Es ist sechs Uhr morgens, als der erste Lastwagen den Berg hinauffährt zum MooserWirt in St. Anton am Arlberg. „Unsere Lieferanten liefern nach einem genauen Zeitplan sechs Tage die Woche ab 6 Uhr morgens“, erzählt Eugen Scalet, Eigentümer der Bar. Die Paletten verschwinden in einem riesigen Aufzugsschacht, „fast 20 Meter nach unten“ in die Lagerräume unter der Skipiste. So beginnt jeder Tag in einer der bekanntesten Après-Ski-Bars der Alpen.
Seit 1989…
Hinter dem Erfolg steckt eine Geschichte von Durchhaltevermögen. „Wir waren eine Bauernfamilie und sehr arm. Das Landleben brachte damals zu wenig ein, um davon leben zu können, aber zu viel, um daran zu sterben. Als mein Vater starb, wussten wir, dass die Landwirtschaft für uns keine Zukunft mehr hatte – also haben wir in unserer Verzweiflung unseren Stall und die Scheune in ‚etwas an der Piste‘ umgebaut.“
Das war 1989. Ein Wendepunkt? Den hat es nie gegeben, stellt der Besitzer resolut fest. „Wir haben 1989 ganz klein begonnen und versucht seitdem jedes Jahr, alle Fehler der Vorsaison nicht mehr zu machen und ein bisschen besser zu werden als im Jahr zuvor. Das ist ein fortlaufender Prozess bis zum heutigen Tag, der auch niemals enden wird.“
Die unsichtbare Maschine
Von außen wirkt die MooserWirt wie eine authentische Berghütte. Doch der Schein trügt. „Von außen sieht die MooserWirt vielleicht wie eine ‚alte Hütte‘ aus, aber innen sind wir absolutes High-Tech“, erzählt der Eigentümer. Und wie: „Wir haben mehr als 40 km Getränkeleitungen und die Getränke kommen aus mehr als 800 Zapfhähnen. Wir haben 45 mobile Bestellterminals, 45 mobile Kreditkartenterminals und 45 mobile Drucker direkt bei unseren Servicekräften. Das WLAN-Netzwerk, mit mehr als 80 Hotspots und bald 700 Mbit Geschwindigkeit, würde so manches Tech-Unternehmen neidisch machen. Die Beschallungsanlage zählt mehr als 100 Lautsprecher.“
Der Tag folgt einem straffen Zeitplan. Um 5/6 Uhr kommen die ersten Mitarbeiter an, um 11.00 Uhr öffnet die MooserWirt für die WintersportlerInnen und um 14.00 Uhr trifft der letzte Teil der Schicht ein, „sodass wir beim Beginn der Après-Ski um 15.30 Uhr mit dem ganzen Team anwesend sind.“ Nach der Schließung um 20:00 Uhr übernimmt das Reinigungsteam, das „bis circa Mitternacht die Küche, die Bar, die Toiletten und den ganzen MooserWirt blitzblank reinigt.“
Bauen, bauen, bauen
In 35 Jahren gab es 33 Bauprojekte. Eine entscheidende Ergänzung: „Dabei ging es selten um Vergrößerungen, sondern meist um Verbesserungen.“ Dieses Jahr: eine brandneue Bar auf der Galerie, alle Toiletten renoviert, eine neue Zapfanlage und eine neue Spül-/Abwaschanlage. „Unser Bestreben ist, dass der MooserWirt niemals, niemals, niemals ‚alt‘ wird, sondern immer auf dem modernsten Stand ist.“ Der Antrieb hinter jeder Investition? „Alle Verbesserungen folgen immer dem Motto ‚Was ist gut für unsere Gäste?‘ und niemals dem Motto ‚Wie können wir mehr verdienen?‘. Nicht spektakulär, aber sehr erfolgreich.“
Was ist das Geheimnis hinter dem Erfolg?
Was macht den MooserWirt wirklich anders? Der Eigentümer ist überraschend ehrlich: „Ehrlich gesagt weiß ich es nicht, über solche Dinge denken wir einfach nicht nach.“ Die Strategie ist simpel: „Wir schauen nie, was unsere Kollegen machen, wir denken ausschließlich Tag und Nacht darüber nach, wie wir selbst besser werden können – alles andere kommt dann von selbst.“ Und mit einem Augenzwinkern: „Und wenn wir ein unerklärbares, wirklich ungreifbares Geheimnis hätten: Würde ich das dann verraten wollen?“
Was aber klar ist: die Tiroler Wurzeln bleiben sichtbar. „Was die ‚Traditionen‘ betrifft, sind diese identisch mit denen des MooserWirt: 100 % Ehrlichkeit, 100 % Handschlag-Vertrauen. Die Tiroler Bauerntradition steckt sozusagen in unserer DNA.“
Die Menschen hinter dem Erfolg
„Ohne unsere großartigen Mitarbeiter wäre der MooserWirt nicht der MooserWirt.“ Einige MitarbeiterInnen sind schon seit mehr als 30 Jahren dabei. Insgesamt arbeiten mehr als 100 Personen im MooserWirt. Das Rezept? Verwöhnen. Kostenlose Zimmer, kostenloses Essen und Trinken, auch an freien Tagen. „Und wenn sie nach einem besonders harten Tag dann im MooserWirt selbst noch feiern wollen: auf Kosten des Hauses.“
Die Hierarchie? Die ist kaum vorhanden. Und es gilt eine goldene Regel: absolute Diskretion. „Auch unsere Mitarbeiter wissen, dass sie sofort entlassen werden, wenn sie auch nur ein unschuldiges Foto von bekannten Persönlichkeiten in den sozialen Medien posten.“ Es gab genug VIPs, um „den MooserWirt dreimal vollzuhängen“. Aber Fotos? Nirgends zu finden.
Was im MooserWirt passiert…
„Es gibt ein 500-seitiges Buch, das ich niemals schreiben werde: ‚Was im MooserWirt passiert, bleibt …‘“ Eines möchte Eugen jedoch verraten: „Wir wissen von mehr als 50 (!!!) Hochzeiten, bei denen sich das Brautpaar im MooserWirt kennengelernt hat.“ Und dann: „Nein, wir wissen nicht, wie viele davon noch verheiratet sind …“
Vielleicht ist das das eigentliche Geheimnis des MooserWirts: ein Ort, an dem Technologie und Tradition, Professionalität und Spontaneität, Diskretion und Feiern nahtlos zusammenkommen. Und an dem, nach 35 Jahren, der Hunger, besser zu werden, noch immer unersättlich ist.
MooserWirt!
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St. Anton am Arlberg gilt als eine der weltweit bekanntesten Wintersport-Destinationen und ist zentraler Teil der großen Skiregion Ski Arlberg, mit rund 300 km präparierter Pisten und hunderten Kilometern an Tiefschnee-Routen, die unter einem gemeinsamen Liftpass verbunden sind. Die moderne Liftinfrastruktur sorgt für schnellen Zugang zu unterschiedlichsten Abfahrten, von breiten Anfängerpisten bis zu anspruchsvollen, steilen Abfahrten in den Hochlagen. Mit einer Dorfhöhe von etwa 1.300 m und Gipfeln bis oberhalb von 2.800 m bietet St. Anton zuverlässige Schneeverhältnisse. Neben dem Sport zieht das lebendige Ortszentrum mit seinen Hütten, Bergrestaurants und der berühmten Après-Ski-Szene viele Gäste an, was St. Anton gleichermaßen für ambitionierte SkifahrerInnen und gesellige WintersporturlauberInnen attraktiv macht.