30. Dezember 2018 Von: Sarah in 'Wintersport', Allgemein'' | 0 Kommentare

„Ich habe gewusst, dass ich eigentlich nicht dazu gehöre, dass ich keine richtige Frau bin. Das habe ich gewusst. Wenn ich ganz ehrlich bin, ich habe immer gedacht, ich bin gar kein Geschlecht – kein Mann und keine Frau.“

"Die Erika ist bei mir immer noch drin"

Am 19. Juni 1948 kam Erik Schinegger als Erika Schinegger in Agsdorf in Kärnten zur Welt. Aufgrund von Pseudohermaphroditismus, also nach innen gewachsenen Geschlechtsteilen, wurde er fälschlicherweise als weibliches Baby eingestuft. Dieses Baby, das als Mädchen aufwuchs, entwickelte sich zu einem Ausnahmetalent des österreichischen Skisports und zum Stolz der österreichischen Nationalmannschaft im Jahr 1966, wo sie Weltmeisterin im Skiabfahrtslauf wurde. Schinegger gibt im Interview mit der Deutschen Welle an, sich immer wie das hässliche Entlein gefühlt zu haben. Dies belegt auch das folgende in späteren Filmen verwendete Zitat: "Schön is sie net, aber schnell is sie halt!"

Aus Erika wurde Erik

1966 wurde sie bei der Wahl zu Österreichs Sportler des Jahres mit 837 Punkten Zweite hinter Emmerich Danzer und damit Sportlerin des Jahres. Vom Sportpresseklub Kärnten wurde sie 1966 und 1967 als Sportler(in) des Jahres ausgezeichnet. Bei einem medizinischen Test aufgrund des organisierten Hormonmissbrauchs der Ostblock-Sportlerinnen vor den Olympischen Winterspielen in Grenoble im Jahr 1968 zeigte sich, dass die Spitzensportlerin genetisch männlich ist. Im Alter von 19 Jahren entschied sich Schinegger für eine Operation und aus Erika wurde Erik. Zwar wurde ihm der Weltmeistertitel nicht nachträglich aberkannt, die Zweitplatzierte Marielle Goitschel erhielt jedoch rückwirkend ebenfalls die Goldmedaille. Einige Jahre später überreichte Schinegger seine Medaille an Goitschel.

Erik Schineggers Leben in Buch und Filmen

Im Jahr 1988 schrieb Erik Schinegger das Buch Mein Sieg über mich. Der Mann, der Weltmeisterin wurde. 2005 entstand der Dokumentarfilm ERIK(A) – Der Mann der Weltmeisterin wurde von Kurt Mayer. Darin gibt Schinegger zu, wie sehr seine erste Frau unter seiner Besessenheit gelitten hätte, sich als Mann zu beweisen, was sich besonders in Maßanzügen, schnellen Autos und zahlreichen Affären manifestierte. Der im Jahr 2018 entstandene Film Erik & Erika von Reinhold Bilgeri weckte neues Interesse am Leben des ehemaligen Ausnahmesportlers. Darin wird besonders die Thematik der öffentlichen Ächtung und des Drucks einer Geschlechtsumwandlung zur Frau – anstatt des vergleichsweise einfachen medizinischen Eingriffs der Freilegung der nach innen gestülpten männlichen Geschlechtsteile – beleuchtet.

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Hallo, ich bin Sarah. Meine Skikarriere begann mit Benjamin Blümchen-Skiern, mit denen ich wohl mehr angegeben habe, weil sie so schön rosa waren, anstatt dass ich wirklich damit gefahren bin. Heute bin ich für Snowplaza auf den Pisten unterwegs und berichte von meinen Erlebnissen im Snowplaza Blog.

 
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