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Wie macht man das eigentlich? Die ungeschriebenen Regeln am Skilift

Skifahrer gemeinsam in der Gondel

Vordrängeln in der Schlange, den Bügel ohne Vorwarnung herunterziehen oder direkt vor dem Lift stehen bleiben, sobald man ausgestiegen ist. Nirgendwo hängt ein Schild mit allen ungeschriebenen Regeln am Skilift, aber wahrscheinlich kennt jeder Wintersportler zumindest ein paar davon. Oder hat vor allem eine Meinung dazu, wie andere sich zu verhalten hätten. Höchste Zeit für ein bisschen Skilift-Etikette – natürlich mit einem Augenzwinkern. Denn wer kann sich schon immer an alle Regeln halten.

Kurz zusammengefasst

  • Gebt einander etwas Platz und bleibt den Skiern und Snowboards der anderen fern.
  • Füllt den Lift, wenn viel los ist, und nehmt Rücksicht auf eure MitfahrerInnen.
  • Steigt zügig ein und aus und bleibt oben bloß nicht direkt vor dem Lift stehen.

Vordrängeln gibt es nicht. Na ja…

Fangen wir mit einem heiklen Thema an: Vordrängeln

 

Das gehört sich nicht. Punkt.

 

Allerdings muss ich an dieser Stelle direkt zugeben, dass ich selbst regelmäßig in eine Lücke schlüpfe. Nicht, weil ich der Meinung bin, früher oben sein zu müssen als die anderen, sondern weil ich leere Plätze im Lift schlecht ertragen kann, wenn hinter mir eine Schlange ist.

 

Stehen drei Menschen ausführlich beratend herum, während direkt daneben ein komplett leeres Drehkreuz ist? Dann bin ich da. Ich betrachte das selbst gerne als effiziente Nutzung der verfügbaren Liftkapazität. Ein anderer nennt es vielleicht Vordrängeln.

Wie macht man das eigentlich? Tja …

Gibt es eine Single Line, dann benutzt sie auch. Dafür ist sie da. Aber lasst anschließend am Drehkreuz nicht trotzdem drei Sessel vorbeifahren, weil ihr doch lieber neben euren Freunden sitzen möchtet. Ihr habt euch für das Single-Dasein im Lift entschieden. Zumindest für die nächsten sieben Minuten.

 

Und noch ein Tipp: Wenn die Warteschlange eine Kurve macht, ist die Innenseite oft kürzer als die Außenseite – aber die Außenseite ist insgeheim häufig schneller. Macht mit dieser Information, was ihr wollt.

Bleibt. Von. Meinen. Skiern. Weg.

Eine volle Warteschlange bedeutet, dass man dicht beieinandersteht. In Ordnung. Aber das heißt nicht, dass ihr auf den Skiern der Person vor euch stehen müsst.

 

Einmal aus Versehen dagegenzutippen, kann passieren. Aber ständig mit den Skistöcken auf meine Skier zu stechen oder mit den eigenen Skiern über deren hinteres Ende zu rutschen? Nicht nötig. Noch ärgerlicher ist das natürlich, wenn die Skier gerade neu sind.

 

Gebt Snowboardern außerdem etwas mehr Platz. Mit einem Fuß am Board und dem anderen daneben ist so eine Warteschlange deutlich umständlicher als auf Skiern. Besonders wenn die Schlange etwas abschüssig ist und man ständig verhindern muss, von selbst auf die Person vor einem zuzurutschen.

Handy weg, wir steigen ein

Während der Fahrt im Lift kurz aufs Handy zu schauen, ist völlig in Ordnung. Aber wenn ihr am Drehkreuz steht und die Schlange weitergeht, steckt das Ding bitte kurz weg.

 

Nicht erst noch eine WhatsApp-Nachricht zu Ende schreiben, während hinter euch zwanzig Menschen warten. Der Gruppenchat läuft nicht weg. Der Lift schon.

 

Rückt nach dem Drehkreuz sofort an die richtige Stelle für den Sessel und achtet kurz darauf, was um euch herum passiert. Das klingt alles ziemlich logisch, aber erstaunlicherweise geht gerade an dieser Stelle doch regelmäßig etwas schief.

Menschenmassen beim Anstehen am Skilift
Gebt einander in der Schlange etwas Platz, rückt aber trotzdem einfach auf.

Macht den Lift einfach voll

Einen Sechser-Sessellift nur zu dritt zu nehmen, obwohl eine riesige Schlange wartet, weil ihr unbedingt zusammensitzen wollt?

 

Nein.

 

Macht den Lift einfach voll. Es macht wirklich nichts, wenn ihr eine Fahrt lang nicht neben euren Freunden, eurem Partner oder euren Kindern sitzt. Oben seht ihr euch wieder.

