24. März 2019 Von: Max in Reiseberichte | 0 Kommentare

Es ist Mitte März und wir sind eingeladen, uns einmal im Frühling in der Zweiländer-Skiregion Oberstdorf-Kleinwalsertal umzusehen und gemeinsam Skifahren zu gehen. Wir sind zu sechst unterwegs, eine bunt zusammengewürfelte Gruppe, die eines verbindet – die Leidenschaft für die Berge und das Skifahren. Das Wetter soll dieses Wochenende traumhaft sein, sagt der Wetterbericht. Ich bin bei der regnerischen Anreise nach Oberstdorf am Freitag, wo sich unsere Unterkunft befindet, noch ein bisschen skeptisch. Wird es oben für Neuschnee reichen? Die Antwort dazu und was die Besonderheiten einer Skireise im Frühling sind, darüber lesen Sie jetzt mehr.

Anreise

Mit dem Zug dauert die Anreise von München nach Oberstdorf circa drei Stunden. Ich bin mit meinem Bus unterwegs und fahre vom Zillertal aus über Innsbruck und den Fernpass in Richtung Allgäu. Nach knapp vier Stunden erreiche ich bei strömendem Regen das Hotel Weinklause in Oberstdorf, wo auch schon Laura, Caro und Philipp eingecheckt sind. Da es schon Abend wird und eine lange Autofahrt hungrig macht, wird es Zeit die regionale Küche in Augenschein zu nehmen. Zusammen machen wir uns auf ins nahegelegene Mittelberg im Kleinwalsertal. Nach circa 20 Minuten erreichen wir das Wirtshaus Hoheneck, das uns mit einem köstlichen Viergängemenü den Abend verzaubert. Zwei von uns, Philipp und Christina, stecken noch im Verkehr fest und sollten an diesem Tag erst um 23.00 Uhr im Hotel ankommen – auch kein Problem, die Bar des Hotels hat noch für einen Drink geöffnet. Zufrieden und in Erwartung eines sonnenreichen, ersten Skitages lege ich mich danach im Bergsteigerzimmer schlafen. Morgen ist Early-Bird-Skifahren um 7:45 Uhr angesagt, da wollen wir nicht zu spät kommen.

Skifahren in zwei Ländern

In der Skiregion Oberstdorf-Kleinwalsertal haben wir heute sechs facettenreiche Skigebiete in zwei Ländern zur Auswahl. Das Skigebiet Hoher Ifen eignet sich jedoch mit dem Early-Bird-Angebot ganz besonders, weil ja bekanntlich der Schnee im Frühling am Morgen, doch noch am griffigsten ist. Zu sechst machen wir uns bei strahlendem Sonnenschein in meinem Bus gemeinsam auf den Weg von Oberstdorf in Deutschland, nach Oberwäldele hin zum Ifen-Skigebiet in Österreich. Wer sein Auto lieber stehen lassen will, der hat die Option mit dem Walserbus in die Skigebiete zu fahren, der natürlich mit einem gültigen Skipass gratis benutzt werden darf. Circa 20 Minuten dauert hier wieder die Fahrt. Der Parkplatz an der, im Jahr 2017 neu errichteten Ifenbahn, ist noch beinahe leer, ein paar frühe Vögel stehen schon an der Talstation der 10er-Gondelbahn an und warten gespannt auf die Öffnung der Tore. Ich habe mal wieder meine Skibrille vergessen, glücklicherweise befindet sich direkt an der Station ein Skiverleih, der auch Brillen verkauft – praktisch! Ein bisschen müssen wir noch abwarten, weil wegen der Neuschneemengen im Skigebiet erst noch gesprengt werden muss, um die Sicherheit aller zu garantieren. Nach etlichen Bumms und Wumms, starten wir mit ein bisschen Verspätung und großem Tatendrang in unseren ersten Skitag.

