Fährst du in den Weihnachtsferien in den Skiurlaub und machst du dir Sorgen wegen der aktuellen Wetterlage? Nach einer winterlichen Phase ist es seit gestern deutlich milder und regnerischer in den Alpen geworden. Dieses milde Intermezzo hat in unseren Breitengraden sogar einen Namen: Weihnachtstauwetter – eine immer wiederkehrende milde Phase kurz vor den Feiertagen. Was das für die Pisten und deinen Skiurlaub bedeutet, darauf gehen wir in diesem Blog genauer ein.
In Kürze:
- Weihnachtstauwetter: ein auffälliges Phänomen, das fast jedes Jahr in der Zeit vor Weihnachten auftritt.
- Deutlich milder und teilweise sogar regnerisch, mit einer Schneefallgrenze um 2.000 Meter Höhe (oder höher).
- Dank der dicken Schneedecke im sehr winterlichen November bleibt die Pistenqualität in den meisten Skigebieten weiterhin gut.
- Ab Mitte nächster Woche steigt die Chance auf kälteres Wetter und Neuschnee, sodass die Aussichten für die Weihnachtsferien positiv bleiben.
Ständiger Wechsel aus kalter und milder Luft
Im November und Dezember wechseln sich kalte und sehr milde Phasen eigentlich immer ab. Das, was jetzt passiert, ist also überhaupt nicht ungewöhnlich und meteorologisch gesehen sogar ein jährlich wiederkehrendes Phänomen. Zu dieser Jahreszeit kühlt es im Norden Europas (u. a. in Skandinavien) schon deutlich ab und mit einer nördlichen Strömung (Windrichtung in der Höhe) erreicht diese kalte Luft regelmäßig die Alpen. Dreht die Strömung hingegen auf West/Süd/Südwest, wird deutlich milder. Der Atlantik und das Mittelmeer sind zu dieser Zeit noch nicht stark ausgekühlt und können die Luftmasse kräftig erwärmen.
Was ist Weihnachtstauwetter eigentlich?
Auch dieses Jahr merken wir den großen Umschwung von winterlich kalt zu sehr mild. Noch Ende November sank das Thermometer auf -15 °C (und sogar noch tiefer), diese Woche können in manchen Tälern hingegen wieder +15 °C erreicht werden – ein Temperaturunterschied von 30 °C (!). Das sorgt natürlich für Fragezeichen bei WintersportlerInnen, die noch vor 2026 in den Skiurlaub fahren.
In Österreich und Deutschland hat man für diese auffällige, wiederkehrende milde Phase vor Weihnachten einen Namen: Weihnachtstauwetter. Der erste nennenswerte Schnee fällt oft Ende November, danach folgt eine mildere Phase, Mitte Dezember kann es noch einmal richtig kalt werden, aber anschließend setzt die berüchtigte „Weihnachts-Tauphase“ ein. Es fühlt sich wortwörtlich so an, als würde der Winter kurz auf „Pause“ drücken. Der Deutsche Wetterdienst betrachtet dieses Phänomen sogar als Singularität, also als wiederkehrendes Wetterereignis, das mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 60–70 % auftritt.
Dass es in diesem Jahr so stark auffällt, liegt vor allem daran, dass es Ende November extrem winterlich war: viel Schnee, tiefe Temperaturen und der beste Saisonstart seit rund 12 Jahren. Der Sprung zu deutlich milderem Wetter fühlt sich deshalb besonders groß an, ist aber nicht unbedingt außergewöhnlich. Im Gegenteil: Die großen Schneemengen sorgen dafür, dass das Ganze dieses Jahr sogar weniger „schlimm“ sein wird als in anderen Jahren.
Regen bis 2.000–2.200 Meter: Was macht das mit den Pisten?
Wie du im Wetterbericht gestern lesen konntest, liegt die Schneefallgrenze heute bei etwa 2.000–2.200 Metern Höhe. Die Nullgradgrenze steigt auf 3.000 Meter und höher. Was bedeutet das für die Pisten?
- In tieferen Lagen fällt der Niederschlag vorübergehend als Regen.
