„Zauberteppich“ muss man in den Alpen niemandem erklären: Wer in den vergangenen Jahrzehnten Skifahren gelernt hat, ist über ihn den Übungshang hinaufgefahren. Weit weniger bekannt ist, dass es ihn erst seit dreißig Jahren gibt. Vor 1996 wurden Kinder den Hang hinaufgeschleppt. Dann tüftelte eine Arbeitsgruppe österreichischer Skischulen an einem Band, das man einfach in den Schnee legen kann. Das ist die Geschichte hinter dieser Erfindung.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Moving Carpet, das Förderband, auf dem halb Europa das Skifahren gelernt hat, wird in diesem Jahr dreißig Jahre alt.
- Die Erfindung entstand 1996 aus einer Arbeitsgruppe österreichischer Skischulen; der erste Test fand auf dem Kaunertaler Gletscher statt.
- Sunkid wurde zum Weltmarktführer, mit Projekten vom Jungfraujoch bis zu den Olympischen Spielen in Tokio.
Anderthalb Minuten Skifahren in vier Stunden Unterricht
Die Geschichte beginnt Mitte der neunziger Jahre, in der Welt der österreichischen Skischulen. Kleine Kinder, die zum ersten Mal auf den Brettern standen, mussten nach jeder Abfahrt von ein paar Metern wieder nach oben gebracht werden, oft buchstäblich vom Skilehrer den Hang hinaufgeschleppt. Das Ergebnis war ebenso anstrengend wie ineffizient. „Diese Kinder hatten vier Stunden Unterricht und sind am Ende nur anderthalb Minuten Ski gefahren. Das war wirklich ein Drama“, erzählt Samantha Brouwer, die in der Marketingabteilung von Sunkid arbeitet.
Arbeitsgruppe gegründet
1996 beschlossen führende österreichische Skischulen, gemeinsam etwas dagegen zu unternehmen. Sie bildeten eine Arbeitsgruppe und holten Dieter Zimmermann dazu, einen Ingenieur mit einem Hintergrund in der Luft- und Raumfahrt und im Maschinenbau bei großen deutschen Unternehmen. Auf Basis eines umfangreichen Anforderungskatalogs entstand der erste Prototyp. Die Kunst bestand darin, ein Band zu entwickeln, das ganz ohne Fundament direkt in den Schnee gelegt werden konnte und das auch bei Kälte und Nässe zuverlässig lief.
Vom Gletschertest zum Weltmarktführer
Der erste Prototyp trug den Namen KID 900 und wurde am 25. September 1996 unter extremen Wetterbedingungen auf dem Kaunertaler Gletscher getestet. Der Test gelang und das Design wurde weiter verfeinert. Damit bekam der Bergtransport eine dritte Säule, neben der Seilbahn und dem Schlepplift. Was als lokale Erfindung begann, wuchs in dreißig Jahren zu einem weltweiten Standard heran.
Der Erfolg stellte sich sofort ein. Wurden im ersten Winter (1996/97) noch vierzehn Bänder installiert, waren es ein Jahr später bereits mehr als siebzig – bis in die USA, nach Japan, Neuseeland und Australien. 1999 bündelten zwei Parteien, die Konkurrenten hätten sein können, gerade ihre Kräfte: das Liftunternehmen von Max Bruckschlögl, mit langjähriger Erfahrung in Schleppliften und Seilen, und das junge Sunkid von Dieter Zimmermann, mit einem internationalen Vertriebsnetz. Aus dieser Fusion wuchs das Unternehmen, wie wir es heute kennen.
Heute ist Sunkid Marktführer bei Outdoor-Personenförderbändern. Die Gruppe zählt acht Tochterunternehmen, drei Produktionsstandorte und über 150 Mitarbeiter, mit dem Hauptsitz im Tiroler Imst und der Produktion unter anderem im österreichischen Bad Goisern. Auf dem Zähler stehen mehr als 9.500 Projekte in mehr als achtzig Ländern, und Anfang 2024 lief der 4.000. Moving Carpet vom Band. 2013 übergab Gründer Bruckschlögl den Staffelstab an Herbert Zopf und Emanuel Wohlfarter, die das Unternehmen seitdem gemeinsam leiten.
Von der Klimakammer bis zur Olympiastrecke
Dass ein Teppichlift jahrelang bei Wind und Wetter funktionieren muss, erklärt, warum Sunkid ein eigenes Testlabor hat. In einer Klimakammer werden Bänder bis -20 °C getestet, während sie in der Praxis sowohl extrem kalte Wintertemperaturen als auch sehr heiße Sommertemperaturen aushalten müssen, dazu Windböen von über 260 km/h und bis zu 6.000 Passagiere pro Stunde.
Diese Zuverlässigkeit macht besondere Projekte möglich. Der längste und schnellste Teppichlift (400 Meter) liegt in der Indoor-Skihalle von Bottrop; der höchste läuft auf rund 3.500 Metern auf dem Jungfraujoch. Und die Technik reicht inzwischen weiter als bis zur Piste: Bei den Olympischen Spielen in Tokio lag ein Sunkid-Band für Kanus im Wildwasserparcours, und beim Riesenrad Ain Dubai bringt ein Sunkid-Förderband die Besucher zu den Gondeln. Die Bänder liegen nicht nur in nahezu jedem Anfängergelände in den Alpen, sondern auch in Indoor-Skihallen und heute sogar in Bikeparks, auf Tubingbahnen und in Wasserparks. Die aktuelle Bandgeneration, der Type N, wird seit der Wintersaison 2021/22 ausgeliefert und digital über ein Touchscreen-System bedient und gewartet.
