Eine dampfende Schüssel Gulaschsuppe, Kaiserschmarrn in der Mitte des Tisches und Skischuhe, die sich endlich einmal nicht bewegen müssen. Das Mittagessen in einer Berghütte gehört für mich genauso zu einem Skitag wie die Pisten selbst. Nur bekommt man meistens nicht als Einzige oder Einziger um die Mittagszeit Hunger. Besonders an stark frequentierten Tagen wird manchmal schon die Suche nach einem freien Tisch zu einer größeren Herausforderung, als die schwarze Piste am Morgen. Zeit für Teil zwei von „Wie macht man das eigentlich?“: Was sind die ungeschriebenen Regeln in der Berghütte?
Kurz zusammengefasst
- Haltet keinen großen Tisch für Leute frei, die noch Ski fahren.
- Sich zu anderen dazuzusetzen ist ganz normal. Einfach kurz fragen, ob es passt.
- Wenn ihr einmal sitzt und bestellt habt, müsst ihr wirklich nicht schnell wieder Platz machen.
- Euer Helm oder Rucksack braucht bei großem Andrang keinen eigenen Stuhl.
- Eigenes Essen holt ihr nicht an einem Tisch im Pistenrestaurant aus dem Rucksack.
Einen Tisch reservieren, während der Rest noch Ski fährt?
Da kann ich mich kurzfassen: lieber nicht. Zu zweit einen Tisch für acht Personen zu besetzen, weil der Rest der Gruppe „noch eine Abfahrt macht“, finde ich ein bisschen unsozial. Besonders dann, wenn andere SkiurlauberInnen währenddessen mit ihrem Teller in der Hand nach einem freien Platz suchen.
Ich versuche ohnehin, dem großen Andrang ein wenig aus dem Weg zu gehen. Früh oder eben etwas später zu Mittag zu essen, funktioniert oft prima. Außerdem ist es im Skiurlaub völlig normal, um 11.30 Uhr Mittag zu essen. Zu Hause käme mir das nicht in den Sinn, aber nach ein paar Stunden auf Ski kann ich problemlos so früh schon Kaiserschmarrn essen. Oder ich gönne mir rechtzeitig einen Apfelstrudel und lasse mich dann um 14.00 Uhr ganz entspannt zum Mittagessen nieder.
Darf man sich zu anderen an den Tisch setzen?
Absolut. Besonders in Österreich ist es völlig normal, einen großen Tisch mit anderen WintersportlerInnen zu teilen. Sind noch zwei Plätze frei? Fragt einfach kurz, ob ihr euch dazusetzen dürft.
Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn sich andere zu mir setzen. Im Gegenteil: Ich finde es ein bisschen seltsam, zu zweit einen Tisch für sechs Personen zu beanspruchen, während die Hütte voll ist. Übrigens müsst ihr dann wirklich kein ausführliches Gespräch mit euren neuen TischnachbarInnen führen. Sich dazuzusetzen bedeutet nicht automatisch, dass ihr für den Rest des Nachmittags Freunde werden müsst.
Muss man schnell aufbrechen, wenn viel los ist?
Nein. Das ist für mich ein wichtiger Unterschied dazu, einen Tisch zu reservieren. Wenn ihr einfach etwas bestellt habt und gemütlich sitzt, dürft ihr meiner Meinung nach so lange sitzen bleiben, wie ihr möchtet. Ihr müsst euren letzten Bissen nicht schnell hinunterschlingen, nur weil drei Leute neben euch warten.
Möchtet ihr nach dem Mittagessen noch einen Kaffee? Bestellt euch ruhig einen Kaffee. Danach noch einen? Auch prima. Eine Pause in einer Berghütte gehört zu eurem Skitag und ist nicht nur ein Ort, an dem möglichst viele Menschen in möglichst kurzer Zeit abgefertigt werden sollen.
Euer Helm braucht keinen eigenen Stuhl
Ein Stuhl ist für eine Person. Nicht für euren Helm. Und auch nicht für euren Rucksack, eure Handschuhe, Skibrille und alles andere, was ihr an einem Skitag mit euch herumschleppt.
Wenn die Hütte halb leer ist, wird sich niemand daran stören. Aber wenn Leute nach einem Sitzplatz suchen, räumt ihr eure Sachen natürlich weg. Zum Glück gibt es in immer mehr Pistenrestaurants praktische Ablagen und andere Möglichkeiten, den Helm unterzubringen.
Und eure Skischuhe? Die bleiben einfach auf dem Boden. Nicht auf der Bank und nicht auf dem Stuhl gegenüber.
Eigene Brote? Nein
Vielleicht bin ich in diesem Fall etwas streng, aber das eigene Mittagessen aus dem Rucksack zu holen und es dann an einem Tisch in einer Berghütte zu essen, finde ich wirklich nicht in Ordnung.
