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Experten zur Zukunft des Wintersports: „Es wird anders, aber wir sind nicht zu spät“

Schneekanonen im Einsatz

Weniger Schnee in tieferen Lagen, Skigebiete, die ihre Lifte versetzen, und WintersportlerInnen, die zweifeln, ob sie überhaupt noch fahren. Auf der ISPO in Amsterdam diskutierten ExpertInnen heute über die Zukunft des Wintersports. Ihr Fazit: Der Winter verändert sich, aber es ist nicht zu spät, das zu bremsen. Und auch als WintersportlerIn hast du darauf Einfluss.

Kurz zusammengefasst

  • Bei 4 Grad Erderwärmung fällt auf 2.000 Metern 60 bis 80 % weniger Schnee, bei 1,5 Grad sind es 10 bis 20 %.
  • Tiefer gelegene Skigebiete spüren die Folgen schon jetzt.
  • Das französische Grand Massif (unter anderem mit Flaine) versetzt Lifte und will außerhalb der Skisaison länger öffnen.
  • Zwei Drittel des CO2-Ausstoßes deines Skiurlaubs entfallen auf die Anreise.
  • Laut den ExpertInnen ist es nicht zu spät dagegenzusteuern, es muss aber schnell gehandelt werden.

Die Höhenlage wird immer wichtiger

Auf der ISPO, der großen Sportfachmesse, die in diesem Jahr erstmals in der Amsterdamer RAI stattfindet, fand eine Podiumsdiskussion über die Zukunft des Wintersports statt. Ben Aidan von Protect Our Winters (POW) Europe skizzierte zwei Szenarien. Erwärmt sich die Erde um 1,5 Grad, fällt auf 2.000 Metern 10 bis 20 % weniger Schnee. Bei 4 Grad Erwärmung sind es 60 bis 80 % weniger.

Tiefer gelegene Skigebiete spüren die Veränderung schon

„In Skigebieten um 500 bis 1.000 Meter sind die Folgen heute schon sichtbar“, sagte Aidan. „Das sehen wir alle.“ Wer Schneesicherheit sucht, sollte also immer stärker auf die Höhenlage eines Skigebiets achten.

Flaine und das Grand Massif bereiten sich vor

Laut Aidan machen 95 % der Skigebiete noch weiter wie bisher. Eine kleine, aber wachsende Gruppe hat andere Pläne für die Zukunft. Als Beispiel nannte er das Skigebiet Grand Massif in Frankreich, zu dem unter anderem Flaine, Samoëns und Les Carroz gehören. Das Skigebiet weiß auf 100 Meter genau, wo in den kommenden Jahren noch Schnee liegt.

Ein Plan bis 2035

Auf dieser Grundlage hat es einen Plan bis 2035 aufgestellt. Lifte verschwinden oder ziehen an Stellen mit besseren Schneebedingungen, der Sammelplatz der Skischule wird verlegt und das Gebiet will zehn statt neun Monate im Jahr öffnen. Französischen Medien zufolge sinkt die Zahl der Lifte dabei von 51 auf 41. Für WintersportlerInnen heißt das: Die Pisten bleiben, aber das Skigebiet verändert sich.

Hitzige Diskussionen

Vor Ort sorgte das für heftige Diskussionen. Eine Familie, die seit sechzig Jahren ein Restaurant an der Piste betreibt, erfuhr, dass der Lift zu ihrem Lokal in zehn Jahren verschwindet. „Nach zwei Stunden Geschrei sagte der Besitzer: Danke, jetzt habe ich wenigstens zehn Jahre, um mich vorzubereiten“, erzählte Aidan.

Die Anreise macht den größten Unterschied

POW zeigte auch, woher der CO2-Ausstoß einer Woche Skiurlaub kommt. Zwei Drittel entfallen auf die Anreise in die Berge, rund 12 % auf die Ausrüstung und nur 2 % auf die Skilifte und Gondeln. Das Verkehrsmittel macht dabei einen großen Unterschied. Mit Bahn und Bus ist der Ausstoß siebzehnmal geringer als mit dem Flugzeug. Allein im Auto ist die ungünstigste Wahl. Zu viert im Auto spart man bereits mehr als zwei Drittel des CO2-Ausstoßes.

Die Branche als Teil der Lösung

„Wenn die Branche das Problem ist, ist sie auch ein großer Teil der Lösung“, sagte Aidan. Das gilt seiner Meinung nach für Skigebiete und Marken, aber auch dafür, wie wir in den Skiurlaub fahren.

WintersportlerInnen zögern

Nick Sargent vom US-Branchenverband SIA hat erlebt, wie amerikanische WintersportlerInnen auf einen schneearmen Winter reagierten. Mehr als jeder Zehnte verzichtete auf einen geplanten Skiurlaub, und fast ein Viertel rechnet damit, wegen des veränderten Wetters seltener zu fahren. „Die Leute schauen in ihren Geldbeutel. Fahre ich, oder buche ich überhaupt einen Strandurlaub?“

Flexibilität zahlt sich aus

Gleichzeitig will ein Viertel sogar öfter an Orte mit besseren Bedingungen reisen. Wer bei Ziel und Reisezeit flexibel ist, hat die besten Chancen auf guten Schnee.

Schnee aus Wolken

Garrett Schabb vom US-Unternehmen Rainmaker sprach über Cloud Seeding. Dabei fliegen Drohnen in eine Wolke und bringen winzige Partikel ein, wodurch die Wolke Schnee abgibt. Die Technik gibt es seit 1946. Rainmaker ist vor allem im US-Bundesstaat Utah aktiv. Wie viel zusätzlichen Schnee das wirklich bringt, ist in der Wissenschaft noch umstritten. Schabb betonte selbst, dass es kein Wundermittel sei.

Zu spät? Nein

Auf die Frage, ob es schon zu spät ist, war Aidan deutlich. „Nein. Der Winter wird anders, aber wir können das absolut bremsen. Wir müssen nur verhindern, dass wir im schlimmsten Szenario landen.“ Wintersport müsse aber bezahlbar bleiben, um weiterhin für Nachwuchs zu sorgen. Auch in den USA fahren jüngere Generationen bereits weniger Ski, beobachtet Sargent.

Über die ISPO

Die ISPO ist eine der größten Fachmessen der Sport- und Outdoorbranche weltweit. Nach über fünfzig Jahren in München findet die Messe in diesem Jahr erstmals in der RAI in Amsterdam statt, vom 3. bis 5. November 2026. HerstellerInnen, HändlerInnen, Skigebiete und Organisationen aus der gesamten Wintersportwelt zeigen dort ihre Neuheiten und diskutieren über die Trends der kommenden Saisons.

Mike Snowplaza

Über Mike

Lernen Sie Mike kennen, Chefredakteur und Miteigentümer von Snowplaza. Als erfahrener Wintersportexperte und Ex-Skilehrer teilt er sein einzigartiges Wissen über Skigebiete und Technik.