Skip to navigation Skip to main content

Nur 60 Skitage: Skigebiet Kranzberg vor ungewisser Zukunft

Webcam Kranzberg

Ein kleines, aber beliebtes Familienskigebiet in Bayern kämpft ums Überleben: Am Kranzberg bei Mittenwald steht der Fortbestand des Skibetriebs auf der Kippe. Die aktuelle Betreibergesellschaft sieht nach einer erneut defizitären Wintersaison offenbar keine Zukunft mehr, wenn es keine zusätzliche Unterstützung gibt. Damit hängt eines der traditionellen Wintersportangebote der Region an einem seidenen Faden.

In Kürze

  • Dem Skigebiet Kranzberg bei Mittenwald droht die Schließung.
  • Die Betreiber schreiben erneut rote Zahlen und wollen offenbar nicht mehr allein weitermachen.
  • Im vergangenen Winter liefen die Lifte nur an 60 von 90 möglichen Betriebstagen.
  • Jetzt richtet sich der Blick auf die Gemeinde Mittenwald.
  • Vor allem für Familien, Skischulen und lokale WintersportlerInnen wäre ein Aus ein herber Verlust.

Betreiber sehen keine Zukunft mehr

Bei der Jahresversammlung des örtlichen Skiclubs machte Klaus Wurmer deutlich, wie ernst die Lage ist. Die Betreiberfamilie kämpft seit Jahren um den Erhalt des Skigebiets, doch nach der vergangenen Saison scheint die Belastungsgrenze erreicht. Nach dem Rückzug eines wichtigen Unterstützers sei es nicht mehr möglich, das Gebiet allein weiterzuführen. Besonders bitter: Auch Peppi Wurmer, der das Familienskigebiet am Kranzberg 1968 mit aufgebaut hat, soll einem möglichen Ende inzwischen zugestimmt haben. Für die Betreiber wäre das Aus nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine emotionale Entscheidung. Der Kranzberg ist in Mittenwald seit Jahrzehnten eng mit dem lokalen Wintersport verbunden.

Nur 60 von 90 möglichen Betriebstagen

Der vergangene Winter brachte dem Skigebiet zu wenige Betriebstage. Nach Angaben der Betreiber konnten die Lifte nur an 60 von 90 möglichen Tagen laufen. Für ein kleines Skigebiet mit begrenztem Einzugsgebiet reicht das kaum aus, um wirtschaftlich zu arbeiten. Gerade niedriger gelegene und kleinere Skigebiete stehen seit Jahren unter Druck. Milde Winter, unsichere Schneelage, hohe Kosten und notwendige Investitionen machen den Betrieb schwieriger. Am Kranzberg kommt hinzu, dass das Gebiet stark auf Familien, AnfängerInnen und lokale Gäste ausgerichtet ist. Genau diese Rolle macht es für die Region wertvoll, wirtschaftlich aber auch verletzlich.

Gemeinde Mittenwald soll finanziell einsteigen

Die Hoffnung der Betreiber richtet sich nun auf die Gemeinde Mittenwald. Klaus Wurmer fordert nach lokalen Medienberichten, dass die Kommune aktiv wird und sich mit mehr als 50 Prozent an der Betreibergesellschaft beteiligt. Nur so könne der Betrieb langfristig gesichert werden. Damit steht Mittenwald vor einer heiklen Entscheidung: Wie viel öffentliche Unterstützung darf ein kleines Skigebiet kosten? Für BefürworterInnen ist der Kranzberg mehr als nur ein Freizeitangebot. Er ist ein Trainingsort, ein Lerngebiet für Kinder und ein Stück Wintersporttradition. KritikerInnen dürften dagegen auf die finanziellen Risiken und die unsicheren Winter verweisen.

Wichtig für Familien, Skischulen und Einheimische

Der Kranzberg ist kein großes Skigebiet mit vielen Pistenkilometern, sondern ein überschaubares Familiengebiet. Genau darin liegt seine Stärke. Kinder können hier die ersten Schwünge üben, Skischulen finden passende Bedingungen und Einheimische müssen für ein paar Stunden auf Ski nicht in größere Gebiete ausweichen. Zum Angebot gehören unter anderem Schlepplifte, Übungslifte, ein Kinderbereich mit Zauberteppich, Skischule, Skiverleih und Einkehrmöglichkeiten. Auch die Kranzberg-Sesselbahn spielt für den Berg eine Rolle. Für Mittenwald, Krün und Wallgau ist das Gebiet nicht nur touristisch, sondern auch für den lokalen Nachwuchs im Wintersport wichtig.

Kleine Skigebiete in den Alpen unter Druck

Die Entwicklung am Kranzberg passt zu einem größeren Trend in den Alpen. Vor allem kleinere und tiefer gelegene Skigebiete in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich und Italien geraten immer stärker unter Druck. Wenn mehrere schwache Winter auf hohe Betriebs- und Modernisierungskosten treffen, wird der Spielraum schnell klein. Trotzdem sind solche Gebiete für viele Regionen wichtig. Sie bieten einen niedrigschwelligen Einstieg in den Wintersport, entlasten größere Skigebiete und halten lokale Skitraditionen am Leben. Am Kranzberg ist deshalb noch nicht endgültig entschieden, wie es weitergeht. Klar ist aber: Ohne zusätzliche Unterstützung dürfte die Zukunft des Familienskigebiets schwierig werden.

3235 - Winter - Bettina

Über Bettina

Bettina ist seit 2021 Webredakteurin und fährt gerne die redaktionellen Hänge des Spalder Skiuniversums ab. Sie liebt das Freeriden und hat daher immer ein Auge auf die aktuelle Schneesituation und versorgt euch mit aktuellen (Neu-)schneeberichten. Neugierig macht sie das Verhalten von Touristen in Skigebieten und generell alle Skinews auf der ganzen Welt, die sie euch gerne frisch serviert.