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Wann bist du eigentlich ein fortgeschrittener Skifahrer?

Skifahrer in der Zillertal Arena

Viele SkifahrerInnen finden meiner Meinung nach ziemlich schnell, dass sie gut Ski fahren können. Wenn du heil eine rote Piste hinunterkommst, bist du schnell „fortgeschritten“. Schon eine schwarze Piste gefahren? Na, dann kann ja kaum noch etwas schiefgehen. 😉 Aber wann bist du eigentlich ein fortgeschrittener Skifahrer oder eine fortgeschrittene Skifahrerin? Dafür gibt es keine offiziellen Regeln. Für mich hat es jedenfalls wenig damit zu tun, wie schnell du fährst, wie viele schwarze Pisten du abgehakt hast oder seit wie vielen Jahren du schon in den Skiurlaub fährst. Es geht vor allem um eine Sache: Kontrolle.

Kurz zusammengefasst

  • Es gibt keinen offiziellen Übergang zwischen mittlerem und fortgeschrittenem Niveau.
  • Für mich kann ein fortgeschrittener Skifahrer oder eine fortgeschrittene Skifahrerin jede präparierte Piste kontrolliert hinunterfahren.
  • Du fährst parallel, bestimmst dein Tempo selbst und kannst jederzeit anhalten.
  • Technisch perfekt Ski zu fahren, zu carven oder gut im Tiefschnee zu sein, sind keine Voraussetzungen.
  • Wie viele Jahre du schon in den Skiurlaub fährst, sagt auch überraschend wenig über dein Niveau aus.

Eine schwarze Piste hinunterzukommen ist nicht dasselbe, wie sie fahren zu können

Du kennst sie bestimmt: WintersportlerInnen, die voller Stolz erzählen, dass sie an diesem Morgen eine schwarze Piste gefahren sind. Und das zu Recht, besonders, wenn es das erste Mal war. Aber nur eine schwarze Piste hinunterzukommen, macht dich meiner Meinung nach noch nicht zu einem fortgeschrittenen Skifahrer oder einer fortgeschrittenen Skifahrerin.

 

Schließlich kommt man auf sehr viele Arten unten an.

 

Für mich liegt der Unterschied im Wort „kontrolliert“. Fortgeschrittene SkifahrerInnen können eine präparierte blaue, rote und schwarze Piste kontrolliert hinunterfahren. Du bestimmst dein Tempo selbst, fährst parallel, machst rhythmische Schwünge und kannst jederzeit anhalten.

 

Letzteres finde ich vielleicht sogar am wichtigsten. Eine Skipiste schnell hinunter zu kommen ist nicht dasselbe, wie gut Ski fahren zu können.

Können andere vorhersehen, was du tun wirst?

Darauf achte ich auch immer, wenn ich hinter jemandem Ski fahre. Macht jemand schöne, regelmäßige Schwünge, kann man ziemlich gut einschätzen, wo diese Person in ein paar Sekunden sein wird.

 

Bei einem Schwung plötzlich die halbe Piste zu überqueren, beim nächsten geradeaus hinunterzufahren und danach unerwartet wieder einen riesigen Schlenker nach links zu machen, das gefällt mir schon deutlich weniger. Nicht, weil es technisch weniger schön aussieht, sondern weil du für andere SkifahrerInnen und SnowboarderInnen unberechenbar wirst.

 

Fortgeschrittene SkifahrerInnen müssen meiner Meinung nach also absolut nicht perfekt Ski fahren. Aber ich finde schon, dass du deine Ski beherrschen solltest und nicht umgekehrt.

Skifahrer

Muss man technisch schön Ski fahren können?

Nein. Auch wenn ich es persönlich schön finde, wenn jemand wirklich gut auf den Ski steht und technisch elegante Schwünge fährt. Und ich freue mich immer, wenn Leute auch nach Jahren im Skiurlaub noch einmal einen Skikurs buchen, um ihre Technik zu verbessern.

 

Aber es ist keine Voraussetzung dafür, sich selbst als fortgeschritten bezeichnen zu dürfen.

 

Jemand fährt vielleicht nicht nach dem perfekten Lehrbuch Ski, kann aber trotzdem jede Piste vollständig kontrolliert und in einem schönen Rhythmus hinunterfahren. Das ist mir wichtiger als jemand, der zwar wunderschöne Carving-Schwünge macht, aber dabei mit Vollgas über eine volle Piste rast.

 

Und nein, du musst auch nicht carven können. Parallel Ski zu fahren gehört für mich aber zum fortgeschrittenen Niveau. Möchtest du Carven lernen? Dann schau dir diesen Artikel an!

Was ist, wenn die Piste am Nachmittag ein einziges Chaos ist?

Eine perfekt präparierte rote Piste um 8.30 Uhr ist natürlich etwas anderes als dieselbe Abfahrt um 15.30 Uhr. Dann liegen dort vielleicht Haufen von lockerem Schnee, es gibt harte Stellen und viel mehr Menschen fahren um dich herum.

 

Auch dann erwarte ich von fortgeschrittenen SkifahrerInnen, dass sie in der Lage sind, ihr Tempo und ihre Schwünge an die Bedingungen anzupassen. Nicht, dass jeder Schwung plötzlich technisch perfekt sein muss, aber du solltest die Kontrolle behalten.

