200 Pistenkilometer, Dutzende Lifte und jeden Tag ein anderes Skiabenteuer. Klingt herrlich, aber braucht man das wirklich, wenn man mit Kindern in den Skiurlaub fährt? Vielleicht seid ihr in einem kleinen, übersichtlichen Skigebiet, in dem sich alle ganz selbstverständlich wieder über den Weg laufen, sogar viel glücklicher. Trotzdem bietet ein solches großes Skigebiet auch klare Vorteile – vor allem, wenn die Kinder schon etwas besser Ski fahren können. Was passt am besten zu eurer Familie?
Kurz zusammengefasst
- Mit kleinen oder unerfahrenen Kindern sind eine gute Skischule, leichte Skipisten und kurze Wege oft wichtiger als viele Pistenkilometer.
- Ein kleines Skigebiet ist übersichtlich, oft etwas ruhiger und in der Regel auch günstiger.
- Ein großes Skigebiet bietet Eltern mehr Abwechslung und macht besonders viel Spaß, wenn die Kinder selbstständig mitfahren können.
Wie viele Pistenkilometer braucht man eigentlich?
Ich kann die Anziehungskraft einer großen Anzahl an Pisten und vielen Kilometern sehr gut verstehen. Auch ich schaue gerne, wie viele Pistenkilometer ein Skigebiet hat. 200 klingt nun einmal spektakulärer als 40. Aber sobald kleine Kinder dabei sind, sieht diese Rechnung plötzlich ganz anders aus.
Denn wenn der Skikurs um 9.30 Uhr beginnt und ihr ein paar Stunden später wieder beim Kinderland sein müsst, werdet ihr wahrscheinlich keine komplette Runde durch drei verschiedene Täler fahren. Dann habt ihr vielleicht viel mehr von einer guten blauen Piste, einer schönen Berghütte und vor allem von einer Skischule, die nicht am anderen Ende der Welt liegt. Mit Kindern können 40 Pistenkilometer plötzlich überraschend viel sein.
Wir haben uns mit der Familie oft bewusst für ein kleines Gebiet entschieden
Ich selbst habe keine Kinder, bin aber regelmäßig mit der ganzen Familie in den Winterurlaub gefahren. Großeltern waren dabei, mein Bruder und meine Schwester sowie mehrere Enkelkinder unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichen Skiniveaus. Und gerade bei solchen Urlauben fand ich ein kleineres Skigebiet oft wunderbar.
Jeder konnte sein eigenes Ding machen, aber im Laufe des Tages lief man sich ganz selbstverständlich wieder über den Weg. Gemeinsam im Lift fahren, zufällig dieselbe Piste nehmen oder sich ohne komplizierte Logistik zum Mittagessen verabreden. Wenn drei Generationen gemeinsam in den Wintersport fahren, stellt man schnell fest, dass es manchmal wichtiger ist, einander wiederzufinden, als die Frage, ob es 40 oder 240 Pistenkilometer gibt.
Klein bedeutet nicht automatisch zu klein
Das ist vielleicht das größte Missverständnis. Ein Skigebiet mit 40 oder 50 Pistenkilometern klingt auf dem Papier vielleicht begrenzt, aber wie viele verschiedene Pisten fährt man an einem durchschnittlichen Tag tatsächlich?
Außerdem haben Kinder oft eine ganz andere Einstellung zu Wiederholungen als Erwachsene. Wir denken nach drei Abfahrten: Sollen wir uns mal woanders umsehen? Ein Kind denkt: Die Piste mit dem schönen Waldweg noch einmal! Und ehrlich gesagt habe ich selbst damit auch kein großes Problem. Wenn eine Piste schön ist, kann ich sie ruhig ein paar Mal fahren.
Deshalb ist es gut möglich, dass ein kleines Skigebiet für eine ganze Woche völlig ausreicht, solange ihr nicht unbedingt jeden Tag neue Kilometer sammeln möchtet.
Ein großer Vorteil: Man verliert sich weniger schnell
In einem übersichtlichen Skigebiet wisst ihr meistens schon nach einem Tag genau, wie alles aufgebaut ist. Wo das Kinderland liegt, welcher Lift zurück ins Dorf führt und an welcher Hütte man sich am besten verabredet.
Das ist vor allem angenehm, wenn die Kinder unterschiedliche Niveaus haben. Das jüngste Kind bleibt vielleicht in der Nähe des Übungshangs, während ein älteres Kind mit dem Großvater oder der Großmutter ein paar blaue Pisten weiter fährt. Trotzdem sind alle relativ nah beieinander.