- In höheren Lagen schneit es weiterhin – ideal für Skigebiete mit vielen Pisten über 2.000 Metern und für Gletscher.
- Die Schneefallgrenze verschiebt sich von Tag zu Tag und wechselt je nach Region.
Aber es gibt ein Aber …
- Die Regenmengen sind aktuell begrenzt. Heute lockert es bereits auf und für den Rest der Woche ist kaum Niederschlag vorhergesagt.
- Die Luft trocknet zunehmend ab und es gibt nur wenig Bewölkung, was für die Pisten von Vorteil ist.
- Nachts kann es weiterhin deutlich abkühlen.
- In den vergangenen Wochen hat sich eine sehr dicke Schneedecke aufgebaut. Diese Unterschicht wirkt als Puffer: Eine kurze Wärmephase und etwas Regen verkraftet sie problemlos.
In der Praxis siehst du oft folgendes Bild:
- Vormittags: Pisten eher hart bis eisig, vor allem dort, wo es nachts noch leicht frostig ist.
- Nachmittags: Auf tiefer gelegenen Pisten wird der Schnee weicher und sulziger, besonders an Südhängen und auf viel befahrenen Talabfahrten.
- Hoch gelegene Pisten: bleiben oft auffallend gut.
Was merkst du als WintersportlerIn auf der Piste?
Fährst du in dieser Woche oder am kommenden Wochenende in die Alpen, kannst du ungefähr Folgendes erwarten:
- Milde Temperaturen, aber viel Sonne: Eine extra warme Kleidungsschicht ist meist nicht nötig und die Chancen stehen gut, dass du gemütlich draußen auf der Terrasse zu Mittag essen kannst.
- Weniger winterliches Bild im Tal: Die Schneedecke im Tal wird schnell zurückgehen, für ein echtes Winterwunderland musst du in die Höhe.
- Wechselnde Schneeverhältnisse: morgens häufig harte Pisten, gute Bedingungen in höheren Lagen, aber in den Talabfahrten wird der Schnee schneller weich und „slushy“. Tipps zum SKifahren im Sulzschnee >>>
Wie sind die Aussichten Richtung Weihnachtsferien hin?
Kommen wir zur wichtigsten Frage vieler WintersportlerInnen: „Ist mein Weihnachtsurlaub in Gefahr?“ Die Antwort darauf lautet: Im Moment ganz klar nein. Es liegt eine außergewöhnlich gute Basis aus Kunst- und Naturschnee. Es ist keineswegs ungewöhnlich, dass es jetzt deutlich milder ist als noch in der vergangenen Woche. Diese Woche bleibt es zwar mild, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es ab Mitte nächster Woche wieder kälter. Der große Vorteil: Nur Sonntag fiel verbreitet Regen, ab jetzt bleibt es nahezu überall trocken. Außerdem trocknet die Luft ab, was bei milden Temperaturen wiederum positiv für den Erhalt der Pisten ist. Klar ist: Tiefer gelegene Pisten sind stärker betroffen, aber in der Höhe bleiben die Bedingungen gut.
In den zwei Wochen bis zu den Weihnachtsferien kann noch eine Menge passieren, und eine neue Schicht Neuschnee ist nach den aktuellen Winter-Langzeitprognosen keinesfalls ausgeschlossen. Nichts ist so wechselhaft wie das Wetter – also her mit einer dicken Ladung Neuschnee und einer weißen Weihnacht!
Ja, es ist wärmer, aber …
Ja, es ist wärmer und stellenweise auch regnerisch in den Alpen. Aber nein, das heißt nicht, dass der Winter vorbei ist oder dein Weihnachtsurlaub ins Wasser fällt. Weihnachtstauwetter ist eine vorübergehende Phase, keine dauerhafte Wetterumstellung bis in den Januar hinein.
Mit einer soliden Schneebasis, keinen extremen Regenmengen und einer steigenden Chance auf Kälte und Schneefall ab Mitte nächster Woche bleiben die Aussichten für die kommenden Wochen – und ganz besonders Richtung Weihnachten – für WintersportlerInnen insgesamt positiv.