig bleiben, auch wenn es schwer fällt. Wie fühlen Sie sich? Haben Sie irgendwo Schmerzen? Können Sie alle Gliedmaßen bewegen? Brauchen Sie Hilfe? Ein kurzer Selbst-Check nach dem Skiunfall, um die Orientierung wieder zu erlangen reicht oftmals aus. Sind Sie sich allerdings nicht sicher, weil sie zum Beispiel einige Körperteile nicht mehr spüren, rufen Sie um Hilfe. Denn gerade bei Knochen-, Wirbel- oder Kopfverletzungen kann jede Bewegung fatal sein.

Unfallstelle absichern: Skier und Stöcke in Schnee

Unfallstelle absichern: Skier und Stöcke in Schnee (Foto: DSV)

2. Was tun, wenn ich einen Skiunfall beobachtet oder verschuldet habe?

Sie werden Zeuge eines Skiunfalls? Oder Sie waren zu schnell auf der Piste und haben einen Skiunfall selbst verursacht? Dann heißt es Handeln und nicht einfach Weiterfahren, denn sonst machen Sie sich strafbar und begehen Fahrerflucht. Sichern Sie als erstes die Unfallstelle, um einen Massencrash und Folgeunfälle zu verhindern. Stecken Sie dazu verfügbare Skier und Skistöcke in Kreuzform hangaufwärts vor die Verunglückten in den Schnee. Ist der Unfall hinter einer Kurve oder an einer schlecht einsehbaren Pistenstelle passiert, sollten Sie die Sicherung davor aufstellen. Holen Sie sich Hilfe und sprechen Sie vorbei fahrende Skifahrer an.

3. Muss ich erst die Bergrettung anrufen oder Erste Hilfe leisten?

Es heißt, dass sofort nach dem Absichern mit der Ersten Hilfe begonnen werden sollte. Verschaffen Sie sich also einen Überblick über die Verletzungen und den Zustand der Verunfallten. Bringen Sie die Verletzten in eine bequeme Lage, schützen Sie diese vor Unterkühlung und setzen dann den Notruf ab. Ist einer der Beteiligten nicht mehr ansprechbar, dann gilt Punkt 10. Sind Sie zu zweit, teilen Sie sich die Aufgaben: Sie setzen den Ski-Notruf ab, während weitere Personen mit der Erstversorgung beginnen.

4. Welche ist die Notrufnummer der Bergrettung?

Die Skinationen in Europa haben für die Bergrettung unterschiedliche Rufnummern. Allerdings können Sie im Notfall auch den in Europa geltenden Euronotruf 112 wählen. Mit den nationalen Alpin-Notrufnummern erreichen Sie die jeweilige Bergrettung direkt:

  • in Österreich 140
  • in Frankreich 15
  • in Italien und Südtirol 118
  • in der Schweiz 144
  • in Deutschland 112

Notruf absetzen wie hier durch die Bergwacht Schwarzwald am Liftverbund Feldberg

Notruf absetzen wie hier durch die Bergwacht Schwarzwald am Liftverbund Feldberg

5. Was muss ich am Telefon der Bergrettung eigentlich sagen?

Bleiben Sie ruhig am Telefon, atmen Sie tief durch und konzentrieren Sie sich auf das Telefonat. Keine Angst, die Ansprechperson am anderen Telefonende geht mit Ihnen zusammen alle notwendigen Fragen durch. Jede Information ist dabei hilfreich. Denken Sie an die 5 "W-Fragen" als Vorbereitung auf das Gespräch:

  • Wo ist der Unfall geschehen? (Genaue Angaben des Unfallortes und Wettersituation)
  • Was ist eigentlich genau geschehen? (Beschreibung des Unfalls)
  • Wieviel Verletzte gibt es? (Angabe Anzahl der Verletzten)
  • Welche Art von Verletzungen können Sie erkennen? (Besonders lebensbedrohende Zustände schildern
  • Wer meldet den Unfall? (Angabe des eigenen Namens mit ev. Rückrufmöglichkeit)

6. Wie beschreibe ich meinen Standort?

Merken Sie sich immer die Pistennummer, auf der Sie gerade unterwegs sind oder den Namen des Liftes, aus dem Sie gerade ausgestiegen sind! Wenn Sie den Notruf absetzen, sind das wichtige Informationen für das Rettungsteam, um schnell und ohne langes Suchen den Unfallort zu erreichen. Sollten Sie diese Infos nicht wissen, konzentrieren Sie sich auf die Umgebung. Sehen Sie Schilder mit Zahlen? Besondere farbliche Markierungen? Oder haben Sie direkten Blick auf einen markanten Punkt in der Landschaft? Wichtig dabei ist, dass Sie der Rettungstellung am Telefon gut zuhören und die Fragen beantworten.

7. Was ist, wenn ich kein Guthaben auf dem Handy habe?

Die Nummer des Euronotrufs 112 ist kostenfrei und zudem unabhängig von Ihrem Anbieter zu erreichen. Haben Sie kein Netz auf dem Handy, empfiehlt die Bergrettung den Standort zu wechseln und das Handy neu zu starten. Achtung! Anstelle der PIN-Nummer geben Sie dann die Euronotruf-Nummer 112 ein. Ist der Notruf erfolgt, entscheidet die Rettungsleitstelle, wie die Bergung vorgenommen wird. Zumeist wird zunächst der Pistenrettungsdienst informiert, der nach Bedarf mit der Rettungsstelle die weiteren Schritte abspricht.

