Noch sechs Tage. Am Samstag, dem 19. September, öffnen im Schnalstal die Liftanlagen für SkifahrerInnen und SnowboarderInnen und die Skisaison 2026/2027 beginnt. Dann liegt die erste Piste der Alpen präpariert da. Das ist vier Monate vor den Weihnachtsferien – in einer Woche, in der es in den Tälern noch 20 Grad warm wird. Aus diesem Grund haben wir im Skigebiet angerufen, um zu fragen, was man dort genau vorfindet. Die Antwort war ehrlicher, als wir erwartet hatten: Bleibt lieber noch eine Weile zu Hause.
Kurz zusammengefasst
- Der Schnalstaler Gletscher ist das erste Skigebiet, das in dieser Saison öffnet.
- Skifahren dort ist für gewöhnliche SkifahrerInnen und SnowboarderInnen nicht zu empfehlen.
- Es hat nur eine Piste geöffnet, und die ist bretthart.
Eine Piste, 30 Meter breit, spiegelglatt
Was am Samstag öffnet, ist kein Skigebiet in dem Sinn, wie du es kennst. Es handelt sich um eine ungefähr 30 Meter breite, hart und eisig präparierte Piste, die für RennläuferInnen gedacht ist, die im Herbst ihre ersten Trainingstage absolvieren. Das ist kein Nachteil, sondern eine bewusste Entscheidung. Für ein Skiteam ist Eis genau das, was man sich wünscht: ein Untergrund, der auch nach hundert Abfahrten noch genauso ist wie bei der ersten. Für jeden, der gerne in den Skiurlaub fährt, um entspannt Ski zu fahren, ist es eher das Gegenteil, um einen schönen Tag zu haben.
Überlasst es den Profis
Das Skigebiet sagt es selbst ganz unverblümt: Das ist nichts für gewöhnliche Skifahrerinnen und SnowboarderInnen, auch nicht für ein paar Kurven. Überlasst es den Profis. Das ist gut zu wissen, denn die Versuchung ist durchaus vorhanden. Ein Skitag im September klingt nach einer Geschichte, die man Hause erzählen möchte, bis man für einen Tagespass, acht Stunden Autofahrt und frühes Aufstehen eine halbe Piste Eis bekommt.
Der Erste der Saison? Und was ist mit Zermatt und dem Stilfser Joch?
Ist der Schnalstaler Gletscher tatsächlich das erste Skigebiet, das öffnet? Es gibt andere Gebiete, die diesen Anspruch scheinbar infrage stellen. Bei genauerem Hinsehen tun es jedoch beide nicht. Zermatt wirbt seit Jahren mit Skifahren das ganze Jahr über, und auf dem Papier stimmt das auch. In der Praxis stehen die Liftanlagen am Theodulgletscher jedoch seit Anfang August still: Die Hitze des vergangenen Sommers machte eine Präparierung unmöglich. Zermatt hat natürlich die Möglichkeit jederzeit wieder den Betrieb aufzunehmen, vielleicht sogar noch vor dem 19. September. Das wäre jedoch die Wiederaufnahme eines unterbrochenen Ganzjahresbetriebs und nicht der Beginn einer neuen Saison.
Am Stilfser Joch liegt der umgekehrte Fall vor. Dort laufen die Liftanlagen zwar momentan, aber dabei handelt es sich ausschließlich um Sommerskibetrieb: Das Gebiet öffnet Ende Mai oder Anfang Juni, erlaubt das Skifahren nur am Vormittag und schließt meist Anfang November, genau dann, wenn der Rest der Alpen in die Saison startet. Das Stilfser Joch beendet seine Saison also ungefähr zu dem Zeitpunkt, an dem der Winter in den Alpen erst beginnt. Übrig bleibt das Schnalstal am Samstag, dem 19. September. Das erste Skigebiet, das die Saison 2026/2027 eröffnet.
Warum gerade dieses Tal als erstes öffnen kann
Der Grund liegt in der Höhe. Die Talstation in Kurzras liegt auf 2.011 Metern und damit höher als der höchste Punkt in vielen Skigebieten in den Alpen. Die Gletscherbahn bringt dich in einer einzigen Fahrt zur Grawand auf 3.212 Metern. Alles, was man dort fährt, liegt oberhalb von 2.800 Metern auf einem nach Norden ausgerichteten Gletscher. Das ist auch die Höhe, in der der Schnee dieser Woche liegen geblieben ist, den am Mittwoch und Donnerstag eine Kaltfront gebracht hat, die über die Alpen zog.
Für Trainingsgruppen ist dies einer der wenigen Orte in Europa, an denen man im Herbst zuverlässig auf Schnee trainieren kann. Aus diesem Grund beginnt die Saison dort und deshalb auch auf diese Weise.
19. September 1991
Dass die Eröffnung genau auf den 19. September fällt, ist Zufall, allerdings ein schöner Zufall. Am 19. September 1991 stießen zwei deutsche Wanderer am Tisenjoch, am Rand desselben Gletschergebiets, auf einen Körper, der aus dem schmelzenden Eis herausragte. Sie hielten ihn für einen verunglückten Bergsteiger. Es stellte sich heraus, dass der Mann mehr als 5.000 Jahre alt war. Ötzi liegt inzwischen im Archäologiemuseum in Bozen, doch die Fundstelle gibt es noch immer: auf 3.210 Metern Höhe, markiert durch eine steinerne Pyramide und von Kurzras aus als anspruchsvolle Tagestour erreichbar. Nächsten Samstag ist das genau 35 Jahre her. Wenn du in diesem Herbst trotzdem ins Schnalstal fahren möchtest, ist das vielleicht der bessere Grund dafür. Nicht unbedingt die erste geöffnete Piste.