Skifahren am Ifen © Philipp Reiter

Skifahren am Hohen Ifen im Kleinwalsertal: Das Wahrzeichen

Mit der neuen Ifenbahn fahren wir in komfortablen acht Minuten auf die auf knapp 2.000 Meter gelegene Bergstation hinauf. Besonders imposant thront der Hohe Ifen über dem 25 Pistenkilometer fassenden Skigebiet. Tatsächlich hat es hier oben noch Neuschnee gegeben. Ein freundlicher Skiführer beteuert, dass sogar 30 Zentimeter gefallen wären. In den nächsten zwei Stunden erkunden wir jeden Zentimeter Piste und stellen schnell fest, dass die Schneequalität auch noch im Frühling keine Wünsche offenlässt – und unter blauem Himmel und sechs Grad am Berg kommen auch die ersten Frühlingsgefühle auf. Kleiner Tipp: Die beste Aussicht im Skigebiet hat man vom 2.085 Meter hohen Hahnenköpfle aus. Von der Bergstation der Ifenbahn führt auch im Winter ein kleiner Wanderweg ein paar Meter weiter nach oben zum Gipfelkreuz. Dort oben angelangt hat man eine wunderschöne 360-Grad Fernsicht und sieht sogar den Bodensee. Und weil Skifahren und Entdecken so hungrig macht, kehren wir mittags in das neue Bergrestaurant Tafel&Zunder ein, wo wir uns gepflegt auf der Sonnenterrasse niederlassen, kräftig speisen und den Ausblick auf die Allgäuer Alpen auf uns wirken lassen. Gestärkt fahren wir danach auf den aufgefirnten Pisten Richtung Tal, wo wir am Parkplatz noch kurz die Nachmittagssonne genießen, bevor wir wieder mit dem Bus nach Oberstdorf fahren. Später am Nachmittag soll es noch auf eine Wanderung gehen, der Frühling lockt, die Natur bahnt sich ihren Weg zurück aus dem Winterschlaf, die meisten Wanderwege sind wieder schneefrei – der perfekte Übergang vom Winter in den Frühling, an einem Tag.

Herrlich firnig. Im Hintergrund der Hohe Ifen © Philipp Reiter

Nebelhorn in Oberstdorf: Die längste Talabfahrt Deutschlands

Der zweite Tag beginnt etwas später als der Erste. Nach einem gemütlichen Frühstück machen wir uns zu Fuß vom Hotel aus auf den Weg zur Nebelhornbahn, die seit 80 Jahren Skifahrer in das höchstgelegene Skigebiet im Allgäu bringt. Zu Fuß durch Oberstdorf allein ist schon ein Erlebnis. Unser Weg ist gesäumt von gemütlich anmutenden Cafés, alten Bauernhöfen mit wettergegerbten Holzfassaden und idyllischen Wasserspielen und Flussläufen. Es ist Sonntag und die Sonne scheint, das merkt man auch am Einstieg der Gondelbahn. Doch nach vier Abfahrten sind auch wir an der Reihe. Nach circa 15 Minuten Fahrzeit und zwei Umstiegen erreichen wir die Bergstation der Nebelhornbahn. Das Warten hat sich gelohnt! Über 400 Gipfel sieht man von hier oben, erzählt uns ein Liftmitarbeiter. Was für eine spektakuläre Aussicht, auch die Zugspitze erscheint in unserem Blickfeld. Doch nun, genug geschaut, ab auf die 13 Kilometer Pisten, die es hier im Skigebiet gibt. Und eine davon ist besonders lang, nämlich die Talbabfahrt am Nebelhorn. Mit ihren stolzen 7,5 Kilometern, ist sie die längste Talabfahrt Deutschlands. Die gehen wir an. Während der Fahrt überwinden wir knapp 1.500 Höhenmeter, fahren von griffig nach firnig, vom Winter zum Frühling – herrlich! Unten angekommen müssen wir uns erst mal einiger Ski-Klamotten entledigen, weil es mittlerweile schon 15 Grad Celsius anzeigt. Die Skier geschultert machen wir uns auf den zehnminütigen Fußweg in die Innenstadt und lassen dort den Skitag noch in einem der traditionsreichen Cafés im Achtzigerjahre-Stil mit Flammkuchen und Radler in der Mittagssonne ausklingen.

