Manche Pisten fährt man einmal und hat sie danach schon wieder vergessen. Andere stehen noch Jahre später auf der Liste der Abfahrten, die man unbedingt noch einmal machen möchte. La Longia in Gröden gehört für mich zur zweiten Kategorie. Schon der Name verrät ein bisschen, warum: Diese Abfahrt von Seceda nach St. Ulrich ist mehr als 10 Kilometer lang. Aber vor allem der Ausblick oben, die enorme Abwechslung unterwegs und der besondere Abschnitt durch die Schlucht sorgen dafür, dass wir La Longia beim Skifahren in Gröden eigentlich nie auslassen.
Kurz zusammengefasst
- La Longia ist mehr als 10 Kilometer lang und führt von Seceda bis hinunter nach St. Ulrich.
- Unterwegs überwindest du mehr als 1.200 Höhenmeter, und die Landschaft verändert sich ständig.
- Einer der schönsten Abschnitte führt durch eine schmale Schlucht an einem gefrorenen Wasserfall vorbei.
- Entlang der Strecke gibt es mehrere Berghütten für eine Pause.
- Noch eine Runde? Zurück nach Seceda geht es mit zwei Liften – das kostet etwas Zeit.
Erst einmal den Ausblick genießen
Bevor La Longia beginnt, würde ich nicht sofort losfahren. Von Seceda aus stehst du an einem dieser Orte in den Dolomiten, an denen man automatisch einen Moment verweilen möchte. Die zerklüfteten Gipfel der Geislergruppe liegen vor dir, und bei klarer Sicht ist die Aussicht einfach überwältigend.
Und das sagt jemand, der morgens normalerweise am liebsten so schnell wie möglich die ersten frischen Spuren auf der Piste hinterlassen möchte.
Von dort aus wartet eine mehr als 10 Kilometer lange Abfahrt hinunter nach St. Ulrich. Dabei überwindest du mehr als 1.200 Höhenmeter und unterwegs merkt man das vor allem daran, wie oft sich die Landschaft verändert.
Warum La Longia so viel Spaß macht
Schon allein die Länge würde La Longia zu etwas Besonderem machen, aber für mich liegt der Reiz vor allem in der Abwechslung. Oben fährst du noch durch eine offene, hochalpine Landschaft, inmitten der Dolomiten. Weiter unten am Berg verändert sich die Umgebung immer wieder, bis du schließlich in den Wald eintauchst.
Auch die Piste selbst bleibt nicht zehn Kilometer lang gleich. Breite Abschnitte wechseln sich mit schmaleren Passagen und Kurven ab. Einen Moment kannst du genüsslich lange Schwünge ziehen, kurz darauf verlangt die Abfahrt wieder etwas mehr Aufmerksamkeit.
Dadurch fühlt sich La Longia nicht wie eine einzige endlos lange Piste an, sondern viel eher wie eine abwechslungsreiche Reise bergab.
Und zehn Kilometer sind so lang, dass man unterwegs einmal denkt: Sind wir denn immer noch nicht unten?
Zum Glück nicht.
Der schönste Abschnitt? Die Schlucht
Von allen Abschnitten der La Longia ist mir dieser am deutlichsten in Erinnerung geblieben. Die weite, offene Dolomitenlandschaft vom oberen Teil weicht an dieser Stelle einem viel schmaleren Abschnitt zwischen steilen Felswänden. Man fährt quasi in eine Schlucht hinein und kommt dabei auch an einem gefrorenen Wasserfall vorbei.
Ich finde diesen Abschnitt so wunderschön. Komischerweise habe ich kaum Fotos davon. Für jemanden, der beruflich ziemlich viele Fotos und Videos auf der Piste macht, sagt das vielleicht schon alles: Auf der La Longia vergesse ich offenbar regelmäßig, dass ich das Handy auch noch aus der Jackentasche holen könnte.
Gerade der Kontrast macht diesen Pistenabschnitt so besonders. Ein paar Kilometer zuvor standest du noch auf der Seceda und hast das riesige Panorama bewundert und jetzt fährst du plötzlich zwischen den engen Felsen hindurch. Auch die Piste wird dort schmaler. Nicht gerade der beste Moment also, um nur auf die Umgebung zu achten, so verlockend das auch ist.
Für wen ist La Longia geeignet?
La Longia ist eine rote Abfahrt und meiner Meinung nach vor allem für WintersportlerInnen geeignet, die sich auf roten Pisten wohlfühlen. Es ist jedoch keineswegs eine Abfahrt, auf der man sich mehr als 10 Kilometer lang mit zusammengekniffenem Hintern nach unten kämpfen muss. Große Teile fahren sich richtig schön.
