13. Februar 2019 Von: Marlene in 'Allgemein''

Wir standen noch nie auf Langlaufski. Das sollte sich in dieser Wintersaison ändern. Seit Oktober trainieren 7 Langlaufanfänger unter dem Namen Nordic Team Tirol die Skating-Technik. Zuerst auf Skirollern, später auf der Loipe. Am Schluss sollen die Newbies am Koasalauf, an einem der größten Volkslangläufe in Österreich, gemeinsam mit rund 800 weiteren Athleten an den Start gehen. Mit dabei ist auch Snowplaza-Bloggerin Marlene. Im Rückblick fasst sie zusammen, wie das Team sich bei den Trainingseinheiten geschlagen hat, welche Höhen und Tiefen es gab und berichtet, ob die Ziellinie von allen erreicht wurde.

Aller Anfang ist schwer

Die ersten Berührungspunkte mit der nordischen Sportart hat das Nordic Team Tirol nicht etwa auf der Loipe, sondern auf dem Asphalt. Besser gesagt auf einer sogenannten Skirollerstrecke in der Olympiaregion Seefeld. Etwas misstrauisch betrachten wir die Dinger da in unserer Hand, die an überdimensionierte Inlineskates erinnern. Die Schuhe sind unbequem. Schon nach wenigen Sekunden auf den Rollern krampfen die Fußsohlen. Scheinbar nicht nur bei mir, wie ich im Nachhinein erfahre. Der eine oder andere von uns landet unsanft auf dem harten Untergrund. Trotzdem seien die Trainer begeistert. Wir seien erstaunlich gut. Sind wir das? Fühlt sich noch nicht so an ...

Skiroller Seefeld Nordic Team Tirol

Was wird uns wohl erwarten? Das Nordic Team Tirol bei der ersten Skiroller-Einheit. © Charly Schwarz

Der erste Schneekontakt

Die zweite Trainingseinheit findet im Biathlonzentrum in Obertilliach erstmals auf der Loipe statt. Das ist bestimmt einfacher als Skirollern, dachten wir. Ist es nicht, lernen wir. Abgesehen von uns sind nur Profis auf der etwa 2 Kilometer langen Rundloipe unterwegs. Während wir unsicher versuchen ins Gleiten zu kommen, sausen Athleten in Höchstgeschwindigkeit an uns vorbei. Ein Herr bleibt stehen, betrachtet uns. Was wir hier machen, will er wissen. Trainer Raphi klärt ihn auf. Der Mann schaut ungläubig, lacht, wünscht uns viel Erfolg. So richtig will er noch nicht an uns glauben. Dafür glauben unsere Trainer an uns. Wir werden besser, behaupten sie.

Die ersten längeren Strecken

In Galtür laufen wir zum ersten Mal auch eine längere Strecke. Etliche Höhenmeter müssen wir zurücklegen. Die Beine brennen. Immer wieder bleibe ich stehen, keuche nach Luft und versuche mich auf die Technik zu konzentrieren, die noch immer nicht ganz verankert ist. Um mich herum ertönt der eine oder andere entnervte Seufzer. Es geht mir also nicht alleine so. Dafür winkt am Folgetag eine Loipe, die stetig abfallend von Galtür bis nach Ischgl führt. Etwa 10 Kilometer legen wir zurück. Wir klatschen ab. Sind stolz auf uns. Na, geht doch. Der Koasalauf ist nur 40 Kilometer länger.

Das Training schlägt an: Wir werden besser

Nordic Team Tirol

© Charly Schwarz

Der eine oder andere Sturz bleibt trotzdem nicht aus

Nordic Team Tirol

© Charly Schwarz

Als Team funktionieren wir aber richtig gut

Nordic Team Tirol

© Charly Schwarz

Die Generalprobe

Aufgeregt sitzen wir abends bei einer riesigen Portion Kaiserschmarrn zusammen. Gehen alles nochmal durch. Beim Start kann man das Rennen nie gewinnen, nur verlieren. Das ist das Learning des Abends. Wir sollen auf unsere Stöcke aufpassen. Spannung liegt in der Luft. Im Tannheimer Tal steht uns unser erster Langlaufwettkampf bevor. Noch nie zuvor habe ich an einem Wettkampf teilgenommen. Damit bin ich nicht alleine. Ein dicker Kloß macht sich in meinem Hals breit. 19 Kilometer stehen mir bevor. Werde ich das schaffen? Der nächste Tag verspricht Klarheit. Wir stehen am Start. Kommen ins Ziel. Und liegen uns dankbar und zuversichtlich zugleich in den Armen. Jetzt kann der Koasalauf kommen.

Beim Koasalauf auf der Zielgeraden

Das Erfolgserlebnis macht Mut. Zuversichtlich stimmen wir uns auf den Koasalauf ein. Das ist der Tag, auf den wir seit Oktober hintrainiert haben. All das Blut, der Schweiß und die Tränen seien für diesen Tag gewesen, lässt Trainer Raphi bei der Motivationsrede vor dem Start in St. Johann in Tirol durchklingen. Wir stehen im Kreis, strecken jeweils einen Arm aus, legen die Hände aufeinander. Ein Schlachtruf ertönt. Wenig später der Startschuss. Und dann geht's los. Ski kratzen über den Schnee. Angetrieben von dem Gedanken, dass es wirklich machbar war, vom Langlaufanfänger zum Teilnehmer bei einer der größten Volkslanglaufveranstaltungen Österreichs zu werden, kommen wir alle ins Ziel. Ich auf der 28 km Strecke, der Rest nach 50 Kilometern. Die folgende Sektdusche ist mehr als verdient.

Fazit

Es waren verrückte Wochen. Teilweise geprägt von Rückschlägen und Selbstzweifeln. Immer mal wieder tat sich die Frage auf, warum ich mir das überhaupt antue. Andererseits waren da auch die Erfolgserlebnisse. Und der Teamgeist. Die Motivation der Trainer und die gegenseitige Unterstützung haben den doch sehr anstrengenden Weg bis zum Koasalauf wie im Flug vergehen lassen. Jetzt stehen wir hier mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits sind wir stolz auf die Fortschritte und auf alles, was wir erreicht haben. Andererseits ist das Projekt Nordic Team Tirol jetzt erstmal vorbei. Das heißt aber nicht, dass wir nicht weiterhin den einen oder anderen Kilometer auf der Loipe zurücklegen oder wieder mal an einem Volkslanglauf an den Start gehen. Vielleicht sogar als Team?!

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Als Wahlmünchenerin habe ich die Alpen ja quasi vor der Tür und bin deshalb gern in den Bergen unterwegs. Von Oktober bis Mai und manchmal auch im Hochsommer begleiten mich dabei meine geliebten Skier.

 
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