23. Dezember 2014 Von: Felix in 'Skifahren'' | 0 Kommentare

Freestyle im Skigebiet Flims-Laax

Reto Gurtner ist der Visionär der Wintersportbranche. Sein Ziel lautet: Skiurlaub soll attraktiver werden. Vor einigen Jahren hat der Chef des beliebten Skigebiets Flims-Laax-Falera in der Schweiz deshalb die „Revolution am Berg“ ausgerufen. Damit möchte Gurtner den Massentourismus in den Alpen entschleunigen. Zu seinen Ideen zählen Skilifte im Porsche-Design, die erste Freestyle-Halle in Europa und vielleicht schon bald eine Hütte für Vegetarier. Snowplaza hat mit dem 59jährigen über die Zukunft des Skifahrens gesprochen, die Trends im Wintersport, über seine neuesten Projekte und Lieblings-Skigebiete zum Skifahren.

Sie wollen Skiurlaub attraktiver machen?

„Sagen wir mal so, wir versuchen es. Aber nicht für jedermann, sondern für die freizeitaktive urbane Gesellschaft, das heißt für die Surf- und Freestyle-Generation.“

Wie möchten Sie das anstellen?

„Wir wollen weg vom Massentourismus. Früher war Skifahren viel mehr ein Lifestyle-Produkt als heute. Doch dann hat sich die gesamte Wintersportbranche industrialisiert. Es wurden Hochleistungsanlagen gebaut, Massenverpflegungsbetriebe errichtet, und die Exklusivität ging verloren. Ich will im Skiurlaub aber nicht einfach nur 20 Mal hoch und wieder runter fahren. Da kann man auch ins Fitnesscenter gehen. Im Skiurlaub geht es darum, Gleichgesinnte zu treffen. Es geht um gutes Essen, Wellness, die Natur. Das Gesamtpaket ist entscheidend.“ Hier gibt es alle Skigebiete im Überblick >>

Zum perfekten Skiurlaub gehören neben Skifahren auch Essen, Wellness und Natur.

Welche Ideen haben Sie genau?

„Also erstens muss die Bergbahnfahrt wieder zu einem Erlebnis werden. Deshalb waren wir auch die ersten, die Hochgeschwindigkeits-Sesselbahnen mit 6 Metern pro Sekunde und Abdeckhauben in Betrieb genommen haben. Die Haube darf aber nicht einfach nur alles Plastik Fantastik sein, sondern bei uns gibt es Lifte im Porsche-Design. Außerdem bauen wir zur Zeit die erste 10er-Gondelbahn im Ferrari-Design [Eröffnung zur Saison 2015/2016 geplant]. Zweitens muss die Konfiguration der Skigebiete neu ausgerichtet werden. Früher waren möglichst viele steile, schwarze Pisten das Nonplusultra, heute ist es genau umgekehrt. Vor allem Skifahrer aus den neuen Märkten wie China, die zum ersten Mal auf den Skiern stehen, suchen ein schnelles Erfolgserlebnis und wollen lieber cruisen, das heißt die Landschaft genießen, an der frischen Bergluft sein und unterwegs an einem schönen Bergrestaurant Halt machen. Drittens: Wir setzen auf Freestyle und schauen uns an, was die Jugend macht.“ Hier geht es zu den besten Snowparks der Alpen >>

Was macht die Jugend?

„Die geht zum Beispiel gern Surfen und fährt Skateboard. Der Weg vom Skateboard zum Snowboard ist kurz. Skateboarden ist ein Ausdruck eines Lebensgefühls. In den Städten haben viele Jugendliche ein Skateboard unterm Arm, Beat-Kopfhörer auf, Ipods dabei oder was auch immer das ist, dazu die passenden Klamotten an. Genau diese Bedürfnisse wollen wir mit unseren Snowparks ansprechen. Wir haben in Flims-Laax-Falera neue Maßstäbe mit unserer Mega-Pipe und der ersten Indoor-Freestyle-Akademie gesetzt. Heute kann man in Flims-Laax generationsübergreifend Skiurlaub machen. Die Großeltern kommen mit ihren Enkeln, und jeder findet das passende Angebot.“

Flims-Laax setzt neue Maßstäbe mit Mega-Pipe und der ersten Indoor-Freestyle-Halle.

Wie kommen Sie auf neue Ideen?

„Wer sich für die Zukunft des Wintersports interessiert, muss sich immer fragen: Was geht in den Städten ab? In London, in Paris, in New York, in San Francisco oder in Berlin? Gerade Berlin ist extrem innovativ. Da treffen verschiedenen Kulturen aufeinander, es gibt keinen Mainstream, sondern viele unterschiedliche Künstler und Ideen. Da ist viel Kreativpotential vorhanden. Die leben eine Freizeitkultur, wie es in kaum einer anderen Stadt in Europa gibt.“

In Berlin gibt’s aber keine Berge…

„Es geht auch nicht darum die urbane Lebenswelt zu kopieren. Wir wollen den Lebensstil verstehen und herausfinden, was in die Berge passen würde.“

Zum Beispiel?

„Also ich war vor etwa einem halben Jahr in Berlin. Und was ich da interessant fand, sind die ganzen Pop-Up-Stores [gemeinschaftlich genutzte Verkaufsräume] und die Entwicklung der vegetarischen Restaurants. Die jungen Leute achten viel mehr als früher auf ihren Körper und essen immer bewusster. Das würden wir natürlich auch gern alpin integrieren. Zum Beispiel könnte es vielleicht Skihütten für Vegetarier oder Veganer bei uns im Skigebiet geben. Die Idee ist da!“

Der Skilift im Porsche-Design dreht sich zum Berg, so dass Skifahrer die Aussicht besser genießen können.

Machen Sie selbst auch Skiurlaub?

„Skiurlaub nicht, sondern meistens bin ich geschäftlich in anderen Skigebieten unterwegs. Das ist das Schöne an dem Beruf. Man kann das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden.“

Wie viele Skigebiete haben Sie bereits besucht?

„Oh, keine Ahnung! Ich habe die wichtigsten Skigebiete in den USA gesehen, in Kanada, in der Türkei, in den Alpen eigentlich alles. Am besten war es in Telluride in Colorado, eine alte, unter Schutz gestellte Minenstadt. Das ist wie Aspen vor 30 Jahren, man kommt sich vor wie im Wilden Westen. Da hat es zum Beispiel noch 150jährige Bars, wo sie früher herumgeschossen haben.“

Das Skigebiet Flims-Laax-Falera ist flächenmäßig eines der größten Skigebiete der Welt.

Was wünschen Sie sich für die Skisaison?

„Viel Sonne & Schnee!“

Hier finden Sie alle Informationen zum Skigebiet Flims-Laax-Falera >>

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Ehrlich gesagt, gibt es nur eine Sportart, die ich seit meiner Schulzeit immer wieder betreibe: Skifahren! Schon wenn die ersten Flocken runter kommen, stehe ich auf den Brettern und düse die Skihänge herunter.

 
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