Der Klimawandel ist für WintersportlerInnen längst kein abstraktes Zukunftsszenario mehr – er beeinflusst schon heute direkt das Buchungsverhalten. Eine aktuelle „Gondel-Umfrage“ von Protect Our Winters (POW) zeigt, dass sich ganze 81 % der SkifahrerInnen und SnowboarderInnen im Urlaub mit den Folgen des sich verändernden Klimas beschäftigen. Die Umfrage wurde am 28. Februar und 1. März 2026 im Skigebiet Leogang durchgeführt und gemeinsam mit der Universität Innsbruck vorbereitet. Insgesamt nahmen 536 Personen teil.
Gondel-Umfragen
Am letzten Februar-Wochenende 2026 führten freiwillige HelferInnen von POW eine groß angelegte Befragung in den Liften des österreichischen Skigebiets Leogang durch. In Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck wurden 536 WintersportlerInnen zu ihrer Sicht auf die Zukunft des Wintersports befragt. Die Ergebnisse zeigen eine klare Verschiebung bei den Prioritäten der Gäste.
Schneesicherheit ist Priorität Nummer eins
Für die große Mehrheit der Befragten, nämlich 75,5 %, ist die aktuelle Schneelage der wichtigste Faktor bei der Wahl eines Skigebiets. Weil Naturschnee immer weniger selbstverständlich wird, passen WintersportlerInnen ihr Verhalten bereits an: Mehr als die Hälfte, konkret 51,7 %, gibt an, künftig eher schneesichere Skigebiete zu buchen. 72 % nehmen den Rückgang von Naturschnee, kürzere Saisonen, schlechtere Schneequalität und veränderte Landschaften negativ wahr.
- Höher gelegene Skigebiete werden wichtiger: 51,7 % wollen künftig eher Regionen mit größerer Schneesicherheit wählen.
- Negative Wahrnehmung: 72 % empfinden den Rückgang von Naturschnee und die Veränderung der Landschaft als negativ für das Wintersporterlebnis.
- Kürzere Saisonzeiten: Gäste nennen kürzere Winter, veränderte Schneequalität und mehr technische Beschneiung als direkte Faktoren, die ihr Erlebnis beeinflussen.
Kontrast zum Saisonbeginn
Die Ergebnisse dieser Befragung zeigen ein anderes Bild als frühere Snowplaza-Erhebungen zu Beginn der Wintersaison. Damals spielte das Thema Klimawandel im konkreten Reiseverhalten offenbar noch eine kleinere Rolle. Die neuen Zahlen von POW deuten darauf hin, dass die Erfahrungen auf der Piste in diesem Winter das Problembewusstsein vieler WintersportlerInnen verstärkt haben. Dabei sollte aber beachtet werden, dass die POW-Umfrage internationaler angelegt war, als frühere Snowplaza-Befragungen, die hauptsächlich niederländischsprachige WintersportlerInnen erfassten. Außerdem war der Klimawandel damals nur ein Teilaspekt einer größeren Snowplaza-Umfrage. Die neuen POW-Zahlen sind jedoch belegt.
Windräder im Skigebiet? Für viele kein Problem
Ein auffälliges Ergebnis der POW-Befragung ist die Haltung zu Klimaschutzmaßnahmen direkt im Skigebiet. Während früher oft angenommen wurde, Windräder würden die Aussicht stören, denkt der moderne Wintersportgast heute offenbar differenzierter darüber:
- 33,3 % sehen Windräder im Skigebiet positiv.
- 49,3 % stehen ihnen neutral gegenüber.
- 17,5 % empfinden Windkraftanlagen als störend.
Das spricht dafür, dass Skigebiete, die in erneuerbare Energie investieren, mit breiter Akzeptanz bei ihren Gästen rechnen können.
Die Zukunft des Tourismus
Die Untersuchung in Leogang ist Teil des Projekts „Fokusjahre“, mit dem sich die Region Saalfelden Leogang auf eine nachhaltigere Zukunft vorbereiten will. Die Ergebnisse werden am 15. April 2026 bei der öffentlichen Veranstaltung „Tourismus im Wandel: Was bringt Klimaschutz wirklich?“ in Saalfelden vorgestellt. Für Organisationen wie POW ist klar: aktiver Klimaschutz ist nicht nur ökologisch notwendig, sondern wird zunehmend auch von den Gästen erwartet.