 

Dasselbe gilt für Gondeln. Rückt durch und macht Platz. Euer Helm, Rucksack und eure nassen Handschuhe dürfen ruhig neben euch liegen, wenn genug Platz vorhanden ist. Wird es voll, kommen sie auf den Schoß. Eure Handschuhe haben schließlich keinen Skipass gekauft.

Erst hinsetzen, dann den Bügel herunterziehen

Das ist ein persönlicher Favorit von mir.

 

Der Sessel kommt, alle setzen sich hin und anschließend schaut man erst einmal kurz nach allen Seiten, bevor man den Bügel herunterzieht.

 

Nicht, während jemand noch halb verdreht dasitzt. Nicht, während noch ein Skistock dazwischen steckt. Und vor allem nicht mit voller Geschwindigkeit.

 

Es wäre nicht das erste Mal, dass ich dieses verdammte Ding auf das Knie bekomme. Und für alle, die das noch nie erlebt haben: Das tut einfach weh.

 

Sitzen alle? Köpfe nach hinten? Knie in Sicherheit?

 

Los geht’s. Bügel zu.

Schatten vom Sessellift
Schließt den Bügel nicht zu früh und öffnet ihn auch nicht zu früh…

Rucksack absetzen und nicht schaukeln

Im Sessellift setzt man den Rucksack am besten ab und hält ihn vor sich. Das sitzt nicht nur bequemer, sondern verhindert auch, dass man durch einen dicken Rucksack halb vorne auf dem Sessel sitzt oder irgendwo hängen bleibt.

 

Und wenn die Bügel über Fußstützen verfügen, dann benutzt sie bitte auch.

 

Was ich persönlich ziemlich nervig finde, sind Menschen, die ihre Skier baumeln lassen und anschließend ausgiebig mit den Beinen wippen. Ehe man sich versieht, schaukelt der ganze Sessel mit.

 

Es ist ein Sessellift. Keine Schaukel.

Ein bisschen Rücksicht auf die MitfahrerInnen nehmen

Im Sessellift oder in der Gondel rauchen? Für mich absolut nicht in Ordnung. Man sitzt mit anderen Menschen auf engem Raum zusammen, und die können nirgendwohin ausweichen.

 

Ein bisschen zu plaudern, finde ich dagegen sehr nett. Ich mag es, dass man im Skilift manchmal spontan mit völlig fremden Menschen ins Gespräch kommt. Aber lest die Situation ein wenig. Nicht jeder hat Lust, während einer sechminütigen Liftfahrt eure komplette Lebensgeschichte zu hören.

 

Dasselbe gilt für lautes Reden, Musik anhören oder Videos anschauen ohne Kopfhörer.

 

Und Essen in der Gondel? Ein Müsliriegel oder ein belegtes Brot ist aus meiner Sicht kein Problem. Aber um 9:12 Uhr in einer vollen Gondel ein komplettes Frühstück mit stark riechendem Käse auszupacken, ist vielleicht etwas ambitioniert. Nicht jeder ist zu dieser Uhrzeit schon bereit für euren Bergkäse.

Skifahrer am Lift
Einfach ein Stückchen weitergleiten, wenn man aus dem Lift kommt – so schwer ist das doch gar nicht, oder?

Haube schließen? Kurz fragen

Schneesturm, starker Wind, minus fünfzehn Grad? Dann zieht die Wetterschutzhaube ruhig herunter.

 

Aber an einem schönen, sonnigen Tag sitze ich persönlich lieber an der frischen Luft. Selbst wenn es ein bisschen windig ist.

 

Möchtet ihr die Haube trotzdem schließen, dann fragt den Rest einfach kurz.

 

„Haube zu?“

 

Zwei Wörter. Problem gelöst.

 

Dasselbe gilt übrigens für das Fenster in einer Gondel. Ich mache es selbst gerne auf. Frische Bergluft ist herrlich und manchmal haftet vielleicht den MitfahrerInnen noch eine leichte Erinnerung an den Après-Ski vom Vorabend an oder es wurden an diesem Morgen noch nicht gefrühstückt und sich die Zähne geputzt. Aber nicht jeder freut sich bei minus zehn Grad über dieselbe frische Brise.

Der Bügel muss nicht drei Liftmasten zu früh nach oben

Wir nähern uns der Bergstation. In der Ferne taucht das Schild auf, das anzeigt, dass der Bügel gleich geöffnet werden darf.

 

Das bedeutet nicht, dass er jetzt schon nach oben muss.

 

Wartet einfach bis zu der dafür vorgesehenen Stelle. Skier von der Fußstütze nehmen, kurz schauen, ob alle bereit sind, und dann kann der Bügel nach oben.