Dazwischen gibt es allerdings schmalere und etwas steilere Passagen. Außerdem kann die Länge eine Rolle spielen. Mehr als 1.200 Höhenmeter spürt man irgendwann schon in den Beinen, besonders, wenn man vorher bereits einige Kilometer zurückgelegt hat.
Für echte AnfängerInnen würde ich La Longia deshalb nicht unbedingt empfehlen. Wenn du schon etwas mehr Pistenerfahrung hast, ist sie eine herrliche Abfahrt, für die man sich ruhig Zeit nehmen sollte.
Wann fährt man La Longia am besten?
Ich fahre La Longia meistens irgendwann am späten Vormittag. Trotzdem gilt für mich: Je früher, desto besser. Auf einer leeren Skipiste lassen die Länge und die Landschaft besser genießen, und morgens ist die Piste in der Regel noch in bestem Zustand.
Später am Tag kann es besonders auf den schmaleren Abschnitten voller werden, und die Piste ist dann oft schon stärker befahren. Wenn du früh losfährst, hast du außerdem alle Zeit der Welt, unterwegs eine Pause einzulegen.
Natürlich ist es möglich, La Longia einfach am Stück hinunterzurasen. Aber eigentlich wäre das ein bisschen schade.
Zeit für eine Pause
Entlang der Abfahrt gibt es mehrere Berghütten und das passt meiner Meinung nach perfekt zur La Longia. Ich habe hier keinen festen Lieblingsort, an dem ich unbedingt jedes Mal anhalten muss. Gerade die Kombination aus Skifahren, die Aussicht genießen und unterwegs irgendwo für einen Kaffee oder ein Mittagessen einzukehren, macht die Abfahrt so besonders.
Normalerweise bin ich eher dafür, einfach weiterzufahren. Vor allem morgens: früh in den Lift, frische Spuren und Höhenmeter sammeln. Auf der La Longia klappt das nicht ganz so gut. Erst der Ausblick oben, dann die Schlucht und danach kommt man auch noch an einer gemütlichen Berghütte vorbei…
Ehe man sich versieht, ist man auf einer einzigen Abfahrt ziemlich lange unterwegs.
Der einzige Nachteil: Der Rückweg nach oben kostet Zeit
Unten in St. Ulrich gibt es meiner Meinung nach ein Problem: La Longia macht so viel Spaß, dass man am liebsten gleich noch einmal fahren möchte, aber leider ist man nicht in wenigen wieder oben.
Um zum Startpinkt der Abfahrt zurückzukehren, nimmst du von St. Ulrich aus zuerst die Gondel nach Furnes. Dort steigst du in die Seilbahn nach Seceda um. Du brauchst also zwei Lifte, um die mehr als 1.200 Höhenmeter, die du gerade abgefahren bist, wieder hinaufzufahren. Und besonders an der zweiten Bahn kann es schon einmal passieren, dass du kurz warten musst.
Vor allem die Seilbahn sorgt dafür, dass eine weitere Runde mehr Zeit kostet als auf einer Piste mit einem schnellen Sessellift daneben. La Longia dreimal hintereinander zu fahren, ist daher nicht unbedingt die beste Option.
Andererseits wird die Abfahrt gerade dadurch zu einem kleinen Etappenziel innerhalb deines Skitags. Du fährst hinauf nach Seceda, hinunter bis nach St. Ulrich und ziehst danach weiter durch Gröden.
Warum wir La Longia nie auslassen
In den Dolomiten gibt es schwierigere Pisten. Auch steilere. Und Abfahrten, die einen sportlich stärker herausfordern. Trotzdem steht La Longia bei mir fast jedes Mal auf dem Programm, wenn ich in Gröden Ski fahre.
Es ist das Gesamtpaket: der Ausblick oben auf der Seceda, mehr als 10 Kilometer Abfahrt, die sich unterwegs ständig verändernde Landschaft, die Schlucht mit dem gefrorenen Wasserfall und die Möglichkeit, zwischendurch in einer Berghütte einzukehren.
Unten hat man wirklich das Gefühl, irgendwo hingefahren zu sein.
Und meistens denke ich in St. Ulrich trotzdem wieder dasselbe: Schade, dass der Weg zurück nach oben so lange dauert.
Denn eigentlich möchte ich einfach noch einmal fahren.