In einem riesigen Skigebiet kann „Wir treffen uns um zwölf Uhr an der Hütte“ plötzlich etwas mehr Vorbereitung und Kommunikation erfordern. Besonders dann, wenn jemand begeistert einen Lift zu weit gefahren ist.
Oft etwas freundlicher für den Geldbeutel
Auch finanziell kann ein kleines Gebiet interessant sein. Skipässe in kleineren Skigebieten sind häufig günstiger, und manchmal gilt dasselbe für Unterkunft, Skikurs und Essen. Ich hatte ohnehin oft schon „Mitleid“ mit meinem Vater, wenn der Winterurlaub begann und er an der Kasse für all die Skipässe, den Skiverleih und die Skikurse seine Geldbörse zücken musste.
Klein ist nicht automatisch günstiger. Es gibt teure kleine Skigebiete und erschwingliche große Gebiete. Aber gerade, wenn man mit der ganzen Familie während der Schulferien reist, können ein paar Euro Unterschied pro Person und Tag durchaus ins Gewicht fallen.
Zudem ist es gut möglich, dass es in kleineren Skigebiete etwas ruhiger zugeht. Und weniger Warteschlangen an den Liften, weniger Hektik an der Skischule und etwas mehr Platz auf der Piste sind mit kleinen Kindern keineswegs schlecht.
Wann ist ein großes Skigebiet besonders schön?
Große Skigebiete haben natürlich nicht ohne Grund so viele Fans. Sobald die Niveaus innerhalb einer Familie auseinandergehen, kann die große Auswahl geradezu ideal sein.
Während die Kinder morgens im Skikurs sind, verbringen die Eltern selbst eine schöne Zeit auf der Piste. Und sobald die Kinder gut genug Ski fahren, um selbstständig blaue und später rote Pisten hinunterzufahren, wird ein großes Skigebiet plötzlich zu einem riesigen Spielplatz. Dann könnt ihr wirklich gemeinsam unterwegs sein.
Heute geht es ins nächste Dorf, morgen auf die andere Seite des Skigebiets, und unterwegs entscheidet ihr, wo ihr zu Mittag essen möchtet. Für Erwachsene ist das ein schöner Skitag, für Kinder schnell ein komplettes Abenteuer.
Ein großes Skigebiet wächst mit eurer Familie mit
Das finde ich vielleicht das stärkste Argument für ein großes Skigebiet. Ein Familiengebiet mit vielen Pisten kann über Jahre hinweg interessant bleiben. In den ersten Winterurlauben dreht sich vielleicht alles um das Kinderland. Ein paar Winter später fahrt ihr gemeinsam eure ersten Abfahrten. Und wieder etwas später müsst ihr euch anstrengen, um mit den Kindern überhaupt noch Schritt zu halten.
Zudem haben viele große Skigebiete kräftig in Familienangebote investiert. Kinderländer, Themenpisten, Funslopes, Übungslifte, Kinderrestaurants: Groß bedeutet keineswegs, dass Kinder irgendwo zu kurz kommen.
Aber 250 Pistenkilometer muss man auch wirklich nutzen wollen
Da liegt für mich der wichtigste Punkt. Wenn du als Elternteil es herrlich findest, jeden Tag neue Pisten zu entdecken und viele Kilometer zu fahren, kann ein kleines Gebiet nach ein paar Tagen zu klein erscheinen. Wenn das so ist, würde ich nicht unbedingt ein kleines Gebiet wählen, weil jemand entschieden hat, dass es „praktischer mit Kindern“ sei.
Die Frage lautet also vielleicht nicht, wie viele Pistenkilometer eure Kinder brauchen, sondern wie viele du selbst brauchst.
Bei unseren Familien-Skiurlauben sind wir manchmal einfach für einen Tag mit den Erwachsenen in ein größeres Gebiet in der Nähe gefahren. Den Rest der Woche fand ich persönlich ein kleineres Gebiet völlig in Ordnung.
Fünf kleinere Skigebiete, die ich selbst gut finde
Wenn ich an übersichtliche Gebiete denke, in denen ich gerne Ski fahre und die auch gut zu einem Familienurlaub passen, fallen mir diese sofort ein:
- Hochzeiger im Pitztal: kompakt, übersichtlich und trotzdem abwechslungsreich genug für einen schönen Skitag.
- Galtür im Paznaun: deutlich ruhiger als das nahe gelegene Ischgl und angenehm überschaubar.
- Hochoetz im Ötztal: familienfreundlich und nicht so riesig, dass man vor der Abfahrt erst eine Pistenkarte studieren muss.