Bergwacht alamieren: Notruf absetzen per Telefon

Bergwacht alamieren! Notruf absetzen per Telefon © Air Zermatt AG

8. Darf ich ein Skiunfallopfer von der Piste bringen?

Ist die Unfallstelle abgesichert und der Notruf abgesetzt, können Sie sich nun den Unfallopfern widmen. Sprechen Sie die Unfallopfer an und prüfen Sie Atmung und Puls. Sind die Opfer bei Bewusstsein und reagieren auf Ihre Ansprache, versuchen Sie gemeinsam schwere Verletzungen auszuschließen (sind Zehen und Finger beweglich, kann ein Wirbelbruch in der Regel ausgeschlossen werden). Nur wenn der Verunglückte sich selbstständig bewegen kann, können Sie das Unfallopfer an den Rand der Piste helfen. Der Skifahrer steht vermutlich unter Schock. Also reden Sie ruhig mit ihm und halten Sie ihn warm.

9. Darf ich ein ausgerenktes Gelenk wieder einrenken?

Nein! Diese Antwort fällt für viele Skifahrer vielleicht unerwartet deutlich aus. Aber ein ausgerenktes Gelenk ohne Fachwissen und unmittelbar anschließender Röntgenkontrolle wieder zu “repositionieren”, kann für den Skifahrer schlimme Folgen haben. Sie könnten zum Beispiel hervorstehende Knochenteile absplittern und in das Gelenk bewegen, oder die Knochen ganz einfach in eine falsche Position bringen. Überlassen Sie derartige Eingriffe unbedingt den Profis im Krankenhaus oder dem Pistenrettungsdienst.

Egal ob ein Skiunfall mit Snowboard oder auf Skier passiert, es heißt handeln

Egal, ob ein Skiunfall mit Snowboard oder auf Skier passiert, es heißt Handeln! © DSV

10. Was tun, wenn der verletzte Skifahrer nicht mehr atmet?

Das Deutsche Rote Kreuz gibt klare Anweisungen, wie in einer Notsituation zu handeln ist. Ist der Verunglückte bewusstlos aber atmet, bringen Sie ihn in eine stabile Seitenlage und schützen Sie ihn vor Unterkühlung. Sie sollten auf keinen Fall versuchen, den Skifahrer vom Unfallort wegzubewegen. Anschließend setzten Sie sofort den Notruf ab. Atmet der Verunglückte aber nicht mehr, sollten Sie erst den Notruf absetzen und dann unverzüglich mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen. Da die Wiederbelebungs-Maßnahmen sehr kräftezährend sein können, wechseln Sie sich am besten ab. Befolgen Sie dabei die Anweisungen der aktuellen Erste Hilfe Vorgaben des Deutschen Roten Kreuzes. Kein Angst, haben Sie Vertrauen in Ihr Können!

11. Was tun, wenn ich abseits der Piste ohne Telefon unterwegs bin?

Zunächst einmal empfiehlt es sich niemals allein abseits der präparierten Pisten unterwegs zu sein. Sollte es dennoch zu einer Situation kommen, in der Sie allein sind und Hilfe benötigen, findet das Alpine Notsignal Anwendung. Dabei sollten Sie eine Minute lang alle zehn Sekunden ein sichtbares und/oder hörbares Zeichen abgeben, gefolgt von einer 1-minütigen Pause, bevor Sie den Vorgang wiederholen. Nachdem das Signal von einem Retter aufgefangen wurde, wird dieser ein Signal alle 20 Sekunden erwidern. Hören Sie aber mit den Notzeichen nicht auf, denn nur so können Sie am Ende auch gefunden werden.

12. Wer bezahlt die Bergung bei einem Skiunfall?

Die Kosten für einen Skiunfall sind von der Verletzung und dem Unfallort abhängig. Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland übernehmen bei einem Skiunfall im Ausland jediglich die Behandlungskosten nach deutschem Tarif. In der Regel fällt die Kostenerstattung aber deutlich geringer aus, als die eigentlichen Kosten im Ausland. Ski- und Tourismusverbände empfehlen daher eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen, die im Notfall die Kosten für den Rücktransport übernimmt. Desweiteren gibt es spezielle Skiversicherungen.

Skiunfälle mit mehr Rücksicht beim Skifahren vermeiden

In den meisten Fällen liegt es in der Hand des Skifahrers, schwere Skiunfälle zu vermeiden. Besonders häufig wird das eigene Können überschätzt und die Piste zu schnell, zu ungebremst und zu abenteuerlustig befahren. Der richtige Abstand zum Vorausfahrenden ist wichtig, aber ebenso die richtige Pistenwahl je nach Leistungsniveau. Sollte es zu einem Skiunfall kommen, greifen beim Skirecht die FIS-Verhaltensregeln, denn auch die Skipisten sind kein rechtsfreier Raum. Der wichtigste Grundsatz beim Skifahren lautet dabei: Rücksicht.

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Glück auf und Hallo! Die Liebe zum Schnee wurde mir in die Wiege gelegt. In der Schule hatte ich Wintersport als Unterrichtsfach, der Grundstein für mein Lebenshobby Snowboarden. Im Skiverbund SkiBig3 in den Rocky Mountains in Kanada fühle ich mich am wohlsten.

 
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