Möchtet ihr eure eigenen Brote auf die Piste mitnehmen? Völlig in Ordnung. Sucht euch eine Bank, einen Picknickplatz oder einen anderen schönen Platz in der Sonne und esst sie dort. Wenn ihr euch an einen Tisch in einem Pistenrestaurant setzt, bestellt ihr dort etwas.
Nur kurz auf die Toilette zu gehen, ist natürlich etwas anderes. Ich denke, fast alle WintersportlerInnen gehen während eines Skitags irgendwann einmal in eine Berghütte, um auf die Toilette zu gehen, ohne vorher etwas zu bestellen. Entscheidet ihr euch danach aber auch noch, euch gemütlich hinzusetzen, gehört für mich eine Bestellung dazu.
Und wie ist es bei Selbstbedienung?
Jetzt wird es schon etwas komplizierter. Wenn ihr zu viert seid und eine Person schon einmal einen Tisch sucht, während die anderen Essen holen, finde ich daran wenig auszusetzen.
Eine Jacke oder einen Handschuh auf einen Tisch für acht Personen zu legen und dann zwanzig Minuten zu verschwinden, ist etwas anderes. Ein Kleidungsstück hat meiner Meinung nach ungefähr genauso viel Anspruch auf einen eigenen Tisch wie ein Helm auf einen eigenen Stuhl: nicht besonders viel.
Räumt eure Sachen ein wenig zusammen
In einer Berghütte sammelt sich innerhalb von fünf Minuten eine beeindruckende Menge an Wintersportausrüstung an. Helm ab, Handschuhe aus, Skibrille dazu, Jacke offen, Handy auf den Tisch und vielleicht noch irgendwo dazwischen ein Rucksack.
Alles in Ordnung, aber versucht, nicht den halben Tisch und drei Stühle zu belegen. Besonders dann nicht, wenn viel los ist. Und nasse Sachen zum Trocknen auf verschiedenen Bänken und Stühlen auszubreiten, während andere sitzen möchten, ist auch nicht unbedingt der Sinn der Sache.
Nicht alle müssen euer Handy hören
Eine Berghütte darf gemütlich und lebhaft sein. Sehr gern sogar. Gespräche, Gelächter und Musik gehören dazu. Aber das heißt nicht, dass die ganze Hütte dem Video zuhören muss, das ihr euch auf dem Handy anschaut.
Reels, YouTube, Videoanrufe oder was auch immer: Schaltet den Ton aus oder benutzt Kopfhörer. Das gilt übrigens genauso in einer Gondel oder im Sessellift, aber darüber haben wir schon beim letzten Mal gesprochen.
Mit fünfzehn Leuten getrennt bezahlen
Das ist etwas, worüber ich mich wirklich ärgern kann. Eine große Gruppe möchte nach dem Mittagessen fünfzehn einzelne Rechnungen und versucht dann Person für Person herauszufinden, wer welche Cola, Suppe, welches Schnitzel und welchen Kaffee hatte.
Besonders wenn viel los ist: Macht es euch einfach und organisiert das praktisch. Lasst eine oder ein paar Personen bezahlen und rechnet anschließend untereinander ab. Dafür gibt es heutzutage genug praktische Möglichkeiten. Der Rest der Hütte sollte nicht warten müssen, bis eure gemeinsame Buchhaltung endlich aufgeht.
Auch im Außenbereich der Hütte gelten „Regeln“
Die Etikette in der Berghütte beginnt eigentlich schon, bevor ihr drinnen seid. Ski und Stöcke stellt ihr in den Skiständer und nicht mitten vor den Eingang. Auch das Ende der Piste ist kein Parkplatz für Ski. Und legt eure Ski nicht so hin, dass ihr allein ungefähr den halben Ständer blockiert.
Dasselbe gilt, wenn ihr wieder aufbrecht. Erst eure Sachen zusammenpacken, dann irgendwo hinstellen und auf den Rest warten. Der Eingang eines gut besuchten Pistenrestaurants ist nicht der beste Ort für eine Gruppenbesprechung über die nächste Abfahrt.
Einfach ein bisschen Rücksicht aufeinander nehmen
Eigentlich laufen fast alle ungeschriebenen Regeln in einer Berghütte auf dasselbe hinaus: Denkt daran, dass ihr nicht allein dort seid. Haltet nicht die halbe Hütte für Leute frei, die noch gar nicht da sind, überlasst anderen einen freien Stuhl und lasst eure Sachen nicht überall herumliegen.
Aber wenn ihr einmal gemütlich sitzt und etwas zu essen oder zu trinken vor euch habt, bleibt ruhig sitzen und genießt es. Meiner Meinung nach müsst ihr wirklich nicht nach zwanzig Minuten wieder auf den Ski stehen, nur weil jemand anderes auch gern einen Tisch hätte.
Möchtet ihr zwei Stunden lang bei einem Kaffee die Aussicht genießen? Prima.
Aber wenn euer Helm inzwischen einen eigenen Stuhl hat, während ich mit meinem Teller Kaiserschmarrn nach einem Sitzplatz suche, ist das etwas anderes. ;-)