- St. Johann in Tirol: gemütlich, übersichtlich und mit genügend Möglichkeiten für verschiedene Niveaus.
- Almenwelt Lofer: ein klassisches Beispiel für ein Familienskigebiet, in dem man keine Hunderte von Pistenkilometern braucht, um Spaß zu haben.
Das sind natürlich nicht automatisch die fünf besten Gebiete für jede Familie. Es sind vor allem Beispiele für Reiseziele, bei denen die kompakte Größe ein Pluspunkt sein kann.
Und fünf große Skigebiete, die sehr gut für Kinder geeignet sind
Wenn ihr euch gerade viel Auswahl wünscht, gibt es genügend große Gebiete, die hervorragend zu einem Familienskiurlaub passen. Das sind einige meiner Favoriten:
- Serfaus-Fiss-Ladis: äußerst umfassend auf Kinder ausgerichtet, mit großen Kinderländern und unglaublich vielen Familienangeboten.
- SkiWelt Wilder Kaiser-Brixental: groß, aber durch die verschiedenen Dörfer und Kinderländer trotzdem überraschend gemütlich.
- Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn: unglaublich viele Möglichkeiten, gemeinsam Touren zu fahren, und genügend Auswahl für unterschiedliche Niveaus.
- Zillertal Arena: ideal, wenn ihr als Familie gerne von Dorf zu Dorf fahren möchtet.
- Ski Arlberg: sehr viel Gelände und Abwechslung, besonders interessant, wenn die Kinder schon etwas besser Ski fahren.
Bei solchen Gebieten wird die Wahl des Dorfes und der Unterkunft allerdings besonders wichtig. Das eine Dorf kann ideal für kleine Kinder sein, während ihr von einem anderen Dorf aus jeden Morgen zunächst mit Bus, Gondel und dem halben Hausrat los müsst.
Darauf würde ich mit kleinen Kindern besonders achten
Egal, ob ein Gebiet 40 oder 240 Pistenkilometer hat – einige Dinge sind meiner Meinung nach viel wichtiger. Ein gutes Kinderland und eine angenehme Skischule stehen ganz oben. Danach kommen leichte blaue Pisten, die Entfernung zwischen Unterkunft und Lift, ein praktischer Ort zum gemeinsamen Mittagessen und gegebenenfalls eine Betreuung für einen jüngeren Bruder oder eine jüngere Schwester.
Ebenfalls schön ist es, etwas unternehmen zu können, wenn Skifahren an diesem Nachmittag einmal nicht die Lieblingsidee der Familie ist. Ein Schwimmbad, eine Rodelbahn oder einfach ein guter Platz zum Spielen im Schnee kann dann plötzlich Gold wert sein.
Achtet besonders auf die Lage eurer Unterkunft
Darauf würde ich mit kleinen Kindern vielleicht sogar noch genauer schauen als auf das Skigebiet selbst. Ein schönes Apartment drei Kilometer von der Piste entfernt klingt bei der Buchung prima. Bis ihr morgens mit Skischuhen, zwei Paar Kinderskiern, Helmen, Handschuhen und einem Kind, das seinen linken Handschuh verloren hat, in den Skibus steigen müsst.
Dann fühlt sich ein etwas einfacheres Apartment 100 Meter vom Kinderland plötzlich ziemlich luxuriös an.
Mein wichtigster Rat wäre deshalb: Zählt nicht nur die Pistenkilometer, sondern auch die Meter zwischen eurer Unterkunft, dem Skilift und der Skischule. Diese Strecke werdet ihr während einer Skiurlaubswoche wahrscheinlich deutlich häufiger zurücklegen.
Groß oder klein: Es gibt keinen Gewinner
Würde ich mit vier- und sechsjährigen Kindern automatisch ein kleines Skigebiet wählen? Nein. Dafür hängt es zu sehr davon ab, was euch als Familie wichtig ist. Stört es euch nicht, eine Lieblingspiste mehrmals zu fahren, mögt ihr Übersichtlichkeit und möchtet ihr einander leicht wiederfinden können? Dann kann ein kleines Familienskigebiet wunderbar sein.
Möchtet ihr als Eltern selbst viele Kilometer fahren, sind ältere oder erfahrenere Kinder dabei und findet ihr es schön, jeden Tag neue Pisten zu entdecken? Dann entscheidet euch besser für ein großes Skigebiet.
Mit Kindern braucht ihr letztendlich nicht das größte Skigebiet. Ihr braucht ein Skigebiet, das zu eurer Art passt, Skiurlaub zu machen. Und manchmal stellt sich dann heraus, dass 40 Kilometer plötzlich genau richtig sind.