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Mehr als nur ein Lift
Interessant ist, dass sich Sunkid in diesen dreißig Jahren längst nicht mehr auf das Band beschränkt. Das Unternehmen baut auch Seillifte für die Übungswiese, liefert die Spielfiguren und Funslope-Elemente im Kinderland (unter dem Namen „Sunny Stuff“), liefert individuelle Holzspielplätze für den Sommer und produziert über das Schwesterunternehmen Sunkid Heege komplette Attraktionen für Freizeit- und Abenteuerparks.
Kunden von Sunkid sind vor allem Skigebiete und Betreiber, also Business-to-Business. „Wenn man sagt, dass man bei Sunkid arbeitet, heißt es ‚äh, was?‘“, erzählt Brouwer. „Dann zeigt man das Logo, und dann haben uns die Leute doch alle schon einmal gesehen.“
Genau das ist vielleicht das Schönste an dieser Erfindung: Dreißig Jahre lang hat sie Millionen Menschen ihre ersten Skimeter beschert, und viele Nutzer erinnern sich unbewusst doch an dieses Logo mit der kleinen Sonne.
Zeitleiste: 30 Jahre Sunkid
- 1996: Gründung & „Sunrise“: Einführung des ersten Personenförderbands, das ohne Fundament direkt in den Schnee gelegt werden kann.
- 1999: Sicherheit & Fusion: Als erster Hersteller entwickelt Sunkid eine Lichtschranke, die Gefahren automatisch erkennt und das Förderband am Einstieg sofort abschaltet; außerdem die Fusion der Unternehmen von Max Bruckschlögl und Dieter Zimmermann.
- 2000: Internationale Expansion: Gründung von Tochterunternehmen in den USA (Star Lifts) und in der Schweiz (Borer Lift AG).
- 2001: Blue Eye: Entwicklung der Blue-Eye-Bandoberfläche für optimalen Grip unter schweren Bedingungen.
- 2002: Überdachung: Einführung der ersten witterungsbeständigen Galerieüberdachung für Förderbänder (Sunkid-Galerie).
- 2003: Extra breit: Einführung des ersten Förderbands mit einer Breite von 1.200 mm.
- 2004: Intelligente Steuerung: Sunkid liefert als erster Hersteller eine Funk-Fernbedienung, eine automatische Zutrittsregelung und ein Fehlerdiagnose-System.
- 2005: Seitenausstieg & Sommerlagerung: Einführung des patentierten Radius-Seitenausstiegs und der ersten speziellen Schutzabdeckungen für die Sommerlagerung („Type G“).
- 2006: SMS-Steuerung: erstes System, das Kommunikation und Bedienung von Anlagen per SMS ermöglicht.
- 2007: Erhöhte Bahn („I believe I can fly“): erstes Förderband, das 8 Meter über dem Boden auf einem eigenen Stützensystem steht (132 m lang).
- 2008: Weltrekord Länge & Geschwindigkeit: Bau des weltweit längsten Förderbands (>400 Meter) mit einer Rekordgeschwindigkeit von bis zu 1,2 m/s.
- 2009: Verschleißschichten & Übernahmen: Einführung austauschbarer Kunststoff-Verschleißschichten für den Sommerbetrieb (Super Slide). Außerdem wird die Sunkid Heege GmbH übernommen (Einstieg in den Freizeitparkmarkt) und Sunkid France gegründet.
- 2010: Designgalerien & Kooperation: erste Überdachungen in unterschiedlichen Materialien und Designs (etwa Holz und Polycarbonat); Start der Zusammenarbeit mit Almholz.
- 2011: EVOLUS: Einführung des neuen Überdachungssystems EVOLUS.
- 2012: Nachhaltigkeit & Holz: weltweit erste Förderbandüberdachung mit integrierten Photovoltaik-Modulen und der Bau der weltweit längsten Holzgalerie (195 m).
- 2014: Snow Domes: Installation spezieller Förderbänder mit automatischer Enteisungs- und Schneereinigungsfunktion in Indoor-Schneehallen (unter anderem in Dubai und im Vereinigten Königreich).
- 2017: Motorisierter Handlauf: weltweit erstes Förderband mit angetriebenem Handlauf.
- 2018: Märchenexpress: erstes vollständig thematisiertes Förderband (Serfaus-Fiss-Ladis).
- 2019: CopenHill: Installation von Zauberteppichen auf dem Dach einer Müllverbrennungsanlage in Kopenhagen.
- 2021: Jubiläum & Les Angles: Der Zauberteppich wird 25 Jahre alt, und in den Pyrenäen entsteht ein spektakulärer Mountain Coaster (rund 2 km).
- 2022: Type N & Qualitätsnorm: Einführung einer komplett neuen Zauberteppich-Generation (Type N) und die Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001:2015.
- 2024: Meilenstein & weltweit: Übergabe des 4.000. Zauberteppichs (Hochzillertal) und Ausweitung des Absatzmarkts auf mehr als 80 Länder (Armenien).
- 2026: 30 Jahre Sunkid: Sunkid feiert sein 30-jähriges Jubiläum als der Spezialist für hybride Winter- und Sommerkonzepte jenseits des klassischen Schneesports.