 

Das bedeutet übrigens nicht, dass du als fortgeschrittener Skifahrer und fortgeschrittene Skifahrerin überall fantastisch sein musst. Buckelpisten sind wieder ein ganz eigenes Metier. Dasselbe gilt für Tiefschnee, nicht präparierte Skirouten und Gelände abseits der Piste. Meiner Meinung nach kannst du ein prima fortgeschrittener Pistenfahrer oder eine Pistenfahrerin sein und in einem halben Meter Pulverschnee keine Ahnung haben, was du da eigentlich machst.

Skifahrer auf der Skipiste in der Zillertal Arena

„Ich fahre schon seit zehn Jahren Ski“

Den finde ich immer gut.

 

„Wie lange fährst du schon Ski?“

 

„Zehn Jahre!“

 

Klingt beeindruckend. Allerdings fahren die meisten WintersportlerInnen natürlich nicht wirklich zehn Jahre lang Ski. Wenn du jedes Jahr eine Woche fährst, hast du nach zehn Jahren ungefähr zehn Wochen auf Ski gestanden.

 

Das klingt plötzlich doch ganz anders.

 

Die Anzahl der Jahre, die du in den Skiurlaub fährst, sagt deshalb nicht besonders viel über dein Niveau aus. Jemand, der fünf Winter lang Ski fährt, viel Unterricht hatte und viele Tage auf der Piste verbringt, ist technisch vermutlich weiter als jemand, der schon zwanzig Jahre lang jedes Jahr dieselben sechs Tage Ski fährt.

 

Allerdings vermute ich, dass ich mich nach meiner ersten Skiurlaubswoche auch schon ziemlich gut fand. Vielleicht gehört das einfach zum Lernprozess. 😉

Und wie sieht eine Skischule das?

Ich selbst habe jahrelang selbst Skikurse gegeben, und schon damals hat man gesehen: Zwei Menschen, die beide problemlos eine rote Piste hinunterkommen, können technisch noch meilenweit auseinanderliegen. Eigentlich haben wir in der Skischule nie einfach nur von „fortgeschrittenen SkifahrerInnen“ gesprochen. Skischulen arbeiten mit verschiedenen Niveaus und Gruppen. Dabei wird unter anderem berücksichtigt, wie deine Technik ist, welche Pisten du fahren kannst und wie viel Kontrolle du über deine Skier hast. Nach welchen Einteilungskriterien die SkikursteilnehmerInnen eingeteilt werden, unterscheidet sich allerdings von Skischule zu Skischule.

 

Genau deshalb ist es so schwierig, einen einzigen Moment zu benennen, an dem du plötzlich „fortgeschritten“ bist. Du kannst entspannt rote Pisten abfahren und trotzdem noch Schwierigkeiten mit kurzen Schwüngen haben. Oder du kommst gut eine schwarze Piste hinunter, hast technisch aber noch einiges zu lernen. Und ehrlich gesagt gilt Letzteres meiner Meinung nach für fast alle SkifahrerInnen.

 

Ich würde nicht alle offiziellen Niveaus zum Beispiel österreichischer Skischulen aufzählen. Dann würde sich der Artikel von einer netten Diskussion darüber, wann man sich eigentlich als fortgeschritten betrachtet, in einen Artikel über Skikurse und Leistungsstufen verwandeln.

Skifahren in Sölden

Wann bist du also fortgeschritten?

Wenn ich es doch beschreiben soll: Für mich bist du ein fortgeschrittener Skifahrer oder eine fortgeschrittene Skifahrerin, wenn du Pisten aller Schwierigkeitsgrade parallel und kontrolliert hinunterfahren kannst. Du hast dein Tempo unter Kontrolle, kannst jederzeit anhalten und passt deine Schwünge an die Piste, den Andrang und die Bedingungen an.

 

Vielleicht nicht spektakulär. Keine Anforderungen an perfekte Carving-Schwünge, Pulverschnee bis zu den Knien oder die steilste schwarze Piste im Skigebiet.

 

Einfach Kontrolle.

 

Denn letztlich sagt das viel mehr über dein Skifahrniveau aus als die Farbe der Piste, von der du heruntergefahren bist.

Aber sollte man eigentlich fortgeschritten sein wollen?

Nein. Auf keinen Fall. Denn, der Skiurlaub muss meiner Meinung nach kein Wettbewerb werden. Mehr Kilometer bedeuten nicht automatisch einen besseren Skitag, und eine schwarze Piste zu fahren bedeutet nicht automatisch, dass du mehr Spaß hast als jemand, der den ganzen Tag auf blauen und roten Pisten unterwegs ist.

 

Wenn du gut Ski fährst, die Kontrolle hast und deinen Tag genießt, ist das letztlich das Wichtigste.

 

Schließlich bekommst du am letzten Lift keinen Orden dafür, dass du an diesem Tag drei schwarze Pisten abgehakt hast.

Miranda Winter

Über Miranda

Soweit ich mich erinnern kann, war ich immer schon in den Bergen unterwegs, denn es gibt hier so viel zu tun: Skifahren, Snowboarden, Wandern oder Mountainbiking - ich mag alle Sportarten. Meine Freunde sagen oft, dass es wohl keinen Platz in den Bergen gibt, an dem ich noch nicht war.