Aussicht vom höchsten Punkt am Nebelhorn in Oberstdorf

Tafel&Zunder: Hinsetzen und Durchatmen

Aussicht zur Sonnenterrasse im Bergrestaurant Tafel&Zunder © Philipp Reiter

Say Hello To Spring - Das Team und sein Bus

Parkplatz-Frühlings-Stimmung am Hohen Ifen © Christina Froschauer

Herrlich frühlingshaft in Oberstdorf

Zu Fuß durch Oberstdorf. Vom Hotel zur Nebelhornbahn waren es nur fünf Minuten © Philipp Reiter

Loipen waren noch gut in Schuss

Sogar Langlaufen war im Tal in Oberstdorf noch möglich © Philipp Reiter

So schön sind die Allgäuer Alpen

Danke Oberstdorf-Kleinwalsertal, schön wars! © Philipp Reiter

Fazit

Die Skiregion Oberstdorf-Kleinwalsertal hat uns vor allem mit ihrer Vielfalt begeistert, die damit zu begründen ist, dass hier zwei Länder, zwei Kulturen, zwei Küchen und zwei Lebensarten aufeinandertreffen. Verstärkt wurde dieser Eindruck, weil im März hier auch noch zwei Jahreszeiten aufeinandertreffen. Skifahren im Frühling ist mehr als nur den ganzen Tag Pistenkilometer sammeln. Skifahren im Frühling ist die Zeit, in der man Skifahren mit Genuss verbindet und das nicht nur kulinarisch. Es bedeutet die guten Pistenbedingungen am Morgen auszukosten und am Nachmittag die Sonne, die warmen Temperaturen und die erwachende Natur in seinen Aufenthalt miteinzubinden. Egal, ob dies nun bei einem gemütlichen Plausch in einem Café geschieht, auf den Langlaufloipen, die immer noch gut in Schuss sind oder dem 200 Kilometer langen Rad- und Wanderwegenetz in der Region. Frühling ist ein Gefühl, ist Aufbruch, ist Freude – und hier in der Skiregion Oberstdorf-Kleinwalsertal ganz besonders gut erlebbar.

Praktische Infos zur Skiregion Oberstdorf-Kleinwalsertal

Skifahrer und Snowboarder erwarten hier 130 Pistenkilometer, die sich auf sechs Skigebiete verteilen. Riezlern bildet mit Oberstdorf das einzigartige Zweiländer-Skigebiet und sorgt mit insgesamt 36 km Pistenerlebnis an der Kanzelwand und am Fellhorn für traumhafte Schwünge. Das Ifen-Skigebiet wurde in den letzten Jahren komplett modernisiert. Auf 25 Pistenkilometern erkundet man hier die Gegend um den markanten Berg. Die neue 10er Kabinenbahn bringt die Gäste komfortabel wieder auf den höchsten Punkt auf knapp 2.000 Meter. Das Walmendingerhorn gehört den Genussskifahrern, mit 15 km präpariertem Naturschnee und Anfängerliften im Talskigebiet. Im Familiengebiet um den Heuberg lassen sich die Sonnentage auf blauen und roten Pisten voll auskosten, vor allem bei der Einkehr direkt an der Piste. Zu guter Letzt warten am Nebelhorn in Oberstdorf noch 13 Pistenkilometer und einige herrlich gelegenen Sonnenterrassen am Berg darauf erkundet und genossen zu werden.

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Aufgewachsen im schönen Bayern, hatte ich die Berge stets in greifbarer Nähe. Im Winter arbeite ich im Zillertal als Snowboardlehrer. Bei Snowplaza berichte ich über die neuesten Trends und News im Wintersport.

 
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