 

Sobald das passiert, müssen eure Skier übrigens auch nicht sofort links, rechts und diagonal durch die Skier eurer Nachbarn hindurch. Wir müssen gleich alle ungefähr in dieselbe Richtung fahren.

Beschilderung am Sessellift
Meistens ist auch ziemlich eindeutig beschrieben, an welcher Stelle der Bügel geöffnet werden soll.

Ausgestiegen? Weitergleiten!

Das ist vielleicht eine der wichtigsten ungeschriebenen Regeln.

 

Ihr steigt aus und gleitet weiter.

 

Nicht zwei Meter hinter dem Ausstieg stehen bleiben, weil eure Freunde im nächsten Sessel sitzen. Nicht direkt mitten vor dem Ausgang die Handschuhe zurechtrücken. Und das ist auch nicht der richtige Ort, um mit sechs Personen zu besprechen, welche Piste ihr nehmen wollt.

 

Schließlich kommt alle paar Sekunden schon der nächste Sessel mit weiteren Menschen hinter euch.

 

Gleitet ein Stück weiter, sucht euch eine ruhige Stelle und wartet dort auf eure Freunde.

 

Auch SnowboarderInnen sollten beim Ausstieg etwas mehr Platz bekommen. Mit einem Snowboard an nur einem Fuß aus einem Sessellift zu kommen, ist einfach etwas anderes, als auf zwei Skiern geradeaus zu gleiten.

Und dann gibt es da noch den Schlepplift…

Der Schlepplift verdient eigentlich ein eigenes Kapitel in der Wintersport-Etikette.

 

Vor allem, weil dort eine wichtige Regel gilt: Wenn ihr herausfällt, verschwindet.

 

Bleibt nicht mitten in der Spur sitzen, um ausführlich zu analysieren, was gerade schiefgegangen ist. Hinter euch kommt nämlich schon der nächste Schlepplift samt WintersportlerIn.

 

Versucht, so schnell wie möglich aus der Spur zu kommen, und verarbeitet die Demütigung anschließend in Ruhe am Rand.

 

Auch in diesem Fall gilt: Ein bisschen Verständnis für SnowboarderInnen kann nicht schaden. Für viele SkifahrerInnen bedeutet ein Schlepplift vor allem: festhalten und nach oben fahren. Mit einem Snowboard kann das Ganze durchaus etwas mehr akrobatischen Einsatz erfordern.

In der Gondel: Skistöcke bitte senkrecht halten

In einer Gondel gelten größtenteils dieselben Regeln. Durchgehen, Platz machen und die Kabine füllen, wenn viel los ist.

 

Aber können wir uns zusätzlich alle darauf einigen, dass Skistöcke senkrecht bleiben?

 

Manche Menschen laufen kurz vor dem Einstieg mit zwei waagerecht gehaltenen Stöcken durch eine Menschenmenge, als müssten sie die Gondel eigenhändig verteidigen. Ehe man sich versieht, hat jemand einen Skistock im Auge.

 

Beim Aussteigen gilt dasselbe. Die Person, die am nächsten an der Tür sitzt, steigt aus, nimmt ihre Skier und geht weiter. Danach folgt der Rest. Keine ausführliche Neuorganisation der kompletten Wintersportausrüstung direkt vor der Gondeltür.

Volle Gondel
Füllt die Gondel schön auf – ist doch gemütlich!

Füllt die Gondel schön auf – ist doch gemütlich!

Also: Wie macht man das eigentlich?

 

Eigentlich sind die ungeschriebenen Regeln am Skilift ganz einfach. Gebt einander etwas Platz, füllt leere Plätze auf, nehmt Rücksicht auf die Menschen um euch herum und sorgt dafür, dass ihr beim Ein- und Aussteigen niemanden behindert.

 

Und nein, natürlich halte auch ich mich nicht immer vorbildlich an die gesamte Skilift-Etikette. Wenn ich ein leeres Drehkreuz sehe, während der Rest vor sich hin träumt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich hineinschlüpfe.

 

Vordrängeln?

 

Ich nenne es nach wie vor lieber effizientes Auffüllen.

 

Aber von den Skiern anderer bleibt man weg. Da ziehe ich die Grenze.

Miranda Winter

Über Miranda

Soweit ich mich erinnern kann, war ich immer schon in den Bergen unterwegs, denn es gibt hier so viel zu tun: Skifahren, Snowboarden, Wandern oder Mountainbiking - ich mag alle Sportarten. Meine Freunde sagen oft, dass es wohl keinen Platz in den Bergen gibt, an dem